Bildung Spätere Einschulung wird zu Problem für Kitas

Fast die Hälfte der Korridorkinder wird im Herbst nicht eingeschult und geht ein Jahr länger in den Kindergarten - mit deutlichen Folgen für die Kitas. Seit diesem Jahr können Eltern entscheiden, ob sie Kinder, die zwischen Juli und September sechs Jahre alt werden, einschulen oder zurückstellen. Bisher entschieden die Schulleiter. Laut aktuellen Zahlen des Kultusministeriums werden zum kommenden Herbst tatsächlich deutlich mehr Kinder zurückgestellt als 2018. Diese Zahl steige seit Jahren, heißt es. Aber sie werde durch den Korridor "verstärkt". Von 32 216 Kindern werden 14 171 nicht eingeschult. Das sind 2800 Kinder mehr als 2018, ein bayernweiter Anstieg von neun Prozentpunkten. In Hof, Bayreuth und Schwabach steigt die Zahl sogar um 30 Prozentpunkte.

München berichtet bereits von Kitas, in denen Dreijährige deshalb wohl keinen Platz mehr haben. Anderen Kommunen geht es laut Bayerischem Städtetag ähnlich, eine Lösung ist nicht in Sicht. Eltern haben aber einen Rechtsanspruch auf einen Platz. Lösungen hat auch Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) nicht. Sie empfiehlt enge Kommunikation zwischen Schulen und Kitas, und äußert Verständnis für die Kritiker: Die Umsetzung sei "alles andere als glücklich verlaufen". Die Entscheidungsfrist der Eltern sei mit dem Sozialministerium nicht abgestimmt worden - und wird von 2020 an auf März vorverlegt, um Planungschaos zu vermeiden. Eine Forderung, die auch die Grünen äußerten.

Schulminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte den Korridor zu Jahresbeginn eingeführt, um Mitspracherechte der Eltern zu stärken. Eine entsprechende Online-Petition gegen die "Früheinschulung" hatte er schon unterstützt als er noch Oppositioneller war und ließ den Korridor in den Koalitionsvertrag schreiben. 22 000 Unterstützer verzeichnet die Petition. Bei Kommunen und bayerischem Lehrer- und Lehrerinnenverband hatte die Einführung des Korridors allerdings scharfe Kritik ausgelöst. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann wirft Piazolo eine "hektische Umstellung" vor, die Unruhe an den Schulen auslöste und ein falsches Signal sende: Kinder vor Schule schützen zu müssen. BLLV und Schulräte seien frühzeitig eingebunden worden, heißt es dagegen aus dem Kultusministerium, und der Korridor entlaste die Schulen von Verwaltungsaufwand.