Oberbürgermeister von Bad Reichenhall Antrag auf Burnout

Erschöpfter Bürgermeister: Vier Monate war Herbert Lackner, Rathauschef von Bad Reichenhall, wegen Burnout krankgeschrieben. Obwohl er seit seiner Rückkehr im vergangen August keinen Tag gefehlt hat, schickt ihn der Stadtrat nun zum Amtsarzt. Aus Sorge um seine Gesundheit, heißt es. Doch dahinter steckt etwas anderes.

Von Korbinian Eisenberger

56 Prozent bei der Stichwahl - am 25. März 2012 lächelte Herbert Lackner, der neue und alte Oberbürgermeister von Bad Reichenhall, fröhlich in die Kamera. Ein trügerisches Bild. Denn nur einen Tag später erkrankte der frisch gewählte OB an einem Erschöpfungssyndrom, im Volksmund auch "Burnout" genannt. Erst im August nahm Lackner die Amtsgeschäfte wieder auf.

Jetzt, fast zehn Monate später, hat der Stadtrat laut offizieller Mitteilung "schweren Herzens" beschlossen, ein Verfahren einzuleiten, das den Oberbürgermeister für dienstunfähig erklären soll. In einer nicht öffentlichen Sitzung beschlossen die Stadträte vergangene Woche mit 21 zu drei Stimmen, Lackner zum Amtsarzt zu schicken.

Wenn dieser die Dienstunfähigkeit bestätigt, kann Artikel 23 des Bayerischen Wahlbeamtengesetzbuches greifen und Lackner als OB entlassen werden. Bereits vor seiner Wiederwahl und der anschließenden Erkrankung soll der CSU-Politiker in seinem Amt schwere Fehler begangen haben.

Der Stadtrat begründet seine Entscheidung, Lackner zum Amtsarzt zu schicken, in einem fünfseitigen Schreiben so: Man habe "aus Sorge und im Bewusstsein seiner Verantwortung für die Gesundheit des Oberbürgermeisters" gehandelt. Wenn dieser erst einmal "von der Last des Amtes befreit" sei, bestehe für den Stadtrat die "ehrliche Hoffnung, dass es Dr. Lackner wieder einmal besser gehen möge".

Überschaubare Dankbarkeit

Lackners Dankbarkeit für die Aufrichtigkeit und das Mitgefühl der Stadträte hält sich aber in Grenzen. Er ist von seiner vollständigen Genesung überzeugt: "Ich bin gesund und konzentriere mich auf die vielen Aufgaben und Herausforderungen."

Zum Verhängnis werden könnte ihm jedoch nicht nur seine Erkrankung werden, die aus Sicht des Stadtrates möglicherweise noch nicht ausgestanden ist. Der Beschluss, Lackners Dienstfähigkeit überprüfen zu lassen, hat vor allem mit angeblichen Problemen gegen Ende von dessen erster Amtszeit zu tun.