Burgfestspiele in Vilseck:Mehr Räuber als Revoluzzer

Lesezeit: 3 min

Burgfestspiele in Vilseck: Gefangen: Der Räuber Franz Troglauer, gespielt von Bernhard Neumann, wird von einem Gendarm (Tobias Meidinger) bewacht.

Gefangen: Der Räuber Franz Troglauer, gespielt von Bernhard Neumann, wird von einem Gendarm (Tobias Meidinger) bewacht.

(Foto: Stadt Vilseck)

Bernhard Setzwein untersucht in seinem neuen Stück über den Räuberhauptmann Franz Troglauer die Widersprüche zwischen dem revolutionärem Anspruch seiner Bande und ihrer autoritären Wirklichkeit.

Von Sabine Reithmaier

Franz Troglauer war ein Räuber. Vermutlich keiner von der edlen Sorte à la Robin Hood. Dafür hat es den knallharten Oberpfälzer, der vor keiner Schandtat zurückschreckte, wirklich gegeben. Jetzt ist er die Titelfigur des neuen Stücks von Bernhard Setzwein, das am 24. Juni Premiere im Innenhof der Burg Dagestein im oberpfälzischen Vilseck hat.

Auf den ersten Blick ist es nicht unbedingt ein Stoff für Setzwein, auch wenn sich der in Waldmünchen lebende Autor in den vergangenen Jahren erfolgreich darauf spezialisierte, Biografien zu dramatisieren und auf die Bühne zu bringen. Den Theologen Dieter Bonhoeffer, dessen letzte Tage er in "Später Besuch - Dietrich Bonhoeffer redivivus" schildert, oder "Lola Montez", die als spanische Tänzerin nicht nur König Ludwig I. den Kopf verdrehte. Oder die Resl von Konnersreuth, über die in " Resl unser" die zeitgenössischen Bewunderer und Kritiker der stigmatisierten Bauernmagd heftig debattieren.

Troglauer saß im "Bärenloch" ein

Jetzt also Troglauer, ein eher unbekannter Räuber, der zu Zeiten der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege sein Unwesen trieb. Anfangs habe er sich schon ein bisschen gegen den Stoff gesträubt, sagt Setzwein. Aber dann faszinierte ihn die Zeit, in der sich das Gesicht Europas veränderte und Bayern mehrmals in den Konflikt zwischen Frankreich und Österreich geriet.

Über den Räuber ist nicht allzu viel bekannt. Die Fakten hat der Heimatforscher Bernhard Weigl in dem Sachbuch "Der Galgen ist mein Grab - auf den Spuren der Räuberbande des Franz Troglauer durch Oberpfalz und Franken" zusammengetragen. Darin wird anhand der wenigen existierenden Archivalien die Biografie des Räubers in groben Zügen beschrieben. Geboren 1754 im nordoberpfälzischen Markt Mantel, gerät das älteste von acht Kindern eines armen Leinewebers schon als Jugendlicher auf die schiefe Bahn, sitzt als Dieb mehrmals im Amberger Zuchthaus.

Burgfestspiele in Vilseck: Burgfestspiele Vilseck: Gespielt wird im Innenhof der Burg.

Burgfestspiele Vilseck: Gespielt wird im Innenhof der Burg.

(Foto: Stadt Vilseck)

Der Bezug zu Vilseck, das damals noch zum Hochstift Bamberg gehörte, ergibt sich aus einem Gefängnisaufenthalt Troglauers. Er saß 1796/97 wegen Pferdediebstahls in Untersuchungshaft im "Bärenloch", einer Arrestzelle am Fuß des Burgturms. Ob Troglauer im weitesten Sinn ein Sozialrebell war, was der Stückuntertitel "Räuber, Rossdieb, Revoluzzer" andeutet, ist nicht gewiss. "Möglich, dass er aufgrund seiner aussichtslosen sozialen Lage die Räuberlaufbahn einschlug", sagt Setzwein. Zwar beanspruchte die "Große Fränkische Diebes- und Räuberbande", zu deren Chef Troglauer schnell aufstieg, das Motto der französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - für sich. Doch in den eigenen Reihen - die Bande zählte bis zu 180 Mitglieder in ihren Spitzenzeiten - wurden diese Begriffe nie ernstgenommen oder gar umgesetzt. Die Frauen jedenfalls, die sich der Räuberbande anschlossen, hatten nichts zu melden, standen in der Hierarchie ganz unten.

"Troglauer war ein rücksichtsloser, brutaler Draufgänger", sagt Setzwein. Die Widersprüche zwischen dem revolutionärem Anspruch der Bande und ihrer autoritären Wirklichkeit aufzuzeigen, ist das Anliegen seines Stücks. Schließlich sind Widersprüche dieser Art nicht nur bei Räubern zu beobachten. "Auch Befreiungsbewegungen, die aus sozialen Gründen entstehen, handeln häufig bald selbst wieder ungerecht." Damit seine Sozialstudie nicht zu ernsthaft gerät, setzt Setzwein auf ein Drehorgel spielendes Bänkelsänger-Paar, das, gespielt von der Musikerin Andrea Pancur und dem Schauspieler Gernot Ostermann, immer wieder für ironischen Abstand sorgt.

Gerichtsakten belegen die Episode, die Troglauer letztlich das Genick brach. Er stahl gemeinsam mit seiner Bande dem Bamberger Bischof nicht nur 12 000 Gulden, sondern auch den Bischofsstab. Von diesem Zeitpunkt an wurde er als Vogelfreier gejagt. Zwar gelang es ihm noch, den Gefängnissen in Regensburg und Straubing zu entkommen. Doch dann setzte die Regierung in Amberg 100 Gulden Belohnung auf seine Ergreifung aus. Im Dezember 1800 wurde er festgenommen, am 6. Mai 1801 in Amberg hingerichtet.

Die Regie hat wieder Till Rickelt übernommen, der schon viele Setzwein-Stücke uraufgeführt hat, auch die "Lola Montez", die 2018 nicht nur die Vilsecker begeisterte - alle zehn Vorstellungen waren restlos ausverkauft. Vielleicht ist der "Troglauer" sogar seine letzte Inszenierung in dieser Gegend. Der künstlerische Leiter des Landestheaters Oberpfalz übernimmt zum Jahreswechsel die Intendanz am Theater Ravensburg. Doch zuvor sorgt er noch für ein temporeiches, spannendes Spektakel in Vilseck.

Troglauer. Räuber, Rossdieb, Revoluzzer. Premiere am 24. Juni, 20 Uhr (weitere Vorstellungen bis 10. Juli) , Innenhof der Burg Dagestein, Vilseck. Infos www.vilsecktheater.de.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusÖsterreich
:Missverständnisse und jede Menge weiterer Geschichten

Barbara Staudinger wechselt von Augsburg nach Wien und löst nächste Woche Danielle Spera als Leiterin des Jüdischen Museums ab. Wie lief die Übergabe - und was hat die neue Chefin vor?

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB