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Bildungspolitik:Kritiker sehen Naturwissenschaften im neuen G 9 benachteiligt

Stundentafel Bayern G 9

Der aktuelle Entwurf muss noch vom Parlament beschlossen werden.

(Foto: SZ-Grafik, Kultusministerium)
  • Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ist beschlossen, die Stundentafel dafür ausgearbeitet.
  • Kritiker sehen die naturwissenschaftlichen Fächern benachteiligt.
  • Beispielsweise soll Chemie in der 11. Klasse gar nicht gelehrt werden, wenn es sich nicht um einen naturwissenschaftlichen Zweig handelt.

Es klang alles so einfach vor den Sommerferien: Schulminister Ludwig Spaenle präsentierte die Stundentafel für das neue Gymnasium, gemeinsam mit Vertretern von Schülern, Eltern, Direktoren und Gymnasiallehrern. Ein Kompromiss, der die Wünsche der Schulfamilie und alle Vorgaben der Politik erfüllte. Nach Jahren der Kritik am achtjährigen Gymnasium betonte Spaenle die Harmonie - und schneller als der Zeitplan war man übrigens auch noch. Das scheint Geschichte zu sein, denn wann der Gesetzesentwurf zum neuen Gymnasium im Landtag diskutiert werden soll, weiß im Ministerium derzeit niemand. Nur, ohne Abstimmung im Parlament keine Änderung der Schulordnung und damit keine definitive Stundentafel. Und auch die Harmonie ist passé.

Schon vor der Präsentation des Entwurfs murrten alle leise, die befürchteten, im neuen G 9 zu kurz zu kommen. Nach der Präsentation sahen sich die Vertreter von Geografie, Wirtschaft/Recht, Biologie und Chemie bestätigt. Dabei sollte die gemeinsame Arbeitsgruppe von Lehrern, Eltern und Schülern doch verhindern, dass einzelne Fachgruppen oder Verbände um Stunden und damit auch um Stellen streiten.

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Ob der Protest Grund für die Verzögerung ist, vermag Philologenchef Michael Schwägerl nicht zu sagen, "aber es finden Gespräche im Ministerium statt". Allerdings müsse man sich gut überlegen, dieses Fass wieder aufzumachen, dann kämen nämlich alle. Und die Arbeitsgruppe hätte einen Kompromiss gefunden, mit dem die meisten leben können. "Daran zu rütteln, ist eine politische Entscheidung", ergänzt Walter Baier, der Chef der Direktorenvereinigung.

Im Vergleich zum achtjährigen Gymnasium kommen im G 9 nach dem aktuellen Entwurf 19,5 Stunden dazu. Der Nachmittagsunterricht in Unter- und Mittelstufe fällt weg. Besonders profitieren die Kernfächer: Mathe sowie die erste und zweite Fremdsprache bekommen drei, Deutsch zwei zusätzliche Stunden. Geschichte und Sozialkunde gewinnen drei Stunden. Informatik wird zum Pflichtfach für alle. Ziel der Reform ist es, politische Bildung zu stärken und die Kinder besser auf die Digitalisierung vorzubereiten.

Mit Spaenles Mantra, dass in der neuen Stundentafel kein Fach "im Vergleich zum G 8 schlechter gestellt werde", geben sich die Fachverbände nicht zufrieden. Da alle anderen durch das zusätzliche Jahr oder darüber hinaus mehr Stunden bekommen, fühlen sich Vertreter von Chemie, Biologie, Geografie und Wirtschaft/Recht als Verlierer.

Also versuchen alle, den Beitrag des eigenen Faches zur politischen Bildung zu betonen, um doch noch mehr Stunden rauszuschlagen. Die Geografen stützen sich auf Studien und Petitionen, und beklagen, dass sie bei der Umstellung vom alten G 9 zum achtjährigen Gymnasium bereits zwei Stunden verloren. Dabei trage Geografie mit Themen wie Klimawandel, Migration und Umweltbildung direkt zur politischen Bildung bei, sagt Ingrid Hemmer, die an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Geografie-Didaktik lehrt. Das Fach bekomme aber keine Stunde mehr und habe zwei Lücken - "wie sollen da Kompetenzen aufgebaut werden?"