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Betrüger legt Walter Mixa herein:Wie Hochstapler Charly den Bischof narrte

Er gab sich als ehemaliger Ministrant aus und dichtete ein herzzerreißendes Märchen von Leukämie und der Glasknochenkrankheit seines Sohnes: So erschwindelte ein Betrüger 4800 Euro von Ex-Bischof Walter Mixa. Peinlicher ist der Fall für die Polizei - denn auch die fiel auf "Charly McLaren" herein.

Einen Betrüger und Hochstapler, auf den sogar Polizisten, Geschäftsleute und ein Bischof hereinfallen? So jemanden stellt man sich vor mit Anzug, Krawatte, makelloser Frisur und manikürten Fingernägeln. Michele B. alias Charly McLaren hat nichts von alledem. Der 29-Jährige wirkt eher wie eine bunte Mischung aus Theologiestudent und Computer-Nerd. Grüner Kapuzenpulli, Vollbart, die langen braunen Haare hängen über den schwarzen Brillen-Rand.

Prozess wegen Betrugs mit Zeugenaussage des ehemaligen Bischofs Mixa

Bischof Walter Mixa als Zeuge: freundlich und auskunftsfreudig.

(Foto: dapd)

Angesichts des Angeklagten in seiner Schlabberjeans drängen sich einige Fragen auf: Wie konnten bayerische Polizeibeamten auf diesen Menschen hereinfallen? Wie konnten sie ihm gleich reihenweise abnehmen, dass er von einer Spezialeinheit des Police Departement Honolulu sei? Wie konnten sie ihn in die Inspektion lassen, ihm nichtöffentliche Räume sowie Ermittlungsunterlagen zeigen? Diese Fragen blieben am Donnerstag im vollbesetzten Sitzungssaal 11 des Landgerichts in Ingolstadt unbeantwortet.

Einigermaßen nachvollziehbar wurde dagegen, warum der gebürtige Eichstätter mit seiner zweiten Betrugsmasche erfolgreich war. "Er hat eine besondere Art, Mitleid zu erregen", sagte eine Geschädigte. "Er tat mir wahnsinnig leid."

Die Frau ist verheiratet, hat einen Sohn und ein Teegeschäft in Cuxhaven. Sie fiel auf Michele B. herein, ließ sich auf eine Beziehung mit ihm ein, und glaubte seine Lügengeschichten sogar noch, nachdem sie erfahren hatte, dass er in der Forensischen Abteilung einer psychiatrischen Klinik lebt.

Zu seinen zahlreichen Opfern gehört auch der ehemalige Augsburger Bischof Walter Mixa. Er überwies dem Angeklagten 4800 Euro, die er bis heute nicht wiedersah. "Ich wollte helfen aus der Haltung des Mitgefühls", sagte Mixa am Donnerstag im Zeugenstand.

Er stellte aber auch klar, dass seine Mildtätigkeit alles andere als grenzenlos ist: "Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich ihm natürlich nichts gegeben."