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Brauereien:Früher war die Arbeit "gmiatlicher"

Aber schon bei der normalen Arbeit kommt ein Bierfahrer rasch ins Schwitzen. Und doch muss er sich ständig in eiskalte Wirtshaus-Kühlungen begeben, um dort die Ware zu sortieren. Eine Erkältung ist quasi programmiert. Freilich, nur ein kalter Kopf verursacht eine Erkältung, weiß Huber aus Erfahrung. "Deshalb hob i oiwei mein Goaßererhuat auf."

Früher sei die Arbeit des Bierfahrers viel schwerer gewesen, sagt er, "aber es war gmiatlicher". Schwerer deshalb, weil alles per Hand erledigt wurde. 14 Paletten Vollgut händisch auf- und abladen, da weiß einer, was er geleistet hat. Heute gibt es dafür Stapler und sonstige Maschinen, doch die jungen Kollegen jammern trotzdem.

"Stell dir vor, ich musste zwei Paletten mit der Hand ableeren!" Wenn er so etwas hört, dann lacht der Huber Schorsch. "Heid host a Hebebühne, wunderbar, brauchst ja selber kaam no wos heben!" Trotzdem hängen viele junge Fahrer ihren Job an den Nagel, sie fühlen sich überfordert.

Es stimmt schon. Früher war vor allem der zeitliche Druck geringer. Heute müssen die Bierfahrer Lieferzeiten auf die Minute einhalten, auch Lenkzeiten und Pausen sind streng vorgeschrieben. Das erzeugt Druck. Wenn man die Lieferfrist in einer Fußgängerzone überschreitet, hilft nur noch Diplomatie. "Da miassma den Politessen recht schee doa", sie sollen schließlich Nachsicht üben. "Es ist ois narrisch kompliziert geworden", sagt Huber.

Beim Flötzinger Bräu in Rosenheim wird die Logistik von einer mehrköpfigen Fuhrparkleitung gesteuert. Wer das Büro betritt, spürt sofort den dort obwaltenden Stress. Alles hat sich geändert. Vor 40 Jahren reichte dafür ein Kabuff, in dem ein Bieraufschreiber hockte, der sich schon frühmorgens gemütlich eine Zigarre ansteckte und trotzdem alles im Griff hatte.

Mittlerweile sind viele ehemalige Großbrauereien in den Händen global agierender Konzerne. Traditionsbrauereien wie Augustiner in München und Flötzinger in Rosenheim, die noch selbständig in ihren altehrwürdigen Gebäuden mitten in der Stadt abfüllen, sind rar geworden. Aber sie vermitteln eine Ahnung von der Brauherrlichkeit früherer Tage.

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Der Großvater des Flötzinger-Verkaufsleiters Lorenz Stiglauer war Bierfahrer beim Löwenbräu in München. "Er war der Letzte, der noch mit einem Pferdefuhrwerk ausfuhr", sagt Stiglauer. Damals musste ein Bierfahrer mit Pferden umgehen können. Heute mit großen Sattelzügen. Von Franz Steegmüller, dem Seniorchef der Flötzinger Brauerei, stammt das Bonmot: "Früher wurde mit deutlicher weniger PS genauso viel Bier ausgefahren wie heute."

Obwohl die schwere körperliche Arbeit erheblich reduziert ist, fällt es den Brauereien schwer, Nachwuchsfahrer zu rekrutieren. "Wir haben in Rosenheim Vollbeschäftigung", sagt Stiglauer. "Die Jungen sagen sich: Warum soll ich Fassl schleppen, wenn alles andere auch möglich ist." Dabei zahlt die Flötzinger Brauerei noch den alten, extrem guten Bierfahrertarif, der vor langer Zeit ausgehandelt wurde, als es den Brauereien wirtschaftlich sehr gut ging.

Aber gerade wegen der hohen Lohnkosten unterhalten viele Brauereien keinen eigenen Fuhrpark mehr. Logistikfirmen liefern nun deren Bier und Getränke aus. Berufskraftfahrer lösen mehr und mehr die klassischen Bierfahrer ab. Sie verschwinden wie die alte Wirtshauskultur, in der Lieferant und Kunde ein fast familiäres Miteinander pflegten.

Nachdem der Huber Schorsch mit Kollegen die alten Bauernwirtshäuser draußen in Söllhuben oder in Farnach beliefert hatte, "da hamm mir dann mit dem Wirt in der Friah scho Brotzeit gmacht und a Hoibe drunga", sagt Huber. "Die Zeit hättst heut nimmer." In zwei Jahren beginnt für ihn der Ruhestand. Was ihn am meisten freut: "Es hat bei mir koa Kundschaft gebn, die gsagt hat: Jetzt kimmt der scho wieder."

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