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Bistum Regensburg:Bischof Müller verabschiedet sich nach Rom

Gerhard Ludwig Müller folgt dem Ruf des Papstes und dient nun dem Vatikan als oberster Glaubenshüter der katholischen Kirche. In seinem Bistum aber lässt er bei vielen engagierten Laien offene Wunden zurück.

Am Ende wurde Gerhard Ludwig Müller noch einmal persönlich. Nicht im Sinne seiner Kritiker, die ihm allzu oft einen harschen Umgang vorgeworfen hatten, sondern auf einer selten gezeigten Gefühlsebene. Nicht die Schriften von Philosophen und Gelehrten hätten ihn geprägt, berichtete Müller, sondern die Lebensweisheiten seiner Mutter, einer einfachen Hausfrau. Die habe ihm auch erzählt, wie er als Vierjähriger vom Besuch des Mainzer Bischofs derart beeindruckt gewesen sei, dass er selbst Bischof werden wollte.

Verabschiedung Gerhard Ludwig Müller

Eine junge Frau reicht dem Bischof Blumen zum Abschied. Nicht alle Gläubigen sind über den Weggang des Bischofs aus Regensburg traurig.

(Foto: dpa)

Inzwischen hat Gerhard Ludwig Müller seinen Berufswunsch bekanntlich weit übertroffen. Am 2. Juli vom Papst als Präfekt der Glaubenskongregation nach Rom berufen, hat sich der 64-Jährige am Sonntag offiziell aus Regensburg verabschiedet: fast auf den Tag genau zehn Jahre nach seiner Ernennung zum Bischof. Seine Erhebung zum Kardinal ist als Nummer drei in der Hierarchie der katholischen Kirche nur noch eine Frage der Zeit.

Es sei eine außergewöhnliche Situation, sagte Jean-Claude Périsset, der Apostolische Nuntius in Deutschland: Da verabschiede er einen Bischof, der bereits sein Vorgesetzter ist. Müller habe schon bisher "Glaube und Sitte beharrlich gefördert und geschützt". Als oberster Glaubenshüter komme ihm nun die Aufgabe zu, die gesamte katholische Kirche "vor der Infizierung durch den Zeitgeist zu bewahren". Sein Weggang nach Rom sei ein schmerzlicher Verlust für die deutsche Bischofskonferenz, sagte deren Vorsitzender Robert Zollitsch aus Freiburg.

Lob von vielen Seiten

Andere Redner würdigten Müllers Verdienste für das Bistum Regensburg. Bayerns Europaministerin Emilia Müller aus Schwandorf, die selbst aus der Diözese stammt, bezeichnete den Erzbischof als geradlinigen Kirchenmann "von klarem Wort, sicherem Urteil und festem Glauben". Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, der Vorsitzende des Diözesankomitees, lobte Müllers Einsatz für Behinderte, Schulen und Kindergärten sowie seine Ablehnung von Rechtsextremismus.

Überhaupt war der Sonntag ein Tag des Lobes und Dankes: Die Diözese gratulierte ihrem scheidenden Oberhirten mit einer 84-seitigen Hochglanzbroschüre, mehr als 200 geladene Gäste bekamen einen Filmbeitrag über Müllers "segensreiches Wirken" vorgeführt: Müller als leutseliger Wallfahrer, Müller als Leiter des Papstinstituts Benedikt XVI., Müller im Gespräch mit Jung und Alt, Müller bei den Armen in Südamerika, Müller mit Politikern, Müller beim Betriebsbesuch in einer Gärtnerei, Müller bei der Firmung. Alles Müller? Nein, alles war dann doch nicht zu sehen.

Neben den etwa 3000 Menschen, die mit dem Erzbischof im Dom den Abschiedsgottesdienst feierten, gab es aber auch solche, die Besseres zu tun hatten. Fritz Wallner, der von Müller abgesetzte Vorsitzende des Diözesanrats, besuchte lieber die Ausstellung eines Autohauses und ein Fußballspiel. Wie andere engagierte Laien, die sich von Müller geschurigelt und abgeschoben fühlen, hat Wallner die innerliche Trennung vom Regensburger Oberhirten bereits vor Jahren vollzogen. Denn nicht jeder empfand die Reform des Laienapostolates als derart gelungen wie der Diözesankomitee-Vorsitzende von und zu Lerchenfeld. Mit seinem fürstbischöflichen Verhalten habe Müller viele Gläubige verstört, sagt Wallner.

Womöglich hatten sich Gesprächspartner aber auch von dem charmanten Plauderton täuschen lassen, in dem sich der Bischof gerne unterhält. In der Sache gilt der renommierte Theologe als knallhart. Rasch hatte sich Müller im Bistum einen Ruf als kompromissloser Kirchenführer erworben. Priester, die seiner Ansicht zufolge ihre Aufgaben vernachlässigten, wurden finanziell sanktioniert oder von ihren Aufgaben entbunden. Weniger konsequent zeigte sich Müller hingegen im Missbrauchsskandal von Riekofen, als das Bistum einen einschlägig vorbestraften Pfarrer einsetzte, der sich erneut an einem Ministranten verging. Der Bischof verwies auf die Einzelschuld des Täters - eine Entschuldigung blieb aus.

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