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Brandserie in Bad Abbach:Ein Ort sucht einen Brandstifter

21 Feuer hat ein Unbekannter bereits in Bad Abbach gelegt. Vieles deutet darauf hin, dass der Täter "einer von uns ist", sagt der Bürgermeister. Die Menschen im Ort sind verängstigt und misstrauisch. Einige denken sogar über Bürgerwehren nach.

Von Wolfgang Wittl

Es begann am 20. März in der Stinkelbrunnstraße. Um 21.21 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Bad Abbach über den Brand in einer Gartenlaube informiert. Was nach einem Routineeinsatz aussah, sollte in Wahrheit der Auftakt zu einer Brandserie sein, wie sie der Ort noch nie erlebt hat. Seitdem ist in Bad Abbach nichts mehr, wie es einmal war. In der Marktgemeinde geht die Angst um.

In der Nacht zum Mittwoch wurde ein abgemeldetes Auto in Brand gesetzt, Stunden später brannte es in einem Waldstück. Für das Polizeipräsidium Niederbayern waren es die Vorfälle 20 und 21, die dieser Serie zuzuordnen sind.

Das Beunruhigende: Die Schlagzahl der Anschläge wird immer höher. Etwa die Hälfte fand in den vergangenen zehn Tagen statt, allein am Sonntag brannte es an drei verschiedenen Stellen. Der Schaden liegt mittlerweile in Millionenhöhe. Der Täter - vielleicht sind es auch mehrere - hat offenbar Gefallen an seinem Tun gefunden.

"Sehr angespannt" sei die Stimmung in dem niederbayerischen Kurort, sagt Polizeisprecher Stephan Lehner. Bürgermeister Ludwig Wachs spricht von einem "Spuk, der hoffentlich bald vorbei ist". Knapp 12.000 Menschen leben in der Gemeinde gut zehn Kilometer südlich von Regensburg, ihre Gefühlslage changiert zwischen Wut, Misstrauen und der Sorge um das eigene Hab und Gut.

Was den Zorn verstärkt: Vieles deutet darauf hin, dass der Täter "einer von uns" ist, wie der Bürgermeister sagt. Der Täter verfüge über erstaunlich gute Ortskenntnisse und tauche schnell ab, teilt die Polizei mit. Die Kripo Landshut hat zur Ergreifung ein Konzept entworfen, das man allerdings nicht näher erläutern könne. Auch die Polizeipräsenz im Ort wurde verstärkt.

"Wir kommen physisch und psychisch an unsere Grenzen"

Manchem Anwohner ist dies nicht genug. So gab es bereits Treffen, in denen die Gründung einer Bürgerwehr diskutiert wurde. Er wolle zwar nicht gleich den Begriff Selbstjustiz in den Mund nehmen, sagt der Bürgermeister, doch von einer Bürgerwehr halte er gar nichts. Er setze volles Vertrauen in die Ermittler, die auf Hochtouren arbeiteten. Auch die Polizei rät von einer Bürgerwehr ab: "Wir wollen aufmerksame Bürger haben, aber keine, die auf eigene Faust handeln."

Um wen es sich bei dem Täter handelt, darüber kann nur spekuliert werden. Die Brände wurden bislang im Kerngebiet der Gemeinde gelegt, meist an abgeschieden gelegenen Treibholzstapeln, Waldstücken, Gartenlauben und Feldscheunen. Positiv ist nur, dass bislang keine Gefahr für Menschen oder Tiere bestand.

Auch bei der Feuerwehr macht sich die Belastung immer stärker bemerkbar. "Wir kommen physisch und psychisch an unsere Grenzen", sagt ein Mitglied. Viele der berufstätigen Kameraden könnten nicht mehr ruhig schlafen, weil sie immer ein Ohr am Piepser hätten. Nach den Einsätzen werde statt dem üblichen Bier nur noch Wasser getrunken, weil man ja nicht wisse, ob man nicht gleich wieder ausrücken müsse, berichtet der Kommandant.

Und natürlich stellen sich auch die Feuerwehrleute die Frage, wer für die Brandserie verantwortlich ist. Es gibt Beispiele, in denen der Täter aus den eigenen Reihen kam. "Die Gerüchteküche ist am Brodeln", sagt ein Mann, aber was wolle man tun? "Wir können nur so weiterarbeiten."

Bürgermeister Ludwig Wachs hofft inständig, dass der Täter bald gefasst wird. Bad Abbach sei dieses Jahr durch Hochwasser und Unwetterschäden schon genug geplagt gewesen. Dass die Brandserie vorüberzieht wie ein Naturphänomen, davon ist allerdings nicht auszugehen. Laut Polizei macht der Täter wohl weiter. Bis er gefasst wird.

© SZ vom 25.07.2013/bela

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