Nach fast einem Jahr Corona-Unterricht werden die Probleme sichtbar: Abgehängte Schüler, überlastete Lehrer, mangelnder Gesundheitsschutz waren nur einige Themen, die Experten am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtags vortrugen. Fast alle Verbände beklagten Personalmangel, die Lehrer kritisierten zudem das Fehlen einer umfassenden Test- und Impfstrategie. Auch müsse es endlich datenschutzkonforme Möglichkeiten des Video-Distanzunterrichts und der digitalen Notenerhebung geben. Die Schülersprecher beklagten zu hohen Notendruck und äußerten Bedenken, ob die Abschlüsse angesichts der unterschiedlichen Voraussetzungen gerecht und vergleichbar seien. Dies gelte auch bei Entscheidungen zum Vorrücken oder zum Übertritt.
Die Sorge um abgehängte Schüler und um Gesundheitsschutz an den Schulen einte die Verbände. Die Bildungsgerechtigkeit leide zusehends, sagte Walburga Krefting von der Katholischen Erziehergemeinschaft. "Die Schere geht immer weiter auseinander." Es gebe zahlreiche Schüler, die im Distanzunterricht nicht mehr erreichbar seien oder große Wissenslücken hätten. Die Kinder würden hängengelassen, sagte Simone Fleischmann,Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands. "Nicht weil wir es wollen, sondern weil wir es nicht anders schaffen." Psychologie vor Pythagoras, sagte Hans-Joachim Röthlein vom Landesverband bayerischer Schulpsychologen und sprach von Anpassungs-, Schlaf- und Essstörungen, Resignation und Verbitterung bei Kindern.
Nötig sind aus Sicht der Verbände neben mehr Lehrern auch Psychologen, Schulsozialarbeiter und Verwaltungskräfte. Schulleitungen müssten entlastet und den Schülern der Notendruck genommen werden. Um die Wissenslücken zu schließen, wäre mehr nötig als die Brückenkurse des Ministeriums, sagten Schülersprecher wie Schulleiter. Stundentafeln müssten überarbeitet, Schwerpunkte gesetzt und Versetzung neu gedacht werden. Unverständnis hatte auch das geplante vorzeitige Impfen der Grundschullehrer ausgelöst: Alle Lehrer im Präsenzunterricht müssten vorzeitig geimpft werden. Zumal ältere Schüler so infektiös sein sollen wie Erwachsene.