Süddeutsche Zeitung

Berchtesgadener Land:Ramsaus Äquivalent zum Berliner Flughafen

Dass ein größeres Bauvorhaben auch mal länger dauert, ist bekannte Praxis. Wenn es aber tatsächlich fertig wird, können die Glücksgefühle epochale Ausmaße annehmen.

Wann immer ein Bauprojekt mal etwas länger dauert, dann muss sofort dieser Flughafen herhalten, der da schon seit 2006 bei Berlin in den märkischen Sand gesetzt wird. Dabei kann auch das Bauen im Ramsaudolomit beinahe geologische Zeitspannen in Anspruch nehmen. So hat der Freistaat Bayern neulich im Berchtesgadener Land zwischen Unterjettenberg bei Schneizlreuth und der Schwarzbachwacht bei Ramsau ein Bauwerk vollendet, an dem er stolze 30 Jahre lang gebaut hatte.

Dass da neulich so viele hohe Staatsbedienstete den Abschluss des epochalen Werks gefeiert haben, liegt aber nicht nur daran, dass die Aufgabe gleich eine ganze Beamtengeneration beschäftigt hat, sondern an der Zahl der beteiligten Behörden und Staatsbetriebe. Das Wasserwirtschaftsamt, das Staatliche Bauamt, die Forstverwaltung und die Staatsforsten haben da zusammengeholfen, wobei speziell die Forstverwaltung und die Staatsforsten in der ersten Hälfte des Projekts ja noch ein und dasselbe gewesen sind.

Jedenfalls haben sie alle miteinander über die vergangenen Jahrzehnte ungefähr 400 000 Bäumchen pflanzen lassen, und wenn alles gut geht, dann sollen die in weiteren 30 Jahren das überflüssig machen, was oberhalb der B 305 auf satten 50 Hektar im Fels verankert wurde, nämlich Bayerns größte Lawinenverbauung.

1120 Stahlnetze spannen sich nun über die felsigen Abschnitte der Weißwand, einer steilen Flanke des Lattengebirges. Dazu kommen Gleitschneezäune und Steinschlagschutzzäune und überhaupt jede Menge metallenes Geflecht, um die Straße vor Steinschlägen und Schneemassen zu schützen, wie sie sich in der Vergangenheit auf zwölf einzelnen Lawinenstrichen immer wieder herabgewälzt hatten. Der Wald oberhalb der Straße, die sich über eine Länge von vier Kilometern die Bergflanke hinauf fräst, war längst zu licht, um Schnee und Steine zurückzuhalten.

An Pfingsten 1982 war es sogar zu einem Todesfall gekommen, und dann hatte es nur noch ein paar Jahre gedauert, bis die Zuständigkeiten geklärt waren. Der Bau selber dauerte eben auch ein bisschen, aber bevor jetzt in Berlin einige mit dem Finger nach Süden zeigen: Das ganze war am Ende sogar um gut sieben Millionen Euro billiger als die einst kalkulierten 55 Millionen D-Mark.

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SZ vom 28.10.2019/syn
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