Blattmacher-Wettbewerb 2024/2025Haut in die Tasten!

Lesezeit: 3 Min.

Schülerredaktionen sind Sprachrohr für die Sorgen und Sehnsüchte ihrer Generation. Und sie sind Spielwiese für angehende Journalisten.
Schülerredaktionen sind Sprachrohr für die Sorgen und Sehnsüchte ihrer Generation. Und sie sind Spielwiese für angehende Journalisten. (Foto: Illustration: Carlota Hidalgo Alberca)

Seit 20 Jahren gibt es den bayerischen Schülerzeitungswettbewerb Blattmacher. Viel hat sich seitdem getan – zugleich waren kritische Nachwuchsjournalisten nie so wichtig wie heute. Eine Würdigung zum Jubiläum.

Von Anna Günther

Zwanzig Jahre Blattmacher, zwei Dekaden Schülerzeitungswettbewerb in Bayern – das lässt kurz innehalten. Die tantigen Gedanken, „Kinder, wie die Zeit vergeht“, sie werden schnell beiseitegeschoben, ist man selbst doch nur halb so lang dabei. Und doch, der Blick ins Archiv zeigt: Es ist tatsächlich viel Zeit vergangen. Vieles hat sich verändert, seit die Süddeutsche Zeitung 2005 mit dem bayerischen Kultusministerium und der Hypo-Vereinsbank den Blattmacher-Wettbewerb gründete.

Gerhard Schröder (SPD) war damals Bundeskanzler, bis er im November von einer gewissen Angela Merkel (CDU) abgelöst wurde. Für Tausende Schülerinnen und Schüler war diese Kanzlerin mit 16 Amtsjahren mindestens so eine Konstante im Leben wie in Bayern sonst nur die CSU. Auch die übrige Welt war noch vermeintlich berechenbarer, ruhiger. Vor allem ahnte die Medienwelt nichts von der Umwälzungskraft der künstlichen Intelligenz, von Chat-GPT oder täuschend echten Fake-Videos, die das Internet überschwemmen.

Deshalb war kritischer Journalismus wohl nie wichtiger als heute.  Und der Blick in viele Schülerzeitungen gibt Hoffnung: Damals wie jetzt sind die Magazine Zeitdokumente und Belege für unstillbare Neugier; für die kritische Suche nach der Wahrheit hinter Memes und Tiktok-Trends; für das Gefühl, welche Themen junge Menschen bewegen.

Die Schülerredaktionen sind damit Sprachrohr für die Sorgen und Sehnsüchte ihrer Generation. Und sie sind Spielwiese für angehende Journalisten. In der SZ-Redaktion trifft man regelmäßig Praktikanten, die einst im Blattmacher-Wettbewerb zu Bayerns besten Nachwuchsredakteuren gehört haben. Auch so einige etablierte, erwachsene Kollegen haben ihre ersten Texte in der Schülerzeitung verfasst.

Als der Blattmacher 2005 gegründet wurde, wusste niemand, dass die bayerischen Schülerredaktionen auch im bundesweiten Wettbewerb verlässlich die Spitzenplätze dominieren würden. Erst ein Jahr zuvor war „Kein Blatt vorm Mund“ von der Kultusministerkonferenz ins Leben gerufen worden, um regionale und landesweite Wettbewerbe der 16 Bundesländer zu bündeln.

Ein Teil der allerersten Jury: Berthold Freytag vom Kultusministerium, Claudia Gaull vom Adam-Kraft-Gymnasium Schwabach und Hartmut Pfeifer, Pressesprecher der Hypo-Vereinsbank (vorne). Dahinter stehen der damalige SZ-Bayernchef Sebastian Beck, Herbert Knur, Direktor der Akademie der Bayerischen Presse, und Michael Hallermeier, Landesvorstand Junge Presse Bayern.
Ein Teil der allerersten Jury: Berthold Freytag vom Kultusministerium, Claudia Gaull vom Adam-Kraft-Gymnasium Schwabach und Hartmut Pfeifer, Pressesprecher der Hypo-Vereinsbank (vorne). Dahinter stehen der damalige SZ-Bayernchef Sebastian Beck, Herbert Knur, Direktor der Akademie der Bayerischen Presse, und Michael Hallermeier, Landesvorstand Junge Presse Bayern. (Foto: Robert Haas)

In der Zwischenzeit stieg die Hypo-Vereinsbank als Sponsorin aus. Seit einigen Jahren unterstützt die Nemetschek Stiftung den Wettbewerb maßgeblich, stiftet die Preisgelder und organisiert für die Erstplatzierten ein besonderes Workshop-Programm. Die zweit- und drittplatzierten Schülermagazine bekommen spezielle Angebote der SZ-Redaktion.

