Gefährlicher Erreger:Bornavirus tritt vor allem in Bayern auf

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Gefährlicher Erreger: Die Feldspitzmaus gilt als Überträger des Bornavirus. Das Tier selbst erkrankt nicht daran, es scheidet es aber über Speichel, Urin und Kot aus.

Die Feldspitzmaus gilt als Überträger des Bornavirus. Das Tier selbst erkrankt nicht daran, es scheidet es aber über Speichel, Urin und Kot aus.

(Foto: CreativeNature/Imago Images)

Im Rottal-Inn hat sich eine Frau mit dem lebensbedrohlichen Erreger infiziert. Das Ansteckungsrisiko ist gering, doch die Folgen der von Spitzmäusen übertragenen Erkrankung sind schwerwiegend. Was sonst noch bekannt ist.

Von Maximilian Gerl

Vielleicht war das Virus nie weg aus dem Landkreis Rottal-Inn, so genau lässt sich das bei diesem so seltenen wie rätselhaften Erreger schwer sagen. Sicher ist: Das Bornavirus ist da. Im westlichen Teil des Landkreises wurde dieser Tage eine Infektion mit dem lebensbedrohlichen Borna Disease Virus 1 - kurz BoDV-1 - nachgewiesen. Die erkrankte Frau werde derzeit in einem Krankenhaus außerhalb des Landkreises behandelt, sagte ein Sprecher des Landratsamts der SZ. Weitere Angaben könne man derzeit nicht machen, man stehe im Austausch mit den zuständigen Behörden.

Der jüngste Bornavirus-Fall ist der dritte bekannte in diesem Jahr in Bayern. Das klingt nach wenig, ist wenig und trotzdem auffällig: Von den rund 40 BoDV-1-Infektionen, die in den vergangenen Jahren bundesweit beim Menschen nachgewiesen wurden, lassen sich mehr als 90 Prozent im Freistaat verorten. Auch der Landkreis Mühldorf gilt als Risikogebiet. Anfang August starb in Maitenbeth ein Kind an einer Infektion, es war bereits der zweite Todesfall in dem kleinen Ort seit 2019. Das Virus verursacht beim Menschen Enzephalitis, eine schwere Gehirnentzündung, die häufig tödlich endet.

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) schätzt das Infektionsrisiko als gering ein: Nach aktuellem Kenntnisstand kämen Übertragungen von BoDV-1 auf den Menschen nur sehr selten vor. Im Jahr 2021 infizierten sich demnach in Deutschland insgesamt sieben Personen mit dem Bornavirus, fünf von ihnen kamen aus Bayern. Kopfzerbrechen bereitet Expertinnen und Experten der Erreger der Borna'schen Krankheit trotzdem. Eigentlich löst er Tierseuchen aus, im 19. Jahrhundert raffte er im sächsischen Borna zahlreiche Kavalleriepferde dahin. Die erste BoDV-1-Infektion beim Menschen wurde jedoch erst 2018 nachgewiesen. Entsprechend steht die Erforschung dieser Zoonose noch am Anfang, auch ein Trend bei den Infektionszahlen lässt sich laut LGL "aufgrund der Kürze des Beobachtungszeitraumes" nicht ablesen. Außerhalb Deutschlands finden sich weitere, kleinere Endemiegebiete lediglich in Österreich, der Schweiz und Liechtenstein.

Die Diagnose der Erkrankung ist schwierig

Als Überträger gilt die Feldspitzmaus, die Brachen, Gärten und Äcker bewohnt. Als sogenannter Reservoirwirt erkrankt sie wohl nicht selbst an dem Virus, scheidet es aber über Speichel, Urin und Kot aus. Wie es genau vom Tier auf den Menschen übergeht, ist allerdings noch nicht näher bekannt. Zumindest denkbar sei, sich über den direkten Kontakt mit der Spitzmaus oder ihren Hinterlassenschaften zu infizieren, schreibt das Landratsamt Rottal-Inn in einer Mitteilung. "Weiterhin könnte eine Übertragung auch über verunreinigte Lebensmittel, Wasser oder das Einatmen von kontaminiertem Staub erfolgen." Tote Spitzmäuse sollten daher nur mit Gummihandschuhen und FFP2-Maske entfernt, kontaminierte Flächen mit Haushaltsreiniger gesäubert werden.

Nicht nur die Seltenheit des Virus macht seine Diagnose schwierig, auch die Symptome sind zu Anfang eher unspezifisch. "Ein Großteil der bekannten an BoDV-1 erkrankten Personen litt zu Beginn an Kopfschmerzen, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl", heißt es auf einer Informationsseite des LGL. Erst später hätten sich unter anderem Verhaltensauffälligkeiten, Sprach- und Gangstörungen sowie die schwere Gehirnentzündung entwickelt. Von allen bisher bekannten erkrankten Personen hätten nur drei "mit schwersten Folgeschäden" überlebt.

Um dem Virus näher auf die Spur zu kommen, laufen derzeit mehrere Projekte. Vor allem Maitenbeth und seine rund 2000 Einwohner stehen dabei im Mittelpunkt des Forschungsinteresses: Das Friedrich-Loeffler-Institut als Bundesforschungseinrichtung für Tiergesundheit untersucht die örtliche Spitzmauspopulation. Das LGL und das Universitätsklinikum Regensburg baten Ende Juli Freiwillige zu Blutentnahme und Nasenabstrich in die Mehrzweckhalle. Die Proben werden unter anderem auf BoDV-1-Antikörper untersucht, ähnlich wie man es von Corona kennt, um etwaige unbekannte Infektionen aufzuspüren und Rückschlüsse über die Verbreitung des Virus ziehen zu können. Mit Ergebnissen ist voraussichtlich im Herbst zu rechnen.

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