Hütten des Deutschen Alpenvereins Viele wollen Wildnis erleben, die damit verbundene Einfachheit aber nicht

Das Dilemma der Berge ist ja gerade: Sie sind Opfer ihrer eigenen Schönheit geworden. Bergsteigen ist ein Trend, jedes Jahr zieht es immer noch mehr Menschen ins Gebirge. Auf Autobahnen bilden sich an schönen Tagen lange Staus, Wanderparkplätze quellen über, neue Klettersteige werden in Ortsnähe angelegt und als "TÜV-zertifiziert" beworben, Hütten können online reserviert werden und sind Wochen im Voraus ausgebucht.

Gleichzeitig gibt es immer weniger Schlafplätze, neue Hütten werden nicht mehr gebaut, um die Alpen nicht noch mehr zu erschließen, und Matratzenlager werden durch Mehrbettzimmer ersetzt. An dieser Entwicklung haben wachsende Städte wie München ebenso Anteil wie die Outdoor-Industrie und beeindruckende, aber oft eben auch inszenierte Fotos in sozialen Netzwerken. Sie lösen auch bei denjenigen Sehnsüchte aus, die Wildnis, Freiheit und Abenteuer erleben wollen, die damit verbundene Einfachheit und Abgeschiedenheit aber nicht.

Wandern in Bayern

Plumsklo, Lager, Kerzenschein - das war einmal

Philipp Monden hatte nicht gedacht, dass es viele Bergsteiger gibt, die die Entwicklung in den Alpen ähnlich viel Kummer bereitet wie ihnen. Doch dann stellte "Vorsicht friends" einen Antrag an die Mitgliedsversammlung des Münchner DAV, dass es keine Ladestationen für E-Bikes auf sektionseigenen Hütten geben soll. Und setzte sich durch. Freiwilliger Verzicht als Grundidee des Bergsteigens. Nicht alles, was geht, muss. Durch die Eigernordwand gibt es ja auch keinen gesicherten Klettersteig.

Der Beschluss ist ein deutliches Signal der größten Sektion im Alpenverein, etwa jedes zehnte DAV-Mitglied stammt aus München. Die Gruppe bekommt seither viel Zuspruch. "Das hätten wir so nicht gedacht", gibt Schütz zu. Der Kampf der ursprünglich zehnköpfigen Gruppe, so scheint es, ist mehr als der Aufstand eines kleinen gallischen Dorfs gegen die vermeintliche Übermacht, die sie längst umzingelt hat, er trifft den Nerv vieler Bergsteiger.

Andere Sektionen haben bereits Kontakt zu der Gruppe aufgenommen und planen ähnliche Abstimmungen, im November soll es in einem Symposium gemeinsam mit dem deutschen, österreichischen, Schweizer, italienischen und Südtiroler Alpenverein darum gehen, wie der Ansturm auf die Berge gesteuert werden kann.

Richtungskämpfe hat es im Bergsport immer wieder gegeben, beim Klettern etwa in den Siebzigerjahren. Bis dahin war es üblich, schwere Kletterrouten technisch so zu "vernageln", dass das Erlebnis am Felsen auf der Strecke blieb. Leitern und Seilschlingen, befestigt im Meterabstand in Zwischensicherungen, ließen die Kletterer Überhänge meistern.

Aber kann man überhaupt noch von "Meistern" reden, wenn der Felsen mit Aufstiegshilfen zugepflastert ist?

Es entstand damals ein Bewusstsein dafür, dass nicht das Ankommen am Gipfel das alleinige Ziel ist - sondern auch der Weg dorthin. Nur wer ohne Hilfsmittel den Berg hinaufkommt, hat dort oben etwas zu suchen, so der Anspruch. "By fair means" nennen die Kletterer das. Mit fairen Mitteln wollten auch Extrembergsteiger wie Reinhold Messner die Eisriesen des Himalayas besteigen, ohne Träger, Fixseile oder Sauerstoffflaschen.

Kaum Platz ist beim Aufstieg zum Gipfelkreuz der Zugspitze.

(Foto: dpa)

By fair means: Ein Begriff, den die Gruppe "Vorsicht friends" in der aktuellen Debatte immer wieder verwendet. Denn auch ihnen stellt sich die Frage: Wie viel Aufstiegshilfe ist legitim? Das Stück Traubenzucker als Energieschub für die letzten Höhenmeter dürften wohl noch nicht darunterfallen. Aber das Mountainbike mit Elektroantrieb? Oder der Gepäcktransport zur Hütte

Thomas Auer ist über eine Materialseilbahn direkt mit dem Tal verbunden, für ihn ist es nicht ungewöhnlich, frische Salate, Wein oder eben einen Kaffee-Vollautomaten auf die Höllentalangerhütte zu bringen. Einschränkungen gibt es für ihn eher im Detail. Burger, sagt er, will er auf der Hütte keine anbieten, ebenso wenig Pommes, das Fett versaut die ganze Küche. Auch Handy-Ladestationen lehnt er ab. Wer sein Smartphone aufladen will, "der soll unter den Tisch kriechen".

Dass die Entwicklung in den Bergen noch aufzuhalten ist, glaubt er nicht. Er will es auch gar nicht, denn schließlich geht es um seine Gäste, denen er etwas bieten will. Sie werden weiter ins Höllental drängen, Ansprüche formulieren, Komfort einfordern. Thomas Auer findet das nicht schlimm: "Die Berge sind dafür da, dass sie dem Menschen dienen."

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