bedeckt München 17°

Berufswahl:Auf der Suche nach der Qualifikation

Ein neuer Kompetenzcheck soll die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt erleichtern - und zeigen, wer noch mal die Schulbank drücken muss

Ein neuer Berufseignungstest soll künftig die Integration von Flüchtlingen in den bayerischen Arbeitsmarkt erleichtern: "Check.work", ein Kompetenzcheck. Er soll auch Flüchtlingen ohne Deutschkenntnissen die Möglichkeit geben, nachvollziehbare Angaben zu ihrem Bildungs- und Berufsweg zu machen - und Unternehmen zeigen, was ihre potenziellen neuen Mitarbeiter können. Am Montag wurde die Initiative im Berufsinformationszentrum München vorgestellt. Entwickelt hat das Programm der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK). Dort, in der Staatsregierung und bei der Arbeitsagentur erhofft man sich, der Integration von Geflüchteten neuen Schub zu verleihen. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sagte, die Initiative werde den Prozess der Arbeitsvermittlung "wesentlich effizienter und effektiver" gestalten.

Tatsächlich geht die Integration voran - gleichzeitig bleibt aber viel zu tun. Bis Ende 2016 wurden in Bayern mehr als 30 000 Flüchtlinge in ein Praktikum, eine Ausbildung oder einen Job vermittelt. Viele dieser Jobs sind allerdings nur Helferstellen. 49 000 Flüchtlinge sind außerdem derzeit arbeitslos gemeldet.

Die Integration in den Arbeitsmarkt scheitert oft an vermeintlich einfachen Dingen. Zum Beispiel können viele Geflüchtete nicht nachweisen, was sie gelernt haben, weil die entsprechenden Zeugnisse in ihrer alten Heimat blieben oder bei der Flucht verloren gingen. Hinzu kommt, dass viele dieser Abschlüsse in Deutschland ohnehin nicht anerkannt werden, weil das Niveau als zu niedrig gilt. Und dann ist da noch die Sprache: Fast alle Flüchtlinge müssen erst mühsam Deutsch lernen - und das lateinische Alphabet, ein völlig anderes Zeichensystem. Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer des BIHK sagte, dass viele Flüchtlinge "keine passgenau für den bayerischen Arbeitsmarkt qualifierzierten Fachkräfte" seien. "Doch was nicht ist, kann und vor allem soll und muss noch werden."

Genau an dieser Stelle setzt der neue Kompetenzcheck an. Er soll alle wichtigen Informationen zum bisherigen Bildungsweg und der beruflichen Erfahrung systematisch erfassen, ohne dass dafür Deutschkenntnisse nötig sind. Das Ergebnis dient quasi als Ersatz-Referenz, die zeigt, was ein Bewerber kann und wo noch Nachholbedarf besteht.

Der Online-Test besteht aus zwei Modulen. Das erste Modul richtet sich an Erwachsene mit Berufserfahrung und wird in fünf Sprachen angeboten: Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch und Farsi. Die Entwickler haben sich Mühe gegeben, das Tool intuitiv und interaktiv zu gestalten. Insgesamt umfasst es rund 2000 Fachfragen, einige davon mit Bildern. Wer etwa angibt, eine Mechanikerlehre gemacht zu haben, muss auf einem Bild markieren, wo sich im Motorraum die Einspritzpumpe befindet. Wer eine kaufmännische Ausbildung hat, muss rechnen. Am Ende des Tests erstellt das Programm automatisch ein Tätigkeitsprofil. Das listet auf, in welchen der ausgewählten Bereiche wie viele Fachfragen richtig beantwortet wurden - und für welche Berufe das wichtig sein könnte. Das zweite Modul soll Jugendlichen die berufliche Orientierung erleichtern.

"Check.work" ist nicht das erste Programm dieser Art in Deutschland. Vor einigen Wochen startete die IHK Pfalz in Ludwigsburg eine ähnliche Initiative. Im Freistaat gibt es bereits seit 2015 den sogenannten "IdA KompetenzCheck", entwickelt von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW). Der Test ist vor allem für Unternehmen aus der Metall- und Elektroindustrie, der Logistik und dem Garten- und Landschaftsbau gedacht, die Geflüchtete beschäftigen wollen. Das Vorgehen ist mit dem von "Check.work" vergleichbar: Es gibt Fragebögen in verschiedenen Sprachen, teils werden auch Videosequenzenverwendet. Im Idealfall weiß das Unternehmen danach, wie groß die Vorkenntnisse ihres neuen Azubis sind - und in welchen Bereichen eventuell Nachholbedarf besteht.

Der "IdA KompetenzCheck" hat sich bislang bewährt. Allerdings war er nicht für jedes Unternehmen einsetzbar, da er sich auf ausgewählte Bereiche konzentrierte. Das neue "Check.work"-Programm soll keine Konkurrenz werden, sondern die Lücke in anderen Branchen schließen. Benutzen lässt sich es nur mit einer Lizenz. Zielgruppen sind - neben den Geflüchteten selbst - unter anderem Industrie- und Handwerkskammern, Jobcenter, Schulen, Bildungsträger und gemeinnützige Organisationen. Die Arbeitsagentur München hat den Kompetenzcheck bereits getestet. Die ersten Ergebnisse seien, so heißt es, "sehr vielversprechend".