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Bildungspolitik:"Permanente Mängelverwaltung"

Am Thema Mittelschule scheiden sich im Landtag die Geister: Die Opposition macht Vorschläge zur Umgestaltung, CSU und FW wollen davon nichts wissen

Erfolgsmodell oder Restschule? Bei kaum einer Schulart gehen die Ansichten so weit auseinander wie bei der Mittelschule. Vor zehn Jahren wurden die bayerischen Hauptschulen zu Mittelschulen umgewidmet, Etikettenschwindel nannten das Kritiker damals. Befürworter der Reform loben dagegen die Profilbildung der Schulen, gezieltere Förderung der Kinder und Zusammenarbeit in Schulverbünden. Die Diskussionen aber blieben. Lehrer wie Schulleiter an Mittelschulen beklagen seit Jahren Personalmangel, fehlende Unterstützung und Überarbeitung. "Permanente Mängelverwaltung", die Schülern nicht gerecht werde, heißt es im Bayerischen Lehrerverband. An Mittelschulen treffen Kinder aller Milieus aufeinander, Lehrer sollen Inklusion schaffen, Migranten integrieren und jeden Schüler individuell fördern. Zugleich aber fehlen Lehrer.

Im Bildungsausschuss des Landtags stellte die Opposition am Donnerstag ihre Verbesserungsideen zur Diskussion. Der Mittelschullehrerin Anna Toman (Grüne) waren die Lobeshymnen zum zehnjährigen Jubiläum "zu gepudert und an der Realität vorbei" ausgefallen. Dass in den vergangenen Jahren Dutzende Schulen geschlossen wurden, ist für sie ein Zeichen, dass die Staatsregierung etwas tun müsse, um die Mittelschulen attraktiver zu machen. Sie forderte "mehr Ehrlichkeit", etwa bei der Frage, ob jede noch so kleine Schule erhalten bleiben müsse. Zudem forderte sie eine Stabsstelle zur Schulentwicklung, mehr Kooperationen mit Berufsschulen und weniger Unterrichtsverpflichtung für Schulleiter. Stärke Schüler sollen innerhalb der Klasse gefördert werden, schlägt Toman vor. Statt einer "inneren Spaltung" der Schule Vorschub zu leisten, sollten leistungsstarke Schüler die Schwachen der Klasse mitziehen und könnten trotzdem individuell unterstützt werden. Margit Wild (SPD) setzt auf mehr Kooperationen mit Fachoberschulen, an denen auch Mittelschüler das Fachabitur machen können, auf multiprofessionelle Teams und ein höheres Gehalt für alle Mittelschullehrer, die momentan weniger verdienen als Kollegen an Realschulen und Gymnasien.

Dem widersprach Matthias Fischbach (FDP), der die Schulart über üppige Boni für gute Leistung attraktiv machen will. Markus Bayerbach (AfD) plädierte für mehr Förderlehrer, die Experten für individuelle Unterstützung seien. CSU und Freie Wähler lehnten alle Ideen ab. "Wir wollen den Schulen Freiheit lassen, selbst zu handeln, und ihnen nichts vorschreiben", sagte Eva Gottstein (FW). Ihr Antrag, den Modellversuch für M-Kurse in der fünften und sechsten Klasse auszuweiten, wurde angenommen.

© SZ vom 29.11.2019
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