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Bischof Walter Mixa:"Ich brauche deine Liebe"

Drei Dutzend Seiten schwerste Vorwürfe: Der zurückgetretene Bischof Walter Mixa soll ungebührliche Nähe zu jungen Männern gesucht haben. Vor allem ein Dialog, der in dem Dossier festgehalten ist, belastet ihn schwer.

Die Büroräume des Augsburger Bischofspalais am Hohen Weg 18 werden bereits ausgeräumt, auf dem Boden stehen Kartons. In der Wohnung gegenüber gibt es keine Hinweise auf einen bevorstehenden Umzug - noch keine. Hier hat sich der zurückgetretene Bischof Walter Mixa einquartiert. Vor einer Woche ist er wieder eingezogen, obwohl er bereits seit fünf Wochen vom Amt entpflichtet ist.

'Focus': Papst veranlasste Druck auf Bischof Mixa

Eine bislang geheime Papst-Akte belastet Walter Mixa schwer.

(Foto: ag.ddp)

Die freundliche Frau an der Pforte sagt, sie wisse nicht, wo Mixa ist und wann er wieder kommt. Der 69-jährige Bischof ist abgetaucht seit seinem Welt-Interview vom vergangenen Mittwoch, das er zum verbalen Rundumschlag gegen die Bischöfe Robert Zollitsch, Reinhard Marx und Anton Losinger nutzte: Sie hätten ihn verraten, gemobbt, zum Rücktritt gedrängt, beim Papst mit einem Missbrauchsverdacht angeschwärzt, der sich als haltlos erwiesen habe.

Von Tag zu Tag aber wird deutlicher, dass Mixas Vorwärtsverteidigung mehr ein Akt der Verzweiflung war als ein erfolgversprechender Angriff auf die Brüder im Bischofsamt. Schon die Interview-Aussagen des Ex-Bischofs enthalten einige Ungereimtheiten - so klagt Mixa, dass ihm niemand eine "Auszeit" statt eines Rücktritts angeboten habe. Genau das aber hatten die Vorsitzenden der Deutschen und der Bayerischen Bischofskonferenz, die Erzbischöfe Zollitsch und Marx, getan.

Schwerwiegende Vorwürfe

Vor allem aber liegt dem Vatikan ein Dossier zur Causa Mixa vor, das auf ungefähr drei Dutzend Seiten schwerwiegende Vorwürfe gegen den Bischof enthält. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ging es am 27.April an Nuntius Jean-Claude Périsset, den päpstlichen Botschafter in Berlin, und von dort an den Vatikan.

Zwei Tage später reisten die Erzbischöfe Zollitsch und Marx nach Rom, um dort mit dem Papst über die Umstände von Mixas Rücktrittsgesuch zu reden; am Morgen vor der Abreise hatte sie jener Missbrauchs-Verdacht erreicht, bei dem das angebliche Opfer später dementieren sollte, dass der Bischof ihm gegenüber übergriffig geworden sei. Nicht dieser Missbrauchsvorwurf, sondern der Inhalt des Dossiers soll den Papst dazu gebracht haben, dem Rücktrittsgesuch Mixas zuzustimmen.

Nach SZ-Informationen finden sich in der Akte Aussagen von engen Mitarbeitern und Bekannten über Alkoholprobleme Mixas und darüber, dass er in mindestens zwei öffentlich noch nicht bekannten Fällen die Distanz zu jungen Männern, die von ihm abhängig gewesen seien, nicht in der Weise gehalten haben soll, wie es die Kirche von ihren Bischöfen erwartet.

Ein Mitarbeiter berichtet in dem Dossier, dass der Bischof über den Tag verteilt regelmäßig Wein und Hochprozentiges getrunken haben soll; der Zeuge vermutet, dass der Bischof ein "Spiegeltrinker" sei. Auch sei er manchmal in seinen Urteilen und Wahrnehmungen beeinträchtigt gewesen. Ebenso finden sich Aussagen über eine angeblich zunehmende Selbstbezogenheit Mixas.

Bischof Walter Mixa

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