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Bildungspolitik:SPD fordert Reform der Gymnasiums-Reform

Die SPD-Fraktion im Landtag fordert ein grundsätzliches Umdenken beim Gymnasium. Die inhaltlichen Diskussionen kämen bei der Reform bisher viel zu kurz, weil im Gesetz nur die Zahl acht in die Zahl neun geändert und die Opposition nicht am Konzept beteiligt werde. "Es kann nicht sein, dass wir nur ein Jahr einfügen und alles, was man sonst nicht unterbringt, in die 11. Klasse packen", sagte Martin Güll, der bildungspolitische Sprecher, am Dienstag im Landtag. Am Donnerstag präsentiert Schulminister Ludwig Spaenle (CSU) den aktuellen Stand des neuen G 9 im Bildungsausschuss. Freie Wähler und SPD haben Antragspakete geschnürt, Chemielehrer und Geografen wollen mit Petitionen für mehr Zeit im G 9 kämpfen.

Die bekannte Art der Wissensvermittlung gehe an der Lebenswirklichkeit vorbei, findet Güll. Strikte Fachgrenzen und 45-Minuten-Einheiten seien nicht mehr zeitgemäß. Würden Lehrer in Themenschwerpunkten zusammenarbeiten, könnten Geografie, Biologie und Chemie gestärkt werden, ohne mehr Stunden in die Pläne zu schreiben. Umwelterziehung, Ernährung oder politische Bildung sollten in allen Fächern Thema sein und nicht nur, wenn sie laut Lehrplan vorgesehen sind. Neben mehr eigenverantwortlichem Lernen und Projektarbeit müsse die Berufsvorbereitung intensiver sein. Güll will Gymnasiasten schon in der Mittelstufe auf das duale Ausbildungssystem und später auf das Studium vorbereiten. Davon verspricht er sich eine Lösung für den Fachkräftemangel. Zwar gehen 40 Prozent der Schüler aufs Gymnasium, aber die wenigsten machen eine Ausbildung.

Wieso Ministerium und Verbände nur ein Konzept bis zur 11. Klasse vorlegen, versteht Güll nicht: "Die neue Oberstufe ist zentral, man muss das Gymnasium vom Ende her denken." Die Freien Wähler stellen an diesem Mittwoch im Plenum einen Dringlichkeitsantrag für Leistungskurse in der neuen Oberstufe. Die Rückkehr zu Grund- und Leistungskursen wünschen sich Schüler wie Lehrer, und auch im Ministerium liebäugelt man damit. Aber den Freien Wählern wird die CSU-Fraktion kaum diesen Triumph überlassen.