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Bildungspolitik:Bayern kehrt zum G 9 zurück

Viel Kritik an ´Turbo-Abitur" in NRW - Runder Tisch nächste Woche

Neun statt acht Jahre Gymnasium: Bayerns Ministerpräsident Seehofer spricht von einer "Generationenentscheidung".

(Foto: dpa)
  • Bayern kehrt zum Schuljahr 2018/19 zum neunjährigen Gymnasium zurück.
  • Schüler sollen trotzdem das Abitur wie bislang nach acht Jahren absolvieren können. Dafür wird es eine sogenannte Überholspur in der elften Klasse geben.

Fast 15 Jahre nach der Einführung des G 8 hat die CSU-Landtagsfraktion am Mittwoch die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium beschlossen. Damit endet nach jahrelangen Diskussionen eines der umstrittensten Kapitel der bayerischen Bildungspolitik. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach von einer "Generationenentscheidung", das neue Modell habe Signalwirkung für ganz Deutschland. Er sprach von einer Investition in die Zukunft. "Aber das können nur wir, weil wir die finanziellen Ressourcen haben."

Das Konzept von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sieht "eine grundständig neunjährige Lernzeit" an bayerischen Gymnasien vor. Jedoch sollen Schüler das Abitur wie bislang auch nach acht Jahren absolvieren können. Die sogenannte Überholspur ist für die elfte Jahrgangsstufe geplant. Durch zusätzlichen Nachmittagsunterricht in den neunten und zehnten Klassen sollen Schüler auf das Überspringen wie auf einen möglichen Auslandsaufenthalt vorbereitet werden. Seehofer sagte, es sei ihm sehr wichtig, dass das Gymnasium auch künftig nach acht Jahren abgeschlossen werden könne, die Quote der G-8-Absolventen solle "im zweistelligen und nicht im einstelligen Bereich" liegen. Die CSU werde Anreize setzen, damit diese Schüler gefördert würden.

Im neuen neunjährigen Gymnasium soll es weniger Nachmittagsunterricht in der Unter- und Mittelstufe geben, die Kernfächer sollen ebenso gestärkt werden wie Informatik und politische Bildung. Nun gelte es, "das politisch Gewollte auch bestens umzusetzen", sagte Seehofer. Die Gymnasiums-Reform ist Teil eines großen Bildungspakets. Auch Förder-, Grund-, Mittel-, Real- und Berufsschulen in Bayern sollen nach dem Willen der CSU unterstützt werden. Insgesamt sind für die kommenden Jahre mehr als 1800 neue Lehrerstellen vorgesehen. Dazu sollen 150 Verwaltungsmitarbeiter die Schulleitungen entlasten. Finanzminister Markus Söder (CSU) bezifferte die Personalkosten vor der Fraktion mit 870 Millionen Euro bis 2025, hinzu kommen Baukosten in Höhe von etwa 500 Millionen Euro. Gelobt wurde von den Abgeordneten die Unterstützung der Förderschulen. An der Universität Regensburg werden drei neue Lehrstühle für Sonderpädagogik geschaffen, um genügend Lehrer auszubilden.

Die Fraktionssitzung verlief nach Teilnehmerangaben erstaunlich konstruktiv. Alle Abgeordneten stimmten dem Konzept zu, nur der frühere Parteichef Erwin Huber enthielt sich. In den vergangenen Wochen hatte die Reform noch zu schweren Verwerfungen zwischen Fraktion und Staatsregierung geführt, Seehofer hatte einen Fragenkatalog der Abgeordneten als "Art Scheidungsurkunde" bezeichnet.

Spaenle sagte, die Qualität des Gymnasiums werde weiter ausgebaut. Die CSU will die Gesetzesänderung vor der Sommerpause einleiten, die Umstellung auf das G 9 soll mit dem Schuljahr 2018/19 beginnen. Lehrerverbände begrüßten die Pläne, die Opposition sprach von einer überfälligen Entscheidung.

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