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Betzenstein:Wölfe reißen Mufflons und Hirsche

Streit um den Wolf in Nordrhein-Westfalen

In Oberfranken gibt es einige Wölfe (Archivbild)

(Foto: Lino Mirgeler/dpa)

Wölfe dringen in ein Wildgatter ein und töten sieben Tiere. Experten vermuten, dass es ein Rudel aus dem Veldensteiner Forst war. Es wäre sein zweiter Angriff binnen weniger Wochen.

Von Christian Sebald, Betzenstein

Ein oder mehrere Wölfe sind im oberfränkischen Betzenstein (Landkreis Bayreuth) in ein Wildgatter eingedrungen und haben vier Mufflons und drei Stück Rotwild getötet. Neun Stück Rotwild sind bei dem Angriff in der Nacht von Freitag auf Samstag augenscheinlich unversehrt geblieben, weitere sechs sind aus dem Gatter geflohen. Experten vermuten, dass es Wölfe aus dem Rudel im Veldensteiner Forst waren, die das Gatter attackiert haben. Gewissheit soll ein Gentest an den Kadaverresten der Beutetiere bringen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, war es der zweite Angriff des Rudels auf Nutztiere binnen weniger Wochen. Anfang Februar hatte sich in der Region ein Wolf ein Schaf geholt, das nächtens außerhalb des Pferchs war, mit dem der Schäfer eigentlich seine Nutztiere schützt. Die Zeit davor war das Rudel, das seit drei Jahren im Veldensteiner Forst lebt, unauffällig.

Der Landwirt und Betreiber des Geheges, Christian Leißner, reagierte entsetzt. "Wir haben noch am Freitagnachmittag unser Rotwild und die Mufflons gefüttert", sagte er. "Am Samstagfrüh haben uns Nachbarn verständigt, dass etwas nicht stimmt im Gatter. Als ich die Kadaver gesehen habe, war ich so geschockt, dass ich es meinem Vater erst gar nicht erzählen wollte aus Sorge, dass er es sich zu sehr zu Herzen nimmt." Um zu den Tieren zu gelangen, haben sich der oder die Wölfe unter dem zwei Meter hohen Zaun durchgegraben, der das Gelände umgibt.

Am Montag halfen Mitarbeiter des Landesamts für Umwelt dem Landwirt, den Zaun zu reparieren und gegen Wolfsübergriffe zu sichern. Dass Wölfe in Wildgatter eindringen, kommt immer wieder vor. Auch das Veldensteiner Rudel hat das schon einmal getan. Mitten in dem etwa 6000 Hektar großen Waldgebiet, das von den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) bewirtschaftet wird, liegt das Wildgehege Hufeisen. Auf dem 40 Hektar großen Areal leben Hirsche, Dam- und Sikawild sowie zahlreiche Wildschweine. "Rund um das Gehege werden immer mal wieder Wölfe gesichtet", berichtet Frank Pirner, der den BaySF-Betrieb Pegnitz leitet. "Einmal hat es sogar einer in das Gehege hinein geschafft und zwei Hirsche gerissen."

Die Staatsforsten haben darauf rund um das Gatter einen 20 Zentimer hohen Elektrozaun aufgestellt, der jedem Tier, das ihm zu nahe kommt, einen empfindlichen Stromschlag versetzt. "Seither ist Ruhe an dem Gehege", sagt Pirner. Die Besucher des Gatters, das ein beliebtes Ausflugsziel samt Rundweg ist, hätten keine Probleme mit dem Zaun. "Wir haben Hinweisschilder aufgestellt, damit die Leute wissen, warum wir ihn haben, sagt Pirner. "Wir haben weder Beschwerden bekommen noch Klagen gehört."

© SZ vom 02.03.2021 / cws/sonn
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