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SZ-Brachvogel:Die Schnepfingerin ist tot

Großer Brachvogel - begleitet von SZ und LBV

Der Große Brachvogel ist eine Schnepfenart und bevorzugt Flusstäler oder Moore.

(Foto: Frank Derer)

Der streng geschützte Brachvogel war auf dem Weg aus Südspanien ins Königsauer Moos bei Dingolfing. LBV-Experte Andreas von Lindeiner geht davon aus, dass sie gewildert wurde.

Es war am Donnerstag zwischen fünf und sechs Uhr früh. Die Schnepfingerin war gerade auf dem Heimflug vom Überwinterungsgebiet im Nationalpark Coto de Doñana in Südspanien ins Königsauer Moos bei Dingolfing. Eben passierte sie Estopiñán del Castill. Das ist ein Ort in den Vorpyrenäen, 150 Kilometer nordwestlich von Barcelona. Die Landschaft ist einsam, waldreich und zerklüftet. Da muss ein Schuss geknallt und die Schnepfingerin mitten im Flug getötet haben. Anders kann sich Andreas von Lindeiner vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) die neuesten Daten des Senders nicht erklären, den sie bis zuletzt auf dem Rücken trug.

Die Schnepfingerin war ein Großer Brachvogel. Das Vogelweibchen war Teil eines Forschungsprojekts des LBV. Die Experten um Lindeiner haben ihm im Frühjahr 2018 einen GPS-Sender umgeschnallt. Von da an begleitete die SZ die Schnepfingerin ein Jahr lang. Große Brachvögel zählen zu den bedrohtesten Tierarten Bayerns. Mit dem Forschungsprojekt wollen die LBV-Leute herausfinden, wie man die Population retten kann.

Warum aber ist sich Lindeiner so sicher, dass Schnepfingerin tot ist? "Bis Donnerstagfrüh war alles normal", sagt er. "Schnepfingerin war ziemlich genau auf der Rückflug-Route von 2019." Laut GPS-Sender ist sie dann nach Süden abgebogen und 20 Kilometer Luftlinie zu einem Bauernhof in dem Ort Alcampell geflogen. Seither hält sie sich dort auf, sagt der Sender. "Das kann nicht sein", sagt Lindeiner. "Das macht kein Brachvogel auf dem Heimflug. Der will nur zurück."

Also hat Lindeiner Schnepfingerins Körpertemperatur und ihr Bewegungsprofil abgefragt. Beides zeichnet der Sender auch auf. Schnepfingerins Körpertemperatur beträgt 14 Grad. Außerdem hat sie sich seit Ankunft auf dem Bauernhof keinen Millimeter bewegt. Damit ist für Lindeiner klar: "Die Schnepfingerin ist tot. Sie muss gewildert worden sein." Als Täter vermutet er den Bauern. Beim LBV haben sie schon die spanische Naturschutz-Wacht alarmiert. Ein Polizist wird den Bauern vernehmen. Brachvögel sind auch in Spanien streng geschützt, wer einen wildert, begeht eine Straftat.

© SZ vom 24.03.2020/vewo
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