Bildung in Bayern Die Multi-tasking-Mama

Petra Hirschmann besucht die 11. Klasse am Münchenkolleg.

(Foto: Carmen Wolf)

Petra Hirschmann, 43, Münchenkolleg

Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder, die 15 und 17 Jahre alt sind. Mit 43 Jahren gehöre ich zu den älteren Schülern des Münchenkollegs, wo ich gerade das Abitur nachmache. Meine erste Schulzeit war problematisch. Eigentlich ging es schon am ersten Schultag los. Die Lehrerin sagte: "Hier wird nicht Bairisch gesprochen, sondern Hochdeutsch." Ich bin auf dem Land aufgewachsen und konnte einfach kein Hochdeutsch. Deshalb habe ich dann in der Schule gar nichts mehr gesagt. Danach bin ich irgendwie auf keinen grünen Zweig mehr gekommen.

Nach der neunten Klasse habe ich die Schule mit dem Qualifizierten Hauptschulabschluss verlassen. Trotz meines grottenschlechten Zeugnisses habe ich eine Lehrstelle als Arzthelferin bekommen. Anschließend habe ich zehn Jahre gearbeitet. Dann kamen die Kinder, und ich war 15 Jahre zu Hause. Als die Kinder immer selbständiger wurden, habe ich überlegt, was ich machen könnte. In meinem alten Beruf wollte ich nicht mehr arbeiten. Jetzt habe ich die Chance ergriffen, am Münchenkolleg mein Abitur nachzumachen. Es läuft richtig gut. Es ist für mich eine schöne Erfahrung, plötzlich zu den guten Schülern zu gehören.

Ich möchte auf alle Fälle studieren, am liebsten Linguistik oder Latein. Mein älterer Sohn ist gerade in der elften Klasse der Technischen FOS, was genau meiner elften Klasse entspricht. Manchmal müssen wir denselben Stoff lernen. Manchmal erklärt er mir etwas und manchmal ich ihm. Nächstes Jahr wird er mit mir gleichzeitig sein Abitur machen. Mein Mann ist Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik und unterstützt mich. Ich empfinde es als Luxus, dass ich ohne finanzielle Sorgen genau das machen kann, was mir Spaß macht. Manchmal ist es aber auch schwierig, weil mein Mann beruflich viel unterwegs ist. Deshalb bin ich während der Woche oft allein mit Schule, Kindern und Haushalt. Ich habe jeden Tag bis 15 Uhr Unterricht. Danach kümmere ich mich um den Haushalt und mache Abendessen. Meistens setze ich mich nach der Tagesschau noch einmal hin und lerne. Wenn der Tag drei Stunden mehr hätte, wäre alles optimal.