bedeckt München
vgwortpixel

Bordell sponsert Eishockey-Mannschaft:"Vielleicht geht eine Frau mal für eine Showeinlage aufs Eis"

Die Landshut Cannibals werben demnächst für ein örtliches Bordell. Der Spieler der Eishockey-Mannschaft können darüber nur schmunzeln, sagt ihr Sprecher Jürgen Eichbauer - und erklärt, wie es zu der Zusammenarbeit kam.

Die Landshut Cannibals werden in Zukunft beim Aufwärmen pinke Trikots tragen, auf denen für ein Bordell vor Ort geworben wird. Eine eher ungewöhnliche Aktion, die viel Aufmerksamkeit für den Eishockey-Zweitligisten bedeuten dürfte. Jürgen Eichbauer, 27, ist seit August 2012 bei den Cannibals als Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit angestellt.

So gehen in wenigen Wochen die Spieler der Landshut Cannibals zum Aufwärmen auf das Eis: Die neuen Trikots mit dem "Lustra" als Sponsor.

(Foto: oh)

Süddeutsche.de: Wie kam die Zusammenarbeit mit dem Bordell zustande?

Jürgen Eichbauer: Wir wollten durch einen neuen Sponsor auffallen. Da haben wir sondiert, welche Betriebe hier in Landshut in Frage kämen und uns ist das Laufhaus "Lustra" aufgefallen. Anschließend haben wir uns mit den Betreibern zusammengesetzt und waren uns relativ schnell einig.

Sie wollen mit der Aktion also ganz bewusst provozieren?

Ja, in der Tat. Wir sind aktiv auf die Inhaberin zugegangen.

Gab es Vorbehalte im Verein?

Die Eishockey-Profis, die Landshut Cannibals, sind als GmbH rechtlich vom Stammverein E.V. Landshut getrennt. Daher konnten wir die Aktion hier im kleinen Kreis besprechen und in Angriff nehmen.

Haben Sie keine Angst um Ihr Image?

Nein, die Betreiber des Laufhauses sind rechtschaffende Personen, die ihr Geschäft ehrlich betreiben und Steuern zahlen. Da werden keine Wild-West-Methoden angewendet und die Frauen werden nicht gezwungen. Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt und daher ist die Zusammenarbeit für uns nicht etwa verwerflich.

Sie betreiben ja auch Nachwuchsarbeit - müssen die jugendlichen Eishockeyspieler jetzt auch in den Bordell-Trikots herumlaufen?

Wir warten ja selbst noch auf die Trikots, die sind momentan noch in Produktion. Eine Ausweitung auf die Jugend ist bisher nicht geplant. Es ist allerdings auch nicht meine Baustelle, da die Jugendarbeit zum E.V. Landshut und nicht zu uns als Landshut Cannibals gehört.

Das Team muss nun im harten Männersport Eishockey mit pinken Aufwärmtrikots auflaufen, auf denen für ein Bordell geworben wird. Wie hat die Mannschaft darauf reagiert?

Die Jungs haben das ganz locker mit einem Schmunzeln aufgenommen. Auf der Straße tragen ja auch fünf von zehn Männern pinke Poloshirts. So gesehen, ist es sogar eine Modefarbe. Insgesamt hatte keiner ein Problem mit den Shirts. Die Mannschaft hat sich sogar spezielle Spitznamen für ihre neuen Aufwärmtrikots überlegt. Zum Beispiel hat der Torhüter Timo Pielmeier den Spitznamen "Pille". Auf seinem Shirt wird dann "Blaue Pille" stehen.

Was war die heftigste Reaktion, die Sie in Landshut bisher dafür erhalten haben?

Lokal-Radio und Lokal-Fernsehen haben Umfragen gemacht, aber eigentlich gab es keine heftigen Reaktionen. Einige fanden es verwerflich, andere haben gesagt, dass ihnen egal ist, wo das Geld herkommt. Negative Rückmeldungen waren absolute Mangelware.

Haben sich denn Eltern beschwert, die ihre Kinder mit in die Eishalle nehmen wollen?

Überhaupt nicht. Wir werben ja nicht für Vergewaltigung. Im "Lustra" läuft alles legal ab. Wer will, geht bewusst dorthin, wer nicht will, bleibt fern. Von daher ist das alles nicht schlimm.

In Landshut sieht man diese Aktionen offensichtlich sehr locker.

Das würde man auch anderswo locker sehen. Nur traut sich dort halt keiner. Der Spruch "Sex sells" ist uralt. Auf jeder Fernsehzeitschrift sieht man eine hübsche Frau auf dem Cover. Wie gesagt, in dem Laden arbeiten rechtschaffende Leute und es gehen ja auch rechtschaffende Leute dahin. Ich glaube, dass Menschen aus allen Gesellschaftsschichten solche Etablissements aufsuchen. Von daher wundert es mich, wenn sich jetzt Leute an unserer Aktion stoßen.

Man kann die Shirts ja bereits in Ihrem Fanshop vorbestellen. Wie läuft der Verkauf der Trikots?

Zum Auftaktspiel gegen Rosenheim haben wir bereits einige Bestellungen aufgenommen. Es werden mit Sicherheit noch mehr werden. Wenn das Trikot erst einmal von Fans im Stadion getragen wird, wollen es bestimmt andere auch haben. Da sind wir sehr zuversichtlich.

Planen Sie, die Zusammenarbeit mit dem Etablissement auszubauen?

Im Prinzip ist die Shirt-Aktion ja bereits eine Erweiterung. Das Laufhaus hatte bereits eine Werbebande bei uns. Es waren auch schon Mädels aus dem "Lustra" bei unseren Spielen und haben Flyer verteilt. Wir verschließen uns einer weiteren Zusammenarbeit auf keinen Fall. Vielleicht ist ja bei den Frauen auch eine dabei, die Schlittschuh laufen kann und dann mal für eine Showeinlage mit auf das Eis geht.

© Süddeutsche.de/afis/holz
Zur SZ-Startseite