Bistum Augsburg Ein Hauch von Limburg

Stein des Anstoßes: Der neue 400 000 Euro teure Sakraments-Altar soll im Augsburger Dom einen erst 19 Jahre alten Altar ersetzen.

(Foto: Wilhelm Huber Architekt/oh)

Der Altar im Dom von Augsburg ist noch keine 20 Jahre alt. Doch jetzt will das Bistum einen neuen - für 400.000 Euro. Der Dom-Pfarrer durfte nicht mitreden, die Gläubigen sind entsetzt.

Von Stefan Mayr, Augsburg

Josef Seitz war 40 Jahre lang Mesner im Augsburger Dom, er engagiert sich bis heute als Lektor, Kommunionshelfer und Sänger im Chor. Aber die neuen Pläne des Bistums ärgern ihn sehr. "Das ist ungeheuerlich, ich komme mir vor wie in Klein-Limburg", sagt der 79-Jährige. Die Diözese Augsburg will das Südschiff des Domes massiv umgestalten, die Kosten für das Großprojekt betragen etwa 500 000 Euro. Was dabei Seitz und andere Katholiken besonders aufregt: Ein Altar, der erst 19 Jahre alt ist, soll abgebaut und durch einen neuen im Wert von 400 000 Euro ersetzt werden.

Was den Unmut der Gläubigen noch steigert: Die betroffene Dom-Pfarrei hatte dabei kein Wort mitzureden. "Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat wurden nur in Kenntnis gesetzt", sagt ein Mitglied des Pfarrgemeinderats, das seinen Namen aus Angst vor Repressalien nicht in der Zeitung lesen will. Erst vergangene Woche seien die Pläne vorgestellt worden, ein Mitspracherecht oder gar Vetorecht habe nicht bestanden. Bischofsvikar Karlheinz Knebel, der in der Diözese für das Gebäude des Domes zuständig ist, beteuert dagegen: "Pfarrgemeinderat und Domkapitel waren in alle Planungen mit einbezogen." Eine Verschwendung von Kirchensteuergeld sieht Knebel nicht. Im Gegenteil. "Das ist eine bescheidene Lösung und kein spektakuläres Werk", sagt Knebel zum neuen Altar. Diözesan-Baudirektor Werner Köhler ist gleicher Meinung. "Es gab sehr viel Unwohlsein über den bisherigen Altar", sagt Köhler. "Der Dom fordert auch Qualität, damit gehen wir wirtschaftlich um."

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Diese Argumentation kann Josef Seitz nicht nachvollziehen: "Der neue Altar ist, abgesehen vom Christusbild, ohne Aussagekraft, ohne spirituelle Inspiration", sagt er, "ich bin bestürzt über so viel Kleingeist, vom hinausgeworfenen Geld ganz zu schweigen." Diözesanbaudirektor Köhler bezeichnet dagegen den alten Altar als "überfrachtet und verstellt", während die neue Planung ihm zufolge "durch klare Linien und Einfachheit überzeugt."

Der Streit dreht sich um den Sakraments-Altar im südlichen Schiff des Domes, dort feiert die Pfarrei Zum Heiligsten Herzen Jesu ihre Gottesdienste. Dies geschieht seit 1995 unter einem roten Baldachin und vor mehreren modernen Bronze-Stelen des Künstlers Reinhold Alexander Grübl. 19 Jahre nach der Neugestaltung wird dieser Altar nun wieder abgebaut und ins Depot gestellt. Er muss Platz machen für einen mächtigen Flügelaltar aus hellem Stein, der extra aus Burgund nach Schwaben transportiert wird.

Im Zentrum des neuen Altarraums wird künftig eine lebensgroße Skulptur des leidenden Jesus ("Ecce Homo") stehen. Diese hat der bedeutende Barock-Künstler Georg Petel im 17. Jahrhundert geschaffen. Sie hängt derzeit noch an anderer Stelle des Domes und dass sie künftig einen prominenteren Platz bekommen soll, kritisieren weder Josef Seitz noch das Pfarrgemeinderats-Mitglied. "Aber wir können nicht nachvollziehen, dass im kleinen Kreis beschlossen wurde, so viel Geld auszugeben", sagt Seitz.

Weitere 100 000 Euro will die Diözese für neue Ausrüstungsgegenstände im Dom ausgeben: Sieben neue Opferkerzen-Ständer, zwei neue Schriftenständer und drei neue Gotteslob-Wagen sollen angeschafft werden - alle von dem Gaißacher Künstler Erwin Wiegerling in Maßanfertigung aus Nussbaum-Holz und Bronze gestaltet. Ein Bücherwagen allein kostet 5296 Euro. "Dieses Geld kann doch besser verwendet werden", kritisiert das Mitglied des Pfarrgemeinderats. Die bisherige Ausstattung sei "vollkommen in Ordnung" und zudem "noch viel praktischer", weil sie nicht dreieckig sind und somit platzsparender an die Wand gestellt werden können. "Die Kirchenoberen haben kein Gespür mehr für das, was auf der Welt passiert."

Das Bistum will dabei nach eigenen Angaben die Ausstattung "in eine zeitgemäße Form bringen". Dompfarrer Armin Zürn äußert sich wohlwollend über die Neugestaltung: "Wir sehen es sehr positiv und freuen uns." Dieser Darstellung widerspricht das Pfarrgemeinderats-Mitglied: "Viele im Pfarrgemeinderat haben sich gefragt, wie man diese Kosten der Gemeinde verklickern soll."