Nach Streit um Finanzen und PersonalBRK wählt einen neuen Präsidenten und hofft auf einen Neustart

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Der künftige Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes übernimmt die Leitung eines Sozialkonzerns, in dem es einige „Baustellen“ zu bearbeiten gilt. (Symbolfoto)
Der künftige Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes übernimmt die Leitung eines Sozialkonzerns, in dem es einige „Baustellen“ zu bearbeiten gilt. (Symbolfoto) (Foto: Robert Haas)
  • Das Bayerische Rote Kreuz wählt an diesem Samstag mit Hans-Michael Weisky einen neuen Präsidenten und hofft auf einen Neustart nach internen Streitigkeiten.
  • Der SPD-Mann Weisky soll das BRK in ruhigere Fahrwasser bringen, nachdem es drei Geschäftsführerwechsel und Konflikte um Finanzen gab.
  • Die CSU verzichtete auf eine Gegenkandidatur, obwohl der Präsidentenposten traditionell in CSU-Hand war und einen direkten Draht zur Staatsregierung bedeutete.
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Der frühere Chef der oberbayerischen Wasserwacht Hans-Michael Weisky will den Verband in ruhigere Fahrwasser bringen. Damit würde ein SPD-Mitglied BRK-Präsident. Bei der CSU löste das einige Unruhe aus.

Von Nina von Hardenberg

Drei Geschäftsführerwechsel in der Landesgeschäftsstelle in wenigen Jahren, Streit um Finanzen und Personal: Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hat intern schwierige Jahre hinter sich. An diesem Samstag aber soll bei der Landesversammlung ein Neuanfang gelingen. Mit Hans-Michael Weisky stellt sich nicht nur ein neuer Präsident zur Wahl, fast alle Kandidaten des zehnköpfigen Präsidiums sind neu. Auch der Landesgeschäftsführer Robert Augustin ist erst seit Oktober und bisher auch nur interimsmäßig auf diesem Posten und seine Geschäftsstelle ist dazu noch umgezogen. Alles neu – das könne eine Chance sein, finden sie in der BRK-Geschäftsstelle.

Die bisherige Präsidentin Angelika Schorer (CSU) hatte ihren Rückzug damit erklärt, dass es nicht immer gelungen sei, im zerstrittenen BRK Brücken zu bauen. „Viel Gutes, was erreicht wurde, wurde durch die vergleichsweise wenigen, aber aufmerksamkeitsstarken negativen Themen überschattet“, sagte sie der SZ. In ihrer Amtszeit gaben sich drei Geschäftsführer der Landesgeschäftsstelle die Klinke in die Hand.  Die Kommunikation zwischen Präsidium und Landesgeschäftsführung galt als schwierig, was aber auch der Organisationsstruktur des BRK geschuldet ist: Das operative Geschäft führen dort die hauptamtlichen Geschäftsführer auf Landes- und Kreisebene. Die Entscheidungen aber fällt das Präsidium, das komplett aus ehrenamtlichen Mitgliedern besteht. Zuletzt hatte sich das Präsidium viel auch in operative Fragen eingemischt. Das führte zu internem Disput, während die großen Probleme ungelöst blieben. Dazu zählt eine Reform der Strukturen des Verbandes.

Das BRK ist gleichzeitig Hilfsorganisation und Wohlfahrtsverband. Es wird getragen von 210 000 Ehrenamtlichen und 750 000  Fördermitgliedern, denen nur 31 000 Hauptamtliche gegenüberstehen. Mit 1,77 Milliarden Euro Umsatz hat sich das BRK aber de facto auch zu einem Konzern der Sozialwirtschaft entwickelt und bräuchte vergleichbare Managementstrukturen. So wie bisher gehe es nicht weiter. Den Satz hört man von vielen im BRK.

