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Bewerbung zur Kulturhauptstadt:Frankens Zaudermetropole

Nürnberger Altstadt zur Blauen Stunde

Nürnberg hat kulturell so einiges zu bieten - das meinen nicht nur Außenstehende.

(Foto: dpa)
  • In Nürnberg wird diskutiert, ob sich die Stadt für das Jahr 2025 als Kulturhauptstadt Europas bewerben soll.
  • Offenbar gibt es allerdings Bedenken, dass eine Bewerbung nicht erfolgreich sein könnte.
  • Der Nürnberger Stadtrat will erst im Herbst darüber entscheiden, ob man sich wirklich bewirbt.

Podiumsdiskussion in Nürnberg, am Ende will der Moderator den Satz "2025 ist Nürnberg . . ." vervollständigt wissen. Und zwar in dem Sinn, ob Nürnberg dann Kulturhauptstadt Europas sein wird oder nicht. Auf dem Podium sitzen unter anderem ein Nürnberger Staatsintendant, der Präsident der Nürnberger Kunstakademie und die Kulturreferentin der Stadt. Da scheint die Antwort nahezuliegen, immerhin hat man längst bekundet, sich bewerben zu wollen um den Titel. Es kommt aber anders: "2025 ist Nürnberg Kulturhauptstadt" geht keinem der Diskutanten über die Lippen. Einer sagt: ". . . um eine Erfahrung reicher". Der bekommt den meisten Applaus.

Im Süden des Freistaats taucht ja mitunter die Frage auf, wie er denn so ist, der Franke. Die Debatte um eine Kulturhauptstadtbewerbung für 2025 bietet dafür allerlei sachdienliche Hinweise. Den Zwischenstand kann man wohl ungefähr so zusammenfassen: Grundsätzlich würde sich die Stadt schon gerne bewerben wollen. Aber laut sagen will sie es nicht. Jedenfalls jetzt nicht. Und womöglich gar nicht mehr. Weil nach einer Anfangseuphorie ein Aspekt gerade immer mehr ins fränkische Bewusstsein zu rücken scheint: Man könnte auch verlieren bei so einer Bewerbung. Und dann?

Ein großer Schatz in der Region

Einen wie den Staatsintendanten Peter Theiler bringt das Zaudern, der Mangel an Selbstbewusstsein regelrecht in Rage. Theiler stammt aus der Schweiz, seit acht Jahren lebt er in Nürnberg. Er höre Stadt und Region ständig fragen: "Schaffen wir das, können wir das überhaupt?" Als Zugezogener werde er darüber immer fassungsloser. Das Germanische Nationalmuseum, größtes kulturhistorisches Museum der Republik. Zwei Orchester, das Dokuzentrum Reichsparteitagsgelände, Dürer sowieso. Und in der Metropolregion: Wagner in Bayreuth, Welterbe in Bamberg. Und da fragten sich die Franken allen Ernstes, ob sie so einer Bewerbung würdig sind? Theiler ist die Liste der bisherigen Kulturhauptstädte durchgegangen. Auf der Liste stehen Orte wie Cork, Sibiu, Turku. Er wolle Turku bestimmt nicht zu nahe treten, sagt er, "aber verglichen mit Nürnberg?".

Die Kulturreferentin Julia Lehner will nicht widersprechen, sie ist schon auch für die Bewerbung. Bleibt aber vorsichtig. Sie warnt vor Schnellschüssen, sonst sagten am Ende alle: "Wieder typisch Franken, läuft ja doch wieder nicht." Man müsse sich darauf einstellen, dass eine Bewerbung "auch weh tun kann". Soll heißen: Dass man Geld in die Hand nimmt, vorhandene kulturelle Infrastruktur womöglich leidet, Projekte wie ein neuer Konzertsaal sich verzögern können - und man am Ende doch verliert. Deshalb das Zögern. Tatsächlich sind potenzielle Konkurrenten - etwa Dresden und Magdeburg - längst deutlich weiter mit ihren Bewerbungen. Der Nürnberger Stadtrat will dagegen erst im Herbst darüber entscheiden, ob man sich wirklich bewirbt. Eine deutsche Kommune wird auf jeden Fall 2025 Kulturhauptstadt Europas.

Wer nicht wagen wolle, auch verlieren zu können, müsse gar nicht erst anfangen, sagt Ottmar Hörl, Präsident der Kunstakademie. "Aber wenn man nichts will, kommt auch nichts zustande." Dafür gibt es Applaus.

© SZ vom 01.07.2015/vewo
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