Bistum Augsburg Millionenaufträge für den Lieblingskünstler

Bischofsvikar Karlheinz Knebel ist als Kustos für die Umbauarbeiten des Augsburger Doms zuständig.

(Foto: dpa)

Pflegt das Bistum Augsburg eine zu große Nähe zu einem Künstler? SZ-Recherchen zufolge hat es einer einzelnen Künstler-Werkstatt Aufträge in Höhe von mehr als 1,4 Millionen Euro erteilt. Nun wittern Geistliche Vetternwirtschaft.

Von Stefan Mayr, Augsburg

Die umstrittene Umgestaltung des Augsburger Domes zieht weitere Kreise. Schwäbische Geistliche kritisieren, das Bistum vergebe künstlerische Aufträge seit Jahren in intransparenter Weise und bevorzuge dabei spezielle Personen. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung bestätigt die Diözese, dass sie in den vergangenen Jahren einer einzelnen Künstler-Werkstatt Aufträge in Höhe von mehr als 1,4 Millionen Euro erteilt hat, ohne eine öffentliche Ausschreibung vorgenommen zu haben. Das Bistum beruft sich dabei auf Vorgaben des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD). Die Möglichkeit der freihändigen Vergabe, die einer Vetterleswirtschaft Tür und Tor öffnet, besteht also nicht nur in Augsburg, sondern in allen deutschen Bistümern.

Nach Angaben der Diözese hat alleine der Gaißacher Künstler Erwin Wiegerling Aufträge in Höhe von mehr als 1,4 Millionen Euro erhalten. Diese seien "im Wesentlichen" in den Jahren 2008 bis 2012 umgesetzt worden. Alleine beim Umbau des Kapitelsaales im Ordinariatsgebäude unter dem damaligen Bischof Walter Mixa betrug das Auftragsvolumen für Wiegerling mehr als 550 000 Euro. Die Gesamtkosten des Umbaus beziffert das Bistum sogar auf exakt 791 246,29 Euro.

Diese Summe übertrifft die bislang von Insidern kolportierte Zahl von 600 000 Euro nochmals um einiges und hinterlässt so manchen Geistlichen ratlos. "Ich finde diese Summen für die Verschönerung von Verwaltungsgebäuden schockierend", sagt Priester Thomas Müller, der aus Angst vor Repressalien seinen echten Namen nicht in der Zeitung abdrucken lassen will.

Pflegt Bischofsvikar Knebel Wiegerling bevorzugt?

Ihm zufolge werde es "höchste Zeit", dass die bischöflichen Finanzen offen gelegt werden. "Schließlich verwalten die Verantwortlichen nicht eigenes Vermögen, sondern die Gelder, die ihnen von Generationen von Gläubigen treuhänderisch zur Verfügung gestellt wurden." Müllers Kritik richtet sich nicht an Erwin Wiegerling, sondern gegen die kirchlichen Auftraggeber. Die Arbeit der Künstler-Werkstatt aus Gaißach (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) gilt als zuverlässig und hochwertig.

Allerdings wirft Müller dem Bischofsvikar Karlheinz Knebel vor, eine große Nähe zu Wiegerling zu pflegen und diesen deshalb bei der Auftragsvergabe zu bevorzugen. Das Bistum bestätigt auf SZ-Anfrage, dass Knebel bereits in seiner Zeit als Pfarrer und Dekan in Füssen an Wiegerling Aufträge in Höhe von 505 000 Euro vergeben hat.

Danach wurde Knebel Generalvikar in Augsburg, und es stellt sich die Frage, wie viel von den 1,4 Millionen Euro er im Auftrag der Diözese an Wiegerling vergeben hat. Das Bistum beantwortet dies ausweichend, nennt keine Summe. Es begründet lediglich, warum eine Ausschreibung unterblieb: "Die künstlerische Leistung ist objektiv nicht in der Weise bewertbar, wie dies etwa bei dem Angebot einer handwerklichen Leistung der Fall ist." Das Vorgehen entspreche der Muster-Vergabeordnung des VDD. Priester Müller kritisiert diese Praxis und fordert eine Änderung.

Ein neuer Seitenaltar für 500 000 Euro

Ist Müllers Kritik an Karlheinz Knebel überzogen und womöglich Teil einer kircheninternen Intrige? Knebel selbst kommentiert auf Anfrage der SZ die Vorwürfe zu den Vergaben nicht. Er geht in seiner Stellungnahme nur auf das jüngste umstrittene Projekt, der Umbau eines Dom-Altars, ein. Ende Juli hatte Knebel angekündigt, einen Seitenaltar des Domes für 500 000 Euro umbauen zu lassen, obwohl der bestehende Altar erst vor 19 Jahren fertiggestellt wurde.

Dies stieß auch im Klerus auf scharfe Kritik, sodass Bischof Konrad Zdarsa das Projekt auf Eis legte. "Die Reaktionen auf die Planungen für den Altar im Dom sind von mir sehr gewissenhaft und genau aufgenommen worden", teilt Knebel mit. Es werde jetzt "in aller Ruhe" geprüft, "bei den Überlegungen einen noch größeren Personenkreis beratend einzubeziehen." Eine Entscheidung falle nach den Sommerferien.

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Mit der Gestaltung des Dom-Altars wurde nicht Erwin Wiegerling beauftragt, sondern ein Allgäuer Architekt. Allerdings ist Wiegerling für eine neue Innenausstattung des Domes zuständig. Karlheinz Knebel als "oberster Kustos des Domes" plant, die Gotteslobablagen, Wegweiser, Ständer für Opferkerzen und Schriften zu erneuern. Wiegerlings Kostenvoranschlag beläuft sich auf 100 000 Euro. Ob dieser in den Gremien so akzeptiert wird, gilt angesichts der nun auf dem Tisch liegenden Summen als fraglich.