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BLLV:Lehrerverband fordert mehr Zeit

Neue Kampagne will Pädagogen entlasten und Schüler fördern

Der Wunsch nach mehr Zeit ist so alt wie die moderne Menschheit. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) widmet nun seine Kampagne "Zeit für Bildung - flexibel, effizient, intelligent" diesem Wunsch. Dass dahinter die Forderung nach mehr Geld steckt, ist klar. Mehr Budget und Stellen bedeuten für den BLLV mehr Entlastung der Lehrer und so mehr Zeit für Schüler und deren Bedürfnisse, für individuelle Förderung und Integration. Illustriert ist die am Montag in München vorgestellte Kampagne mit elf Schülerporträts, die traurig, nachdenklich oder fröhlich in die Kamera schauen.

Die Vielfalt der Kinder stehe im Mittelpunkt, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Für diese Vielfalt müssten auch die Ressourcen flexibel auf die einzelnen Schulen verteilt werden. Es gehe nicht nur um mehr Geld, sagte Fleischmann. Schule sollte allen Kindern gerecht werden, viele Lehrer schafften das aber nicht mehr. Das will der BLLV nicht hinnehmen und fordert neben Budget auch Entlastung der Kollegen, etwa durch zwei Lehrer pro Klasse oder multiprofessionelle Teams. Bayern könne sich das leisten, findet Fleischmann. 18 Milliarden Euro gab der Freistaat 2017 für Bildung aus, gut 30 Prozent des Haushaltes. "Vor zehn Jahren waren es allerdings noch über 35 Prozent. Wenn heute genauso viel in Bildung investiert werden würde, dann wären jedes Jahr zwei Milliarden mehr im bayerischen Bildungshaushalt", sagte die BLLV-Chefin.

Dass Fleischmann die Kampagne sechs Monate vor der Landtagswahl lanciert und weitere Aktionen ankündigt, dürfte im Kultusministerium Unbehagen auslösen: Insider berichten, dass Diskussionen über Bildung vor der Wahl unbedingt vermieden werden sollen. 2017 hatte Ministerpräsident Horst Seehofer mit dem 2000 Stellen umfassenden Bildungspaket versucht, Ruhe zu schaffen. Dass 300 Stellen zur Entlastung von Schulleitern und Verwaltung nun fest im Nachtragshaushalt eingeplant sind, hatte Schulminister Ludwig Spaenle erst kürzlich verkündet.

© SZ vom 06.03.2018 / angu
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