Amigoaffäre Staatsanwalt fordert Haft für Ex-Chef der Miesbacher Sparkasse

Georg Bromme war Sparkassenchef im Landkreis Miesbach.

(Foto: Lino Mirgeler/dpa)
  • Georg Bromme soll wegen Untreue und Vorteilsgewährung ins Gefängnis.
  • Für den früheren Landrat Jakob Kreidl (CSU) fordert der Staatsanwalt eine Bewährungsstrafe.
  • Im Laufe des Prozesses sind schon etliche Anklagepunkte weggefallen. Ein Urteil wird nächste Woche erwartet.
Von Matthias Köpf

Wäre hier der Vorstand der Kreissparkasse Miesbach zusammengesessen, dann hätte wohl schon dieses leichte Heben der Brauen, dieses kaum merkliche Kopfschütteln und die kurze Notiz mit dem goldglänzenden Stift dem Vortragenden ernste Sorgen bereitet. Georg Bromme wird in diesen zwei Stunden noch öfter mit dem Kopf schütteln und den Stift noch kräftiger aufdrücken, doch auf Oberstaatsanwalt Jürgen Rohrmüller macht das keinen Eindruck. Am Ende seines Plädoyers am Montag im Landgericht München steht seine Forderung für den früheren Chef der Miesbacher Kreissparkasse: Bromme soll wegen Untreue und Vorteilsgewährung für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis, Bewährung gäbe es bei so einem Strafmaß keine mehr. Für den früheren Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU) fordert Rohrmüller wegen Untreue und Vorteilsannahme ein Jahr und vier Monate auf Bewährung.

Der dritte aktuelle Angeklagte in der Miesbacher Amigoaffäre ist Brommes Nachfolger Martin Mihalovits, für den der Ankläger acht Monate auf Bewährung fordert. Doch Rohrmüller sieht in Bromme und in Kreidl, der als Landrat auch Verwaltungsratsvorsitzender des Instituts war, die Hauptverantwortlichen für das, was sich einige Sparkassenleute und Lokalpolitiker im Landkreis Miesbach über viele Jahre herausgenommen haben.

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In den fünf Monaten, die der Prozess vor der Wirtschaftsstrafkammer im Landgericht München schon dauert, sind etliche Anklagepunkte weggefallen: Die Sanierung von Räumen im Landratsamt auf Kosten der Sparkasse ließ sich als gemeinnützig ansehen. Irgendwo in einem Sparkassen-Keller fand sich doch noch ein Umzugskarton mit Belegen dafür, dass Bromme für den Beratervertrag nach seinem Ausscheiden wirklich Leistungen erbracht hat. Bei einem Grundstücksgeschäft mit der Gemeinde Holzkirchen ging es seitens der Sparkasse wohl doch ohne Bestechung zu, obwohl der damalige Bürgermeister einen Strafbefehl wegen Bestechlichkeit akzeptiert hat. Und selbst die rund 120 000 Euro teure und zu einem großen Teil von der Sparkasse bezahlte Feier zu Kreidls 60. Geburtstag im Jahr 2012, die später die ganze Affäre ins Rollen brachte, fällt nicht mehr ins Gewicht. Der vom Staatsanwalt angenommene Schaden für die Sparkasse schrumpfte so von 1,25 Millionen auf 300 000 Euro.

Trotzdem bleiben Rohrmüller aus den untersuchten Jahren 2009 bis 2013 noch genug Vorwürfe für zwei Stunden Plädoyer. Unter anderem geht es weiterhin um eine 55 000 Euro teure Geburtstagsfeier für den damaligen Vizelandrat Arnfried Färber, um Spenden an Tiroler Jagdfreunde, um teure Geschenke aus Brommes persönlich verwaltetem Präsentekeller sowie um einige gediegene bis dekadente Fahrten für Bürgermeister, Verwaltungsräte oder Kreisräte nebst Ehepartnern nach Wien, in die Steiermark oder ins Stubaital. All dies ging laut Anklage stets größtenteils auf Kosten der Sparkasse, aber ohne zwingenden Anlass und ohne direkten Nutzen für die Bank. Teilweise kamen da schnell fünfstellige Weinrechnungen zusammen, einmal sogar teils als "Seminarpauschale" verbucht. Eine 85 000 Euro teure Fahrt ins Grandhotel nach Interlaken samt "James-Bond-Ausflug" per Seilbahn ins rotierende Restaurant auf dem Schilthorn, einem Drehort von "Im Geheimdienst ihrer Majestät", habe sich Bromme als "Abschlussfahrt" organisiert, sagt Rohrmüller.

Zivilrechtliche Ansprüche an die Angeklagten hatte die Sparkasse längst mit deren Versicherung geklärt. Doch zuletzt haben sich alle drei noch einmal um einen Täter-Opfer-Ausgleich bemüht, um das Strafmaß zu drücken. Kreidl hat der Sparkasse 15 000 Euro bezahlt, Mihalovits 8000 Euro. Beide haben sich persönlich beim Verwaltungsrat und indirekt auch bei den Mitarbeitern entschuldigt, wobei der aktuelle Verwaltungsrat Mihalovits eher als Opfer ansehen wollte und als denjenigen lobte, der nach Bromme "das Ruder herumgerissen" habe. Bromme hat sich mit seinem einstigen Institut zwar auf eine Zahlung von 25 000 Euro geeinigt, aber noch nicht auf die Modalitäten. Eine Entschuldigung, wie sie die Sparkasse verlangte, wollte der intern einst als selbstherrlich und jähzornig gefürchtete Bromme in diesem Umfang ebenfalls nicht abgeben.

Auch darauf reagiert der Staatsanwalt mit seiner Forderung von zweieinhalb Jahren Haft, was über seine eigenen Angebote für den Fall eines Geständnisses und auch über die bisherigen Andeutungen des Gerichts deutlich hinausgeht. Dass weder Prüfungen des Sparkassenverbands noch der Regierung Missstände aufgedeckt hätten, wie Bromme und Kreidl im Prozess stets betont haben, will Rohrmüller höchstens beim Strafmaß berücksichtigt sehen: Hinweise von Prüfern habe es durchaus gegeben, doch die damalige Leiterin der Prüfungsstelle des Sparkassenverbands habe diese Hinweise nicht weitergegeben. Die Frau hat inzwischen einen Strafbefehl wegen Beihilfe zur Untreue akzeptiert.

Die Verteidiger werden an diesem Mittwoch plädieren; ein Urteil wird frühestens für kommenden Montag erwartet.