Bistum Regensburg Grausamkeiten in der Grundschule

Im Internat der Regensburger Domspatzen quälten Pädagogen ihre Schutzbefohlenen - oft bis zum Erbrechen. 30 Jahre danach sollen die Fälle zur Anzeige gebracht werden.

Die Vorfälle ereigneten sich vor fast dreißig Jahre, doch die Taten schockieren auch heute noch: Das Bistum Regensburg will nun insgesamt 14 Fälle von zum Teil schweren körperlichen Misshandlungen an Kindern und Jugendlichen in kirchlichen Einrichtungen bei der Staatsanwaltschaft anzeigen.

Die jetzt erst bekanntgewordenen Vergehen durch Lehrer und Erzieher in den Jahren 1956 bis 1983 reichten von Demütigungen und Verängstigungen bis hin zu Schlägen mit Stöcken oder Zwangsmaßnahmen, die zum Erbrechen geführt hätten, wie der Sprecher des Bistums, Clemens Neck, auf einer Pressekonferenz in Regensburg erklärte.

Bitte um Vergebung

In den vergangenen drei Wochen hätten sich zahlreiche Opfer körperlicher Gewalt bei der für Körperverletzung im Bistum zuständigen Psychologin Angelika Glaß-Hofmann gemeldet. Die Vorwürfe von 14 Opfern sollen mit deren Zustimmung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden.

"Was sogenannte Pädagogen und Mitarbeiter im kirchlichen Dienst, die für die Kirche stehen sollten, diesen Kindern antaten, müssen wir zutiefst bedauern", sagte Neck. Die geschilderten Taten widersprächen der gottgegebenen Würde der Kinder und Jugendlichen. "Die Opfer und ihre Familien bitten wir anstelle der Täter um Vergebung", betonte er.

Der Großteil der jetzt öffentlich gewordenen Körperverletzungen habe sich im Grundschulinternat der Regensburger Domspatzen in Etterzhausen sowie nach dessen Umzug 1981 in Pielenhofen abgespielt, sagte Neck. Hier hätten acht Opfer von Übergriffen in den Jahren 1956 bis 1983 berichtet. Ihr Vorwürfe richteten sich gegen sechs Täter, darunter den langjährigen Direktor Johann M. sowie drei Lehrer und zwei studentische Hilfskräfte. Nur zwei der Beschuldigten leben noch. Bei einem der Lehrer ist sich das Bistum nicht sicher.

Keine befriedigenden Antworten für die Opfer

Außerhalb des Internats, von dem viele Schüler später zu den weltberühmten Regensburger Domspatzen wechselten, hätten sich noch sechs Opfer mit konkreten Vorwürfen gemeldet. Sie berichteten über Misshandlungen zwischen 1964 und 1978 durch eine Ordensschwester, einen Lehrer und eine studentische Hilfskraft.

Dem Bistum lägen auch Vorwürfe gegen einen Pfarrer vor, bei dem aber noch zu klären sei, ob es sich um einen Geistlichen der Diözese oder eines Ordens handle.

Zudem habe sich ein Hinweis auf körperliche Misshandlungen bei den Domspatzen ergeben. Neben einem hohen Leistungsdruck bei den Chorproben hätten Betroffene von körperlicher Züchtigung gesprochen, die den Rahmen des damals Üblichen gesprengt habe.

"Warum im Internat Etterzhausen über einen so langen Zeitraum unbehelligt Straftaten der Körperverletzung gegen anvertraute Kinder begangen werden konnten, das können wir heute noch nicht befriedigend beantworten", sagte Neck.

Aus Gesprächen mit den Opfern sei hervorgegangen, dass sich einige durchaus schon früher an ihre Eltern gewandt hätten, ihnen sei jedoch damals nicht geglaubt worden, sagte Glaß-Hofmann. Viele hätten auch aus Angst vor einer Bestrafung geschwiegen. "Das Anliegen der meisten Opfer, mit denen ich in Verbindung stehe, ist Anerkennung ihres erlittenen Unrechts", erklärte die Psychologin.

Die Betroffenen wünschten sich nun eine wahrheitsgetreue Darstellung dessen, was sie erlebt hätten und - soweit möglich - eine Übernahme von Verantwortung durch die Zuständigen. Bei ihr hätten sich auch zwei der Beschuldigten gemeldet und signalisiert, sich den Vorwürfen zu stellen.