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Bombenentschärfung in Augsburg:Die allermeisten Augsburger sind bei Verwandten oder Freunden untergekommen

Mario steigt in die Straßenbahn, fährt den Berg hoch in die Innenstadt, weiter mit dem Bus zur Fußballarena. Im VIP-Bereich hat die Stadtverwaltung eine Notunterkunft eingerichtet. Wo bei Heimspielen des FC Augsburg das Buffet für die zahlungskräftigeren Besucher wartet, gibt es heute Gulasch und Gemüseeintopf aus Plastiktellern. Mario hat aber keinen Hunger, bei ihm gab es morgens erst frittierte Hähnchenflügel. Lieber hätte er jetzt ein Bier, "aber das gibt es hier nicht." Aus den Lautsprechern dröhnt "Merry Christmas Everyone". Viele sind nicht ins Stadion gekommen, insgesamt versammeln sich in allen sechs Notunterkünften der Stadt ein paar hundert Menschen. Im Stadion spielen ein paar von ihnen Brettspiele, andere lesen, die meisten sitzen einfach da. Die allermeisten Augsburger sind bei Verwandten oder Freunden untergekommen.

Gegen Mittag sagt Oberbürgermeister Kurt Gribl, die gesamte Evakuierung laufe "ruhig, geordnet und plangemäß". Ähnlich äußern sich Sprecher von Polizei, Feuerwehr und Hilfsorganisationen: Es gebe keinerlei Zwischenfälle, man sei im Zeitplan. Bei den Einsatzkräften auf den Straßen hört sich das ein bisschen anders an. Sie erzählen von Bettlägerigen, die nicht zur Tür kommen können und bei denen die Feuerwehr kurzerhand die Wohnung öffnen muss. Von Sanitätern, die von außerhalb angereist sind und sich in den verwinkelten Gassen der Augsburger Altstadt verirren. Und von Rettungsteams, die stundenlang auf einen Einsatzbefehl warten, weil die Funker nicht hinterherkommen.

Nach dreieinhalb Stunden ist die Bombe entschärft

Aber die Verzögerungen scheinen sich in Grenzen zu halten. Bis zehn Uhr ziehen noch vereinzelte Menschen ihre Rollköfferchen zur Straßenbahn, andere packen Salatschüsseln und Decken ins Auto. Gegen elf Uhr ist die Innenstadt nahezu menschenleer. Ein letzter Bus fährt durch die Maximilianstraße, kein einziger Fahrgast sitzt darin. Kleine Grüppchen von Feuerwehrmännern und -frauen marschieren mit ihren schweren Stiefeln über das Pflaster. Eine Plastiktüte weht über das Kopfsteinpflaster.

Um 15.08 Uhr verkündet Oberbürgermeister Gribl, die Evakuierung sei abgeschlossen. Jetzt beginnen die Sprengmeister mit der Entschärfung der Bombe. Drei Zünder sind es, die sie herausdrehen müssen. Schon vorher haben die Fachleute der Firma Tauber die verrosteten Gewinde mit einem Spezialöl behandelt. 54 000 Augsburger können jetzt erstmal nur warten.

Dreieinhalb Stunden später vermeldet Gribl: Die Bombe wurde entschärft, die Evakuierung aufgehoben.

© SZ.de/cag/gba

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