Berufsverband Pflegende fordern Gleichstellung

Weiter Kritik an Ministerin Humls neuer Interessensvertretung

Von Dietrich Mittler

Seit 1. Mai ist das Gesetz rechtskräftig, das der "Vereinigung der Pflegenden in Bayern" den Weg ebnet. Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml (CSU) ermuntert seitdem Pflegekräfte, der Körperschaft beizutreten, die Kritiker eine "Pflegekammer light" nennen - und sie wirbt damit, dass nicht einmal ein Mitgliedsbeitrag fällig werde, weil diesen ja der Freistaat übernimmt. Doch unter Bayerns Pflegekräften regt sich nach wie vor Widerstand gegen die neue Interessenvertretung. "Warum werden hier Ressourcen verschleudert für etwas, was wir gar nicht wollen", bekam Bernhard Seidenath, der gesundheitspolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion am Mittwoch zu hören.

"Ich werde versuchen, dass aus dieser Diskussion die Schärfe rauskommt", hatte Seidenath gesagt, als er bei der Veranstaltung des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) in München eintraf. Dass dies ein Wunsch bleiben dürfte, bekam er gleich zu Beginn seiner Rede zu spüren. Schließlich ist der DBfK klarer Befürworter einer Pflegekammer und lehnt damit kategorisch Humls Konstrukt einer Vereinigung der Pflegenden ab. Das Unbehagen über diese Vereinigung droht sich allmählich auf die Ministerin zu übertragen - nicht auf die Person, wohl aber auf ihre Profession. "Ein Pflegeministerium, das von einer Ärztin geführt wird, ist nicht das, was wir uns wünschen", sagte die für den Südosten zuständige DBfK-Geschäftsführerin Marliese Biederbeck. Dann die Frage: Was habe "denn die CSU geritten", das Gesetz zur Gründung der Vereinigung durchzuboxen? So jedenfalls kämen Pflegekräfte nie auf Augenhöhe mit Gesundheitsberufen, die längst eine Kammer haben.

In einem aber sind sich der Verband und die CSU einig. "Es geht darum, in der Pflege eine humanitäre Katastrophe zu verhindern", wie es Seidenath ausdrückte. Die Fakten, welche die DBfK-Regionalvorsitzende Sonja Hohmann auflistete, machten deutlich: Es brennt in der Pflege, der Personalnotstand erfordere "dringend Soforthilfe". Einer Prognose der Bertelsmann Stiftung zufolge würden in Bayern bis 2030 zirka 62 000 Pflegefachkräfte fehlen. "Aufgrund des Personalnotstands in der Pflege müssen jetzt schon Abteilungen geschlossen und OPs verschoben werden", sagte Hohmann. Der DBfK will nun aufrütteln, und zwar mit einer "Münchner Erklärung". Überschrieben ist diese mit der Forderung: "Personalnot in der Pflege stoppen - jetzt!"