Tourismus:Zittern auf der Hütte

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Tourismus: So wie das Bodenschneidhaus im Mangfallgebirge auf dieser Aufnahme stellen sich viele eine Berghütte im Winter vor. Doch die Heizkosten lasten inzwischen ähnlich schwer auf den Häusern wie der Schnee.

So wie das Bodenschneidhaus im Mangfallgebirge auf dieser Aufnahme stellen sich viele eine Berghütte im Winter vor. Doch die Heizkosten lasten inzwischen ähnlich schwer auf den Häusern wie der Schnee.

(Foto: imago)

Die hohen Energiekosten setzen auch die Wirte und Betreiber von Unterkünften in den Bergen unter Druck. Der Präsident des Deutschen Alpenvereins warnt schon vor Schließungen.

Von Matthias Köpf

Die Berge rundherum ganz weiß, der Himmel blau, und auf dem Dach liegt, schwer und scheinbar doch ganz leicht, mindestens ein halber Meter sonnenglänzender Schnee. Ungefähr so soll das winterliche Hüttenidyll in Bayerns Bergen aussehen, und manchmal tut es das sogar beinahe. Doch auf den Hütten wird im gerade beginnenden Winter nicht nur der Schnee lasten, sondern auch ein erheblicher Kostendruck. So hat nun auch der erst im November neu ins Amt gewählte Präsident des Deutschen Alpenvereins, Roland Stierle, vor steigenden Energiepreisen als Folge des Ukrainekriegs gewarnt. Demnach könnten wegen der massiv gestiegenen Gaspreise im Winter einzelne Hütten geschlossen bleiben.

Dass bewirtschaftete Berghütten über den Winter den Betrieb einstellen, ist ohnehin eher die Regel als die Ausnahme. Stierle denkt da allerdings an manche derjenigen Alpenvereins-Hütten, in denen auch im Winter Bergsteiger, Schneeschuhwanderer oder Skitourengeher übernachten können. Ungefähr 20 solcher Hütten gebe es im bayerischen Alpenraum, schätzt DAV-Pressesprecher Thomas Bucher. Und den Hüttenwirten setzen die aktuellen Energiepreise mindestens genauso zu wie den Gastronomen im Tal.

Die Kosten seien schon enorm gestiegen, sagt auch Michaela Durach, die zusammen mit ihrem Mann die Lenggrieser Hütte unterhalb des Seekarkreuzes betreibt. Sie werden dort droben erst nach Weihnachten wieder öffnen, so wie viele Hütten mit Winterbetrieb. Aber die beiden Flüssiggastanks für das kleine Blockheizkraftwerk mussten die Durachs schon im Herbst füllen, denn später ist es keineswegs gewiss, dass ihre auf 1338 Metern Höhe gelegene Hütte noch so ohne Weiteres mit einem Fahrzeug erreichbar ist.

Mehr als doppelt so viel wie bisher habe man für das Flüssiggas ausgeben müssen, sagt Michaela Durach, was auch den Angaben von DAV-Präsident Stierle entspricht. Daneben müssten noch die Gasflaschen fürs Kochen und der Treibstoff fürs Notstromaggregat bezahlt werden, und das Personal solle doch auch ein bisschen mehr verdienen, jetzt wo alles teurer werde. Dabei kommt eine relativ kleine Hütte wie die Lenggrieser noch mit vergleichsweise wenig Heizmaterial aus, und auch Personal braucht es nicht so viel, denn Florian Durach kocht selbst und die Gäste müssen sich Essen und Getränke selber an der Theke holen.

Viele Hütten lassen sich schlecht dämmen

Grundsätzlich aber muss auf Berghütten oft noch einmal deutlich mehr geheizt werden als im Tal - schon wegen der tieferen Temperaturen am Berg, aber auch, weil viele Hütten schon um die hundert Jahre alt oder noch älter sind und sich schwerlich nach neuesten Standards dämmen lassen. Darauf weist auch der Hüttenreferent der großen DAV-Sektion München, Thomas Gesell, hin.

Um ihren Hüttenwirten etwa auf der Albert-Link-Hütte am Spitzingsee oder im nahe gelegenen Taubensteinhaus das Leben wirtschaftlich wenigstens ein bisschen leichter zu machen, habe ihnen die Sektion erlaubt, für Übernachtungen etwas mehr zu verlangen als bisher. Dieser "Energiezuschlag" beträgt demnach zwei Euro pro Nacht für jeden Erwachsenen und einen Euro für Kinder oder Jugendliche.

Die zahlreichen kleineren Selbstversorgerhütten, welche die Sektion zusammen mit der Sektion Oberland in den bayerischen Alpen besitzt, sind laut Gesell von den gestiegenen Heizkosten zwar ebenfalls betroffen, dies aber in weit geringerem Maß als die großen bewirtschafteten Häuser. Wenn zu viel Geld fehle, könnten nötigenfalls aber auch da die Preise leicht angehoben werden.

Was den Strom betrifft, so sind inzwischen viele Hütten dank Photovoltaik-Paneelen oder eigenen kleinen Wasserkraftwerken mehr oder minder autark, darunter auch große Unterkünfte wie das Watzmannhaus oder die Höllentalangerhüte im Zugspitzmassiv. Im Sommer standen einige Berghütten auch ohne große Energiekosten vor ganz anderen Problemen. Da und dort wurde das Wasser knapp, laut Stierle hätten manche Hütten deswegen zeitweise dichtmachen müssen. In Bayern stand laut DAV-Sprecher Bucher etwa die Hochlandhütte im Karwendel oberhalb von Mittenwald kurz vor der Schließung.

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