Bischof Müller "Die Kirche ist kein weltlicher Betrieb"

SZ: Der Bamberger Erzbischof regt an, über den Pflichtzölibat nachzudenken.

Müller: Wer theologisch nachdenkt, wird bei der Position des II. Vatikanischen Konzils zum Verhältnis von Priesteramt und Zölibat ankommen und an der bisherigen Ordnung festhalten.

SZ: Was halten Sie davon, viri probati, erfahrene verheiratete Männer, zum Priesteramt zuzulassen?

Müller: Der Vorschlag ist weder neu noch originell. Alle Bischofssynoden jüngster Zeit haben sich mehrheitlich dagegen ausgesprochen. Die Kirche ist kein weltlicher Betrieb, der sich irgendwie Mitarbeiter sucht, sondern die Stiftung Gottes. Es wird Menschen geben, die freiwillig auf die Ehe verzichten um des Himmelreiches willen (Matthäus 19). Der Zölibat gibt dem Priester eine größere Freiheit im Dienste Christi, nämlich der ganzen Gemeinde ein Vater und Hirte zu sein.

SZ: Die Kirche wird kleiner, die Kritik größer - vor allem daran, dass der Staat das Gehalt der Bischöfe bezahlt.

Müller: Die Kirche wird weltweit größer. Aber die Dotierung der Bischöfe durch den Staat ist ein ungelöstes Problem seit der Säkularisation von 1803. Es sieht so aus, als würden wir vom Staat bezahlt. In Wirklichkeit handelt es sich nur um die Renditen aus den enteigneten Kirchengütern. Im Konkordat wurde quasi anerkannt, dass es sich dabei um eine Beraubung der Kirche durch die absolutistischen Fürstenstaaten handelte.

SZ: Verjährt Raub nicht irgendwann?

Müller: Das wurde im Konkordat als Beziehung von Rechtsstaaten und nicht von Räuberbanden anders gesehen. Mir wäre es persönlich lieber, es hätte einen Ausgleichsfonds gegeben, der 1924 bei den Konkordatsverhandlungen wohl im Gespräch war. Mir geht es an erster Stelle um die Freiheit der Kirche, die eben bei aller bewährten Zusammenarbeit vom Staat unabhängig sein muss.

SZ: Wem gehört denn der Dom zu Regensburg?

Müller: Dem Freistaat und der Kirche als Nutzer - bei Übernahme der Kosten für die Innenausstattung. Das führt mitunter zu absurden Situationen: Wir konnten zum Beispiel über viele Jahre keinen behindertengerechten Zugang zum Dom planen, weil das an den Kosten scheiterte.

SZ: Sie wollen eine stärkere Trennung von Kirche und Staat?

Müller: Wir haben in Bayern eine gute Kooperation in Bezug auf das Gemeinwohl. Es stehen aber aus alter Zeit noch ein paar ungelöste Fragen offen: Die Überführung der staatlichen Dotation der Bischöfe in ein eigenes Besoldungssystem und auch die Ablösung von Kirchengebäuden, für deren Baulast wieder eine Kirchenstiftung zu errichten wäre.

SZ: Dafür müsste das Konkordat geändert werden. Wollen Sie das?

Müller: Zuständig dafür sind der Heilige Stuhl und der Freistaat Bayern. Ich denke, in fünf Jahren kann man das ordentlich hinbekommen.