Satire und Sexismus:Gesucht: Die "schärfste Biene des Bundestags"

Lesezeit: 2 min

Satire und Sexismus: "In welcher Zeit leben wir überhaupt?" Die niederbayerische FDP-Politikerin Nicole Bauer ist seit 2017 Abgeordnete des Deutschen Bundestags.

"In welcher Zeit leben wir überhaupt?" Die niederbayerische FDP-Politikerin Nicole Bauer ist seit 2017 Abgeordnete des Deutschen Bundestags.

(Foto: Tobias Koch/FDP)

Die niederbayerische FDP-Bundestagsabgeordnete Nicole Bauer fühlt sich durch einen Beitrag von Linken-Politiker Gregor Gysi in der Sendung TV Total verletzt - und löst damit eine Debatte aus.

Von Hans Kratzer

Das politische Bayern hat wahrlich schon glänzendere Zeiten erlebt als diese von Corona und von der neuen Regierung in Berlin getrübten Dezembertage. Kein einziges Ministeramt haben die Ampel-Koalitionäre dem Freistaat gegönnt. Gemäß den heutigen Maßstäben der Moral ist das vermutlich eine schwere Form der Diskriminierung, vielleicht sogar eine Demütigung. Dass die Bayern zurzeit in Berlin einen schweren Stand haben, zeigte auch eine Fernsehshow mit dem Moderator Sebastian Pufpaff. Nach deren Ausstrahlung geriet die aus dem Landkreis Landshut stammende FDP-Bundestagsabgeordnete Nicole Bauer in das Zentrum einer Debatte um Satire und Sexismus.

Das kam so: In der vom Sender ProSieben präsentierten Uralt-Sendung TV Total, die vor Kurzem aus der medialen Mottenkiste hervorgezerrt wurde, fragte Pufpaff den Linken-Politiker Gregor Gysi, wer denn eigentlich "die schärfste Biene im neuen Bundestag" sei. Gysi antwortete: "Die kenn' ich schon, das ist eine von der FDP." Pufpaff ganz aufgeregt: "Wer ist es denn?" Gysi grinsend: "Sag ich nicht. Selber finden."

Der Server der FDP-Webseite soll daraufhin, so kommunizierte es jedenfalls Pufpaff, vor lauter Anfragen zusammengebrochen sein. Nebenbei erwähnte er noch, es sei "nicht sexistisch, was wir machen, das ist Service". Er zielte damit auf die Recherche des Senders ab, die zu den Politikerinnen Nicole Bauer und Ria Schröder führte. Bauer bekam überdies einen satirischen Leberhaken mit. Sie sei ein ausgereiftes rhetorisches Talent, sagte Pufpaff und spielte drei Redeabschnitte im Bundestag vor, in denen sich Bauer jeweils zungenbrecherisch verhaspelt hatte.

"Ich frage mich auch, in welcher Zeit wir 2021 überhaupt leben."

Kaum war die Sendung beendet, brach im Netz ein Streit los. Nicole Bauer ließ über Twitter wissen, sie halte die Aktion von TV Total für sexistisch und problematisch. "Ich frage mich auch, in welcher Zeit wir 2021 überhaupt leben, dass Frauen in der Öffentlichkeit so sehr auf ihre Optik reduziert werden", schrieb die 34-jährige Politikerin, die auch frauenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion ist. Die Selbstverständlichkeit, mit der Frauen nach ihrem Äußeren beurteilt würden, sei "fürchterlich und frustrierend", schrieb Bauer.

Zur Seite sprangen ihr die Jungen Liberalen Bayern, die beklagten, TV Total habe die weiblichen Abgeordneten "auf unangebrachteste Weise auf ihr Äußeres reduziert und sie anschließend bloßgestellt. Eine Entschuldigung des Senders wäre hier mehr als angebracht". Franziska Brandmann, Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, sprach gar von einer Demütigung der Politikerinnen, die sie fassungslos mache. Diese Klagehaltung kam jedoch im Netz nicht überall gut an, viele konnten die Aufregung nicht nachvollziehen.

Selbstverständlich gab auch die Twitter-Prominenz ihren Senf dazu. TV-Satiriker Jan Böhmermann riet der FDP zu einer Beschwerde beim Rundfunkrat. Trotzdem konnte die Debatte die Frage der Grenzlinie zwischen Satire und Sexismus bis jetzt nicht letztgültig klären. Es war ganz gut, dass Pufpaff, der Satiriker, die Erregung am Ende der Sendung abkühlte: "Für mich ist es ganz klar", sagte er und blendete ein Foto ein, "die schärfste Biene von allen: Christian Lindner!"

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