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Berchtesgaden:Hotel neben Hitlers "Berghof" wird verkauft

Hotel 'Zum Türken' - Obersalzberg

Das Hotel 'Zum Türken' oberhalb von Berchtesgaden.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)
  • Das Hotel liegt im ehemaligen "Führersperrgebiet" und war früher durch einen Bunker mit Hitlers "Berghof" verbunden.
  • Es besteht die Sorge, dass das Hotel in die Hände Rechtsextremer fällt. Der Ort hat bereits in der Vergangenheit NS-Touristen angezogen.

Am Obersalzberg oberhalb von Berchtesgaden steht ein historisch schwer belastetes Gebäude zum Verkauf: Das im ehemaligen "Führersperrgebiet" in direkter Nachbarschaft zu Adolf Hitlers privatem "Berghof" gelegene Gebäude diente einst als Unterkunft für den Reichssicherheitsdienst, Hitlers Leibwache. Später bot es als "Hotel Zum Türken" auch einem vom Nationalsozialismus auf ungute Weise fasziniertem Publikum Zugang zu den Bunkeranlagen im Berg. Das Hotel ist seit einiger Zeit geschlossen, schon seit mehreren Monaten bietet es die Immobiliensparte des britischen Auktionshauses Sotheby's auf ihrer Homepage für 3,65 Millionen Euro zum Verkauf.

"A journey through time with a dreamlike scenery" ist das Angebot auf der Sotheby's-Seite überschrieben, über das die Passauer Neue Presse nun berichtet hat. Welche Zeitreise das aussichtsreich am Berghang gelegene Gebäude hinter sich hat, geht aus der Annonce nicht hervor. Als Ausstattung ist "ein See" genannt, nicht jedoch die vom "Türken" aus zugänglichen Teile der Bunkeranlagen für Hitler und seinen Regierungsapparat.

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Speziell diese Bunker zogen schon seit den Fünfzigerjahren stets auch Menschen an, die am Nationalsozialismus noch oder wieder Gefallen fanden. Um dieser Art von NS-Tourismus zu begegnen, den Obersalzberg demokratisch zu besetzen und dort einen Ort der Information zu schaffen, hat der Freistaat 1999 wenige Hundert Meter vom "Türken" entfernt die Dokumentation Obersalzberg eröffnet, die derzeit für mehr als 30 Millionen Euro erweitert wird.

Dabei werden mit großem Aufwand Teile der Bunker in einen neuen Rundgang integriert. Eine Verbindung beider Bunkerabschnitte besteht nicht mehr, Hitlers Berghof wurde 1952 gesprengt - nicht jedoch das heutige Hotel. Der 1911 errichtete "Türkenwirt" gehörte einem frühen lokalen Förderer der Nazis, der sich aber später weigerte, seinen Grund zu verkaufen, und enteignet wurde. Mit der Begründung verkaufte der Freistaat das Haus 1949 an die Familie zurück, die bald ein so umstrittenes wie einträgliches Geschäft aus den Bunkerführungen machte. Das Haus ist bis heute in Familienbesitz, Verkaufsverhandlungen mit dem Finanzministerium in den 1960er-Jahren scheiterten an der damaligen Wirtin, die ganz im Gegenteil dem Freistaat lieber noch das Berghof-Areal abgekauft hätte.

Geht es nach dem Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller (CSU), sollte der Freistaat jedenfalls jetzt unbedingt versuchen, das Hotel zu kaufen, um es nicht schlimmstenfalls Rechtsextremisten zu überlassen. "Ich würde es äußerst bedenklich finden, wenn das an private Hände verkauft wird", sagt Freller, dessen Stiftung aber nicht für den Obersalzberg zuständig ist. Die Verantwortung liegt beim Finanzministerium, das kein Vorkaufsrecht für das Hotel hat. Überlegungen für einen Kauf durch das Land oder die Gemeinde Berchtesgaden wurden laut Ministerium "schon nach dem Bekanntwerden erster Verkaufsabsichten 2013 angestellt. Die Eigentümerin war und ist bislang aber nicht bereit, an die öffentliche Hand zu veräußern".

© SZ vom 14.02.2020/amm/wean
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