Dass die Schülerredaktionen Experimentierort und Talentschmiede bleiben sollen, darin waren sich SZ, Ministerium und Nemetschek Stiftung schon vor der 20. Blattmacher-Runde einig. Ebenso klar war, dass dieses Jubiläum besonders gefeiert wird. Nur wie?

SZ-Redakteur Sebastian Beck suchte schon 2005 in der allerersten Blattmacher-Runde die Sieger mit aus. Ehrensache, dass er nach der Jubiläumspreisverleihung 2025 erklärte, wie richtig gute Fotos entstehen.
SZ-Redakteur Sebastian Beck suchte schon 2005 in der allerersten Blattmacher-Runde die Sieger mit aus. Ehrensache, dass er nach der Jubiläumspreisverleihung 2025 erklärte, wie richtig gute Fotos entstehen. (Foto: Florian Peljak)

Die Antwort war einfach: Wir erfüllen den wichtigsten Menschen dieses Wettbewerbs, den Schülerinnen und Schülern, einen großen Wunsch – und schaffen mehr Raum für Begegnung und Gespräche, für Tipps und Erfahrungsaustausch. Denn die erfolgreichen Redaktionen treffen sich zwar regelmäßig auf Preisverleihungen in München und Berlin, aber Siegerehrungen sind durchgetaktet und Zeit für Austausch bleibt selten. Schon zum 15. Blattmacher-Geburtstag planten die Organisatoren dieses Wettbewerbs deshalb ein ähnliches Sonderprogramm. Dann kam Corona.

SZ-Redakteur Johannes Korsche (re.) gibt Tipps für einen richtig guten Podcast.
SZ-Redakteur Johannes Korsche (re.) gibt Tipps für einen richtig guten Podcast. (Foto: Florian Peljak)

Also war nach der 20. Siegerehrung im Münchner Literaturhaus nicht wie üblich nach dem Mittagessen Schluss. Alle Finalisten bekamen Zeit zum Quatschen. Und sie durften sich mit ihren Lehrkräften besondere Workshops aussuchen, um noch mehr über gute Schülerzeitungen zu lernen, um noch besser zu werden, damit sie auch in den kommenden Blattmacher-Runden zu den Besten gehören.

SZ-Redakteure diskutierten zum Beispiel mit Jugendlichen die Frage, ob künstliche Intelligenz den Journalismus „killt“. Sie erklärten, was ein gutes Layout ausmacht und was es braucht, um einen packenden Podcast zu produzieren. Erfahrene Betreuungslehrkräfte vielfach ausgezeichneter Schülerzeitungen gaben Tipps zum knalligen Titelbild und der effizienten Organisation einer Schülerredaktion. Und ein professioneller „White Hat“-Hacker – also einer von den Guten – erklärte den interessierten Jugendlichen, wie sich Online-Schülerzeitungen (und analoge) am besten vor Eindringlingen und Cyber-Angriffen schützen.

Die Freude der Jugendlichen ist ein Ansporn

Wie das alles ankam? Das lässt sich hier, aber auch in einigen Schülerzeitungen nachlesen. Wer nicht auf die Einsendungen der 21. Blattmacher-Runde warten möchte, schaut ins Netz. So hat die Mammut-Redaktion des Gymnasiums Veitshöchheim ausführlich berichtet, wie die Schülerinnen und Schüler die Siegerehrung erlebten, wie sie das Essen fanden, die Workshops und die Musik von Sängerin Devado. „Zitternd haben wir dem dritten und zweiten Platz gelauscht und nicht unseren Namen gehört – zum Glück.“ Ihr Magazin bekam den ersten Preis in der Kategorie Online, diesmal vor, wie die Redaktion schreibt, „unseren Freunden“ vom Blog im Blauen Land aus Murnau. Ehrliche Freude für die befreundete Konkurrenz, auch so etwas liest man im Bericht zur Siegerehrung.

Diese Freude der Jugendlichen, sowohl über ihren eigenen Erfolg als auch füreinander, dieser sportliche Geist treibt uns Organisatoren an. Ja, seit der ersten Ausgabe des Blattmacher-Wettbewerbs ist viel Zeit vergangen. Wir werden aber ganz sicher weitermachen.

Also: auf die kommenden 20 Jahre! Haut in die Tasten, lasst eurer Kreativität freien Lauf und beeindruckt uns. Jedes Jahr aufs Neue!

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Musik mit dem Körper
:„Sonst verliert man die Freude“

Wer Debby van Dooren alias Devado auf der Bühne erlebt, wird von ihrer Energie mitgerissen: Die Münchnerin ist Sängerin, Songwriterin, Synchronsprecherin und manches mehr – und sich trotzdem treu geblieben.

Von Maximilian Gerl

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: