Wegen der Komplett-Sperre des Brennerpasses hat die Tiroler Polizei kommende Lastwagen gleich nach der Grenze bei Kufstein ausgeleitet und nach Deutschland zurückgeschickt. Das teilte ein Sprecher der Polizei in Tirol auf Anfrage mit.
Lastwagen im Transitverkehr dürften während der Brenner-Sperre gar nicht erst nach Tirol einreisen. Die Fahrer würden deshalb kontrolliert und bei geplantem Transit gleich an der Grenze zurückgewiesen. Damit soll verhindert werden, dass sich auf den Zufahrtsstrecken und Autobahnen lange Staus bilden. Teils scheine es zu Diskussionen zwischen Lkw-Fahrern und Grenzbeamten zu kommen, was den Verkehr etwas aufstaue, sagte eine ADAC-Sprecherin. Größere Zwischenfälle wurden aber nicht bekannt.
Staus auf der bayerischen Seite blieben aus, der Verkehr lief. „Es ist recht ruhig“, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Die Polizei hatte dazu aufgerufen, Tirol während der Sperre weiträumig zu umfahren. Damit soll ein Verkehrschaos am zweiten Pfingstferien-Wochenende vermieden werden – das in der Regel sonst ohnehin sehr staugefährdet ist.
Die Komplett-Sperre des Brennerpasses für den Transitverkehr ist seit 11 Uhr in Kraft. Sie dauert auf österreichischer Seite bis 19 Uhr, auf italienischer Seite bis 20 Uhr. Sie gilt nicht nur für die Autobahn, sondern auch für sämtliche Nebenstrecken. Grund für die Brenner-Sperre ist eine Demonstration. Die 15 000 Bewohner des Wipptales, von denen viele in unmittelbarer Nähe von Autobahn und Bundesstraße leben, protestieren damit gegen Lärm, Feinstaub und andere Beeinträchtigungen im täglichen Leben durch den immer weiter wachsenden Verkehr.
Noch kurz vor der Sperre berichten die Autofahrerclubs ÖAMTC und ADAC wie auch die Polizei in Bayern über eine überraschend entspannte Verkehrslage. „Es ist im Moment ruhiger als sonst“, sagte ein ÖAMTC-Sprecher mit Blick auf Pfingst-Reisewochenenden in den Vorjahren. Die Stau-Experten hatten damit gerechnet, dass viele Reisende versuchen würden, Tirol noch Samstagfrüh zu durchfahren, kurz bevor die Sperre am Vormittag in Kraft tritt.
Am Morgen blieb es auch auf bayerischer Seite noch ruhig. „Bis jetzt läuft der Verkehr“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Es könne sein, dass viele nach den Warnungen „zum Glück“ tatsächlich nicht gefahren seien. „Wir sind als Polizei immer skeptisch, wenn es ruhig ist - aber im Moment sind wir vorsichtig optimistisch. Wir sind froh, dass niemand unnötig im Stau steht.“
Polizei, Landratsämter, Rettungsdienste und die Autobahn GmbH haben sich vor der Totalsperrung der Brennerautobahn alle auf massive Verkehrsprobleme vorbereitet. „Es wird kein Durchkommen geben“, warnte Josef Seebacher von der Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH des Bundes. Zahlreiche Einrichtungen hatten sich im Vorfeld schon auf den Samstag eingestellt.
Alarmstufe 1 beim Roten Kreuz
Die BRK-Kreisverbände Rosenheim, Traunstein und Miesbach haben sich zuvor bereits auf verschiedene Szenarien vorbereitet. Im Mittelpunkt steht nicht allein die Notfallrettung. Auch Dienste ohne Blaulicht – etwa Hausnotruf, Essen auf Rädern und ambulante Pflege – könnten betroffen sein, wenn sich der Verkehr staut, erläuterte das BRK. Sollte es zu den befürchteten Mega-Staus kommen, könnte auch die Versorgung von Autoreisenden mit Wasser und weiteren Hilfen nötig werden.
Auch Polizei und ADAC haben sich in Stellung gebracht: Um die Lage am Reisetag bestmöglich zu beobachten und aktuell einzuordnen, ist der ADAC Südbayern Stauberater im Einsatz. Die Polizei im Süden Bayerns hat ihr Personal aufgestockt.
„Wir sind mit der größtmöglichen Stärke im Dienst“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. „Unser Hauptziel ist, dass der Verkehr fließt und die Rettungsgasse freigehalten wird“ - damit im Ernstfall schnell Hilfe kommen könne. Es sei der größte Verkehrseinsatz in der gut 20-jährigen Geschichte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.
Das Landratsamt Rosenheim hat vorsorglich einen „Katastrophenschutzsonderplan Autobahn“ aktiviert. Er greift, wenn ein längerer Stillstand auf den Autobahnen droht. Am Samstag werde ab 7 Uhr eine Koordinierungsgruppe im Lagezentrum besetzt, die permanent die Lage beobachte. Aufgabe sei es, im Ernstfall Hilfe- und Versorgungsmaßnahmen zu organisieren und sicherzustellen, dass Rettungs- und Einsatzkräfte handlungsfähig blieben.