In Kloster Banz versuchte die CSU fieberhaft einen Ihrer Leute zur Kandidatur zu bewegen

Diesen Wandel soll nun der frühere Chef der oberbayerischen Wasserwacht und SPD-Stadtrat von Trostberg Hans-Michael Weisky einleiten. Er wolle das BRK wieder in ruhigere Fahrwasser bringen, begründete der 67-Jährige seine Kandidatur für das Präsidentenamt. Dass diese Rolle nun ausgerechnet einem SPDler zukommt, löste in der CSU zunächst einige Unruhe aus. Der Posten war in der Vergangenheit meist fest in CSU-Hand. Und vom Präsidium gab es einen kurzen Draht zur Staatsregierung. Bei der Klausurtagung der CSU-Fraktion in Kloster Banz habe man deshalb zunächst fieberhaft versucht, einen Rotkreuzler mit CSU-Parteibuch zur Kandidatur zu bewegen, erzählen Insider. Es fand sich aber keiner.

In der CSU habe sich dann die Erkenntnis durchgesetzt, dass für das BRK ein allseits mehrheitsfähiger Kandidat wichtiger sei und dass man diesen auch nicht durch eine Gegenkandidatur schwächen sollte. Eine solche hatte zunächst der ehemalige Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk angekündigt. Er zog aber nach einigem Gegenwind wieder zurück. Er wolle eine Landesversammlung in Frieden und ohne Personaldiskussionen und rückblickende Vorwürfe möglich machen, sagte auch Stärk zur Erklärung. Es sei entscheidend, dass jemand den Verband führe, der bereit sei, sich voll für das BRK einzusetzen und der sich darauf auch konzentrieren könne, sagte der CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Huber (CSU). Als Landesvorsitzender der Wasserwacht Bayern war er selbst als Kandidat gehandelt worden. Für ihn komme dies aber nicht infrage, solange er noch aktiver Politiker sei. Obwohl Ehrenamt, gilt das Amt des BRK-Präsidenten als Vollzeitjob.

Hans-Michael Weisky kandidiert für die Präsidentschaft des Bayerischen Roten Kreuzes. Gewählt wird an diesem Samstag.
Hans-Michael Weisky kandidiert für die Präsidentschaft des Bayerischen Roten Kreuzes. Gewählt wird an diesem Samstag. (Foto: BRK)

Die CSU wird im neuen Präsidium künftig durch die Bundestagsabgeordnete Mechthilde Wittmann vertreten sein, die sich als Vizepräsidentin bewirbt. Ein weiterer Vizepräsident ist bei den Grünen: Der Landtagsabgeordnete Andreas Hanna-Krahl kandidiert erneut.

Das BRK brauche für die anstehenden Reformen ein starkes, einiges Präsidium und eine starke Landesgeschäftsführung, heißt es aus dem Verband. Dem 67-jährigen Weisky trauen viele die Präsidentenrolle zu. Er ist seit 50 Jahren im BRK und bestens vernetzt. Auch über den derzeitigen Landesgeschäftsführer Robert Augustin hört man viel Lob. Die Frage ist eher, ob der bislang nur interimsmäßig eingesetzte Geschäftsführer den Job dauerhaft übernehmen will. Augustin war zuvor Bezirksgeschäftsführer des BRK-Bezirksverbands Schwaben und weiß also um die strukturellen Probleme des Verbandes.

Dazu gehören Doppelstrukturen in den Kreisverbänden und die chronische Unterfinanzierung der Landesgeschäftsstelle. Diese übernimmt unter anderem die Buchhaltung und den zentralen Materialeinkauf, ist dafür aber auf Zuweisungen aus den Kreisverbänden angewiesen. Auf der Landesversammlung vor zwei Jahren genehmigten die Delegierten eine Erhöhung. Diesmal ist eine Dynamisierung der Umlage und somit eine automatische Anpassung an die Preisentwicklung gefordert. Manche der teilweise selbst Not leidenden Kreisverbände sehen dies skeptisch. Präsidentschaftskandidat Weisky will darum künftig sehr viel transparenter zeigen, wofür das Geld verwendet werde, verspricht er.

Ob die Delegierten, die am Samstag in Deggendorf zusammenkommen, ihm folgen und sich von der Aufbruchstimmung anstecken lassen? Weisky hofft es. Wissen kann er es nicht. Es gehört zu den Eigenarten des BRK, dass sich die Beschlüsse der 400 Ehrenamtlichen aus den Kreis- und Bezirksverbänden sowie aus den fünf ehrenamtlichen Gliederungen des BRK, wie der Wasserwacht, der Bergwacht, den Sanitätsbereitschaften und dem Jugendrotkreuz, nie ganz vorhersehen lassen.

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