Artenschutz versus DenkmalschutzDer Biber und die Pfahlbauten

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Der Europäische Biber war in Bayern sehr lang da und vergleichsweise kurz ausgerottet. Unter strengem Artenschutz hat er sich in den vergangenen 30 Jahren wieder starkt vermehrt.
Der Europäische Biber war in Bayern sehr lang da und vergleichsweise kurz ausgerottet. Unter strengem Artenschutz hat er sich in den vergangenen 30 Jahren wieder starkt vermehrt. Foto: David und Micha Sheldon/Mauritius

In Pestenacker spitzt sich die Lage zu: Im feuchten Erdboden liegen bestens erhaltene Reste einer Siedlung aus der Steinzeit. Ausgerechnet dort sind neuerdings Biber aktiv. Kann das gut gehen?

Von Matthias Köpf

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So prähistorisch können diese Pfahlbauten in Pestenacker gar nicht sein, dass man nicht sagen müsste: Eigentlich war der Biber zuerst da. Denn den Europäischen Biber gibt es angeblich schon seit 15 Millionen Jahren – also so lang, dass castor fiber die längste Zeit noch nicht einmal einen lateinischen Namen hatte.

Andererseits war dieser Biber hierzulande schon seit etlichen Jahrzehnten ausgerottet, als im Jahr 1934 bei Pestenacker im oberbayerischen Landkreis Landsberg der Loosbach begradigt werden sollte und dabei die ersten Reste einer auch schon wieder 5500 Jahre alten steinzeitlichen Siedlung gefunden wurden. Und diese Siedlungsreste gehören zusammen mit guten 100 anderen als „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ immerhin seit 2011  zum Unesco-Welterbe. Also werden die Biber da in Pestenacker wohl ein bisschen zurückstecken müssen.

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Die besagten Biber haben in Pestenacker bereits einen Damm errichtet und anscheinend mit noch umfangreicheren Baumaßnahmen begonnen, ohne vorher Rücksprache mit den amtlichen Denkmalpflegern zu halten. Und diese Denkmalpfleger waren eben auch irgendwie als Erste da: Als sich der inzwischen artengeschützte Biber in den 1990er-Jahren wieder angesiedelt hat im Landkreis Landsberg, da hatte das Landesamt für Denkmalpflege in Pestenacker nämlich gerade schon mit dem ernsthaften Ausgraben und Erforschen begonnen.

Die Häuser am Freigelände im Steinzeitdorf Pestenacker sind neuzeitliche Nachbauten.
Die Häuser am Freigelände im Steinzeitdorf Pestenacker sind neuzeitliche Nachbauten. Foto: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Die allermeisten Reste liegen aber wohl noch unter der Erde und sollen bis auf Weiteres auch dort bleiben, bestens konserviert im feuchten Boden. Und da wollen sich die Amtsarchäologen nicht ins Handwerk graben lassen von jenen Bibern, die auf das Landesamt für Denkmalpflege laut dessen jüngster Mitteilung einen „auffällig aktiven“ Eindruck machen.

Denn der feuchte Boden hätte es offenbar auch den Bibern angetan für ihre Wohnhöhlen. Die neuzeitlichen Nachbauten für Besucher im Steinzeitdorf haben sie bisher verschont und vorerst nur einen Schutzzaun beschädigt. Höchstwahrscheinlich haben sie auch gar nicht vor, dort im Untergrund an den Pfählen der Pfahlbauten herumzunagen. Trotzdem hat sich die Lage nun zugespitzt.

Welterbe oder Artenschutz, lautet der Konflikt der sogenannten Schutzgüter, und das Landesamt hat vorerst entschieden: beides. Zusammen mit dem Landratsamt, den dortigen Naturschützern und den betreffenden Gemeinden habe man nämlich beschlossen:  Den beschädigten Schutzzaun in Pestenacker werde man erneuern und an der nahe gelegenen, noch ein paar Jahre älteren und nun in ähnlicher Weise von Bibern bedrohten Steinzeitsiedlung bei Unfriedshausen werde man einen weiteren errichten. Alles zusammen wolle man regelmäßig kontrollieren.

Im Zuge dessen haben die Behörden dort ein Schild aufgestellt mit der Aufschrift „Achtung! Ab hier wurde eine Böschungssicherung in den Loosbach eingebaut. Bitte bei Unterhaltsmaßnahmen auf das Drahtgeflecht achten!“ Es richtet sich vermutlich nicht an Biber, die gerade ihren Damm pflegen. Sie dürfen es trotzdem so ähnlich interpretieren wie Hunde die Schilder an mancher Ladentür: „Wir müssen leider draußen bleiben!“

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