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Bundestagswahl:Ruhig und unaufgeregt nach den Anschlägen in Bayern

Herrmann könnte im Wahlkampf zum Garanten für die in der CSU besonders wichtigen Felder Sicherheits- und Flüchtlingspolitik werden. Er vertritt einen klaren, mitunter harten Kurs, achtet aber - anders als Parteikollegen - stets auf seine Wortwahl. Herrmann zählt seit Jahren zu den Leistungsträgern im Kabinett, kann über Bauverordnungen so spontan referieren wie über die Sicherheitslage.

Als der Freistaat im vergangenen Sommer von den Anschlägen in Ansbach, Würzburg und München erschüttert wurde, gewann er zusätzlich an Statur durch Eigenschaften, die ihm bis dahin als Nachteil ausgelegt worden waren. Er überzeugte durch Ruhe und Unaufgeregtheit. Mancher in der CSU sah darin lange einen mangelnden Ehrgeiz, verwechselte dies aber womöglich nur mit Herrmanns Loyalität.

Amoklauf in München Besonnen, seriös, kompetent - behäbig
Joachim Herrmann

Besonnen, seriös, kompetent - behäbig

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ist omnipräsent. Wird er nur vom Scheinwerferlicht angestrahlt oder schlummert mehr in dem Franken?   Von Lisa Schnell und Roman Deininger

Die Indizien, der Mann aus Erlangen könnte nach Berlin wechseln, häuften sich. Bei Parteiveranstaltungen warb Hermann auffallend energisch für Geschlossenheit mit der CDU und einen engagierten Bundestagswahlkampf. Er reiste in den Libanon, um sich über Hilfsprojekte und die Lage von Flüchtlingen zu informieren. Diese Woche war er in Nordrhein-Westfalen unterwegs, um den Kollegen der CDU im Wahlkampf zu helfen. All das gehört nicht zur Stellenbeschreibung eines bayerischen Landesministers.

Sollte die CSU auch der nächsten Bundesregierung angehören, wird Seehofer wohl versuchen, das Innenministerium für Herrmann zu beanspruchen. In den vergangenen Wochen nahm er ihn bereits öfter zum Koalitionsgipfel mit. Und man könne "niemanden mitnehmen, wenn die Kanzlerin das nicht will", sagte Seehofer. Das sollte zeigen, dass Angela Merkel Herrmann wohl grundsätzlich schätze.

Beim letzten Koalitionstreffen vor Ostern sei der entscheidende Beitrag zum Thema Wohnungseinbrüche von Herrmann gekommen, sagte Seehofer noch. "Und zwar so, dass der Parteivorsitzende keine feuchten Hände bekommen muss." Auch in der CSU-Landesgruppe kommt Herrmann mit seiner seriösen Art gut an. Klar dürfte aber sein: Sollte er nach Berlin wechseln, dann nur als Innenminister.

Beste Chancen bei einem Duell gegen Söder

Sogar als Parteichef wurde Herrmann zuletzt gehandelt, der ehemalige CSU-Vorsitzende Erwin Huber zählt zu seinen größten Fürsprechern. Auch andere in der CSU sind der Ansicht, dass der Mittelfranke von allen in der Partei wohl die besten Aussichten hätte, sollte es zu einem Duell mit einem anderen Mittelfranken kommen, Markus Söder. Bei Parteitagen erzielt Herrmann stets glänzende Ergebnisse. Doch diese Frage stellt sich für ihn nicht, solange Seehofer sich nicht selbst zu seiner Zukunft geäußert hat.

Im Oktober dieses Jahres feiert Herrmann sein zehnjähriges Jubiläum als bayerischer Innenminister. Ob es wirklich dazu kommt, könnte auch vom Tempo der Koalitionsverhandlungen abhängen. Seine Mitarbeiter, die auf einen Verbleib in München gewettet haben, sollten sich ihrer Sache jedenfalls nicht zu sicher sein.

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