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Bildung in Bayern:Siblers Hang zum Zuhören kommt an

Vier Stunden Werteunterricht pro Woche bekommen auch die Schüler der 600 Übergangsklassen, die auf Wunsch von Ministerpräsident Markus Söder künftig Deutschklassen heißen. Statt halbtags werden Flüchtlinge an Grund-, Mittel- und Berufsschulen künftig ganztags unterrichtet.

In den Schulen kommt Siblers Hang zum Zuhören an, das zeigt auch der Schulversuch zur privaten Handynutzung, bei dem 135 Schulen selbst Regeln entwerfen. Zwei Jahre Ausprobieren ist für Schulen und Minister praktisch: Womöglich unpopuläre Entscheidungen müssen erst 2020 getroffen werden. Wo es dann doch hakt, gelobt Sibler persönlich Besserung, etwa bei Vertretungsstunden. Zwar fallen nur 1,6 Prozent der Stunden ganz aus, 91 Prozent des Unterrichts laufen planmäßig, betonte der Minister. Aber damit in den vertretenen Stunden nicht bloß betreut wird, will das Ministerium die Schulen "neu darüber informieren", dass sie sich sinnvolle Vertretungskonzepte zu überlegen haben.

Bildung in Bayern Auch die besten Lehrer müssen bangen
Vorübergehend arbeitslos

Auch die besten Lehrer müssen bangen

Einige Gymnasiallehrer sorgen sich um ihre Zukunft, weil sie nur befristet angestellt sind. Darunter leiden nicht nur sie selbst, sondern auch die Schüler.   Von Jakob Wetzel

Damit sich jeder Regierungsbezirk gewürdigt fühlt, wird Sibler auch in Franken, Schwaben und Niederbayern Pressekonferenzen abhalten. Das machte die Terminfindung schwierig. Dass Sibler so die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft düpierte, die den Termin für ihre Pressekonferenz bereits vor Wochen bekannt gab, sei keine Absicht, versicherte Siblers Sprecherin dem verschnupften GEW-Mann.

Die Gewerkschaft verschob und Sibler versuchte deren Thema als erstes abzuräumen: Lehrermangel sei genauso wenig ein Problem wie unqualifizierte Seiteneinsteiger. "In Bayern erhalten nur diejenigen Stellen beim Staat, die ihre Ausbildung vollständig abgeschlossen haben." Dass die Stellen an Grund-, Mittel- und Förderschulen nur besetzt werden, weil 1640 Realschul- und Gymnasiallehrer ohne Jobaussichten umschulen und 950 bereits an Volksschulen arbeiten, verkaufte er als "vorausschauende Maßnahmen". Weil die Geburtenzahlen steigen, werden zum Wintersemester 700 neue Studienplätze für Grundschullehrer eingerichtet.

Läuft alles in Bayern? "Das Gegenteil ist der Fall, gerade an den Grundschulen ist das Personal auf Kante genäht", sagte Thomas Gehring, der Bildungsexperte der Grünen. Er warnte vor Überlastung der Lehrer und forderte wie die GEW ein anderes Ausbildungssystem. Die Gewerkschaft wirft Sibler "Schönfärberei" sowie "gescheiterte Bildungspolitik" vor und fordert gleichen Lohn für alle Lehrer.

SPD-Bildungsexperte Martin Güll warnt vor einem "Fehlstart des G 9", bei dem er ein pädagogisches Gesamtkonzept und kreative Ideen vermisst. Auch Michael Piazolo (Freie Wähler) sieht die Regierung "in der Bringschuld": Schon jetzt müssten Lehrer eingestellt werden, nicht erst wenn die G-9-Schüler in die 13. Klasse kommen. Zudem müsse die Oberstufe endlich konzipiert werden, mit Leistungskursen und mehr Wahlfächern. Das Ministerium will dazu erst einmal in Ruhe alle Beteiligten anhören.