Online-SchülerzeitungSeid schnell und habt euch lieb!

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Strahlende Sieger nach der Blattmacher-Preisverleihung: Vertreter der „Mammut“-Redaktion mit ihrem Betreuungslehrer Hansjörg Rüthel (li.).
Strahlende Sieger nach der Blattmacher-Preisverleihung: Vertreter der „Mammut“-Redaktion mit ihrem Betreuungslehrer Hansjörg Rüthel (li.). (Foto: Florian Peljak)

Wie schafft es eine Schülerredaktion, ihr Online-Magazin ständig mit neuen, aktuellen Texten zu bestücken? Und das neben dem Schulalltag? Die goldenen Regeln der „Mammut“-Redaktion, der preisgekrönten Zeitung des Gymnasiums Veitshöchheim.

Von der „Mammut“-Redaktion

Das Team von Mammut weiß, wie herausfordernd es sein kann, Redaktionsalltag und Schulleben zu verbinden. Mindestens drei Texte pro Woche sollen auf der Homepage der Online-Zeitung erscheinen, das erledigt sich nicht in einer Doppelstunde pro Woche. Die Redaktion des Gymnasiums Veitshöchheim gehört regelmäßig zu den Finalisten im Blattmacher-Wettbewerb – und wurde in der 20. Runde mit dem ersten Platz belohnt. Hier erklären die jungen Journalistinnen und Journalisten ihre goldenen Regeln für eine gute Online-Zeitung.

1. Schreibt, wofür ihr brennt!

Bei uns erledigt niemand Auftragsarbeit. Jeder Redakteur sucht sich aus, was ihn interessiert. So treffen wir die Interessen unserer Zielgruppe, unserer Mitschüler. Seid neugierig, probiert mal etwas aus, zum Beispiel wie man zwei Monate ohne neue Konsumgüter auskommen kann. So lernt ihr nicht nur etwas über euch, ihr inspiriert andere. Arbeitet bei der „Tafel“ mit! Seid mutig, bittet den Landrat, den Schauspieler, die Musiker um ein Interview. Ihr werdet es bekommen, jeder mag Schülerzeitungsredakteure! Eure Themen werden so vielfältig sein wie eure Interessen, die journalistische Freiheit ist das Erfolgsrezept!

2. Seid eine Zeitung für die Schule!

Was in der Schule passiert, ist unser Thema. Wenn Container aufgestellt werden, dann sind wir die Ersten, die sie besichtigen und darüber berichten. Wenn die Schülersprecher gewählt werden, stellen wir die Kandidaten vor. Es gibt einen Austausch mit Tansania? Wir begleiten das Programm. Und nicht nur wir Redakteure. Wir sind eine Mitmachzeitung. Ob in der Redaktion oder nicht, bei uns kann jeder schreiben, egal in welcher Klassenstufe, m/w/d, sogar die Lehrer. Viele nutzen die Kommentarfunktion, um ihre Meinung kundzutun, zu loben oder auch mal zu widersprechen. Das hält unsere Seite lebendig. Aber ihr müsst das moderieren, sonst entgleitet die Diskussion.

3.     Seid aktuell, bei euch muss es echte Nachrichten geben!

Eine Online-Zeitung funktioniert anders als die liebe alte Papierausgabe zum Schulfest. Neue Artikel gibt es mindestens dreimal pro Woche, meistens sogar täglich. Ihr müsst schnell sein! Die Ergebnisse der Schülersprecherwahl müssen direkt nach Auszählung veröffentlicht werden. Niemand will lesen, was jemand vor drei Wochen gemacht hat. Ein Highlight sind die Blogs der Klassenfahrten, die mehrmals täglich aktualisiert werden. Da sind wir ein bisschen Insta.

Mindestens drei Texte pro Woche erscheinen auf der „Mammut“-Seite, eher mehr.
Mindestens drei Texte pro Woche erscheinen auf der „Mammut“-Seite, eher mehr. (Foto: Screenshot SZ)

Immer montags gibt es bei uns einen Wochenüberblick. Die ganze Schulgemeinschaft erfährt, was die anderen machen und Werbung für Aktionen ist es auch. Wir reagieren flexibel auf aktuelle Themen in der Welt. Zur letzten Bundestagswahl haben wir ausführlich berichtet. Am Wahlsonntag um Punkt 18 Uhr haben wir die Ergebnisse der Juniorwahl an unserer Schule gebracht.

4.     Ihr braucht ein klares Seiten-Design!

Eine Online-Zeitung muss optisch überzeugen. Dafür braucht es ein schlichtes, aufgeräumtes Design. Unsere Leser nutzen Handys und seit der 1:1-Ausstattung auch Tablets. Also muss die Seite mobil optimiert und auf dem Smartphone gut zu lesen sein. Texte sollten gut strukturiert sein, Bilder passen sich automatisch an, Videos sind hochkant und selbst das Liken oder Kommentieren klappt mit einem Fingertipp. Holt euch Hilfe, vielleicht suchen Studenten sinnvolle Themen für ihre Abschlussarbeit!

5.     Nutzt alle Medien!

Der erste Eindruck zählt – und der entsteht visuell. Ihr braucht gute Bilder und viele davon. Am besten von Menschen. Wählt interessante Motive, vermeidet Standardbilder. Bilder sind keine Dekoration, sie sagen oft mehr aus als ein geschriebener Absatz. Nutzt Tonspuren und Videos. Kein Artikel sollte nur aus Bildern und einem langen Fließtext bestehen. Holt kurze Statements ein! Fügt am Ende eine Umfrage ein! All das hilft, Artikel abwechslungsreicher, authentischer und wirkungsvoller zu machen.

6.     Schreibt für Leser!

Schreibt nicht so, als ob ihr einen Deutschaufsatz schreiben müsst. Schreibt so, dass es jemand gerne lesen will! Dass jemand danach klüger oder glücklicher ist – oder beides! Schreibt in kurzen Sätzen anschaulich und konkret. Verwendet Aktiv statt Passiv. Schreibt nicht, dass jemand etwas gesagt hat, sondern wer was: Statt „Auch von der Schulleitung wurden ein paar Worte gesprochen“ besser „Herr Brunner sagte, dass das Mammut seine Lieblingslektüre an jedem Morgen ist“. Ach ja, absolute Voraussetzung ist, dass eure Informationen stimmen und nicht frei erfunden sind … ihr tragt Verantwortung für eure Arbeit, für die Wahrheit, die Fakten, die ordentliche Recherche, wie alle Journalisten.

7.     Achtet auf klare Aufgabenverteilung und habt einander lieb!

„Irgendjemand“ funktioniert nie. Deshalb gibt es bei uns eine klare Arbeitsteilung mit Redaktionsleitung, Layoutern und Korrekturlesern. Auf jeder Redaktionssitzung wird das Programm der kommenden zwei Wochen festgelegt. In der „heiligen“ Artikelliste stehen Termine, Themen und Verantwortliche. Zuverlässigkeit ist wichtig, ohne Kommunikation geht nichts.

Alles ist leicht, wenn man es zusammen macht. Auch viele Artikel entstehen als Gemeinschaftsproduktion. Im Team mit kreativen, hilfsbereiten Menschen zu arbeiten und damit eine ganze Schule mitzugestalten, macht glücklich!

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