Am Jenner in BerchtesgadenQR-Code ersetzt das klassische Gipfelbuch

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Für viele Bergsteiger gehört ein Eintrag ins Gipfelbuch wie hier am Rechelkopf bei Bad Tölz einfach dazu.
Für viele Bergsteiger gehört ein Eintrag ins Gipfelbuch wie hier am Rechelkopf bei Bad Tölz einfach dazu. Sabine Dobel/dpa

Die Jennerbahn stellt wegen der vielen Bergsteiger auf digitale Einträge um. Warum die Bergwacht das mit Skepsis betrachtet.

SZ bei Google bevorzugen

Eselsohren, abgegriffene Seiten, manchmal schon vergilbte Schrift: Wer sich in einem Gipfelbuch mit seinen persönlichen Aufstiegserfahrungen verewigt, muss sich der Vergänglichkeit bewusst sein. In Berchtesgaden am Jenner steigt man jetzt um auf digital: Von sofort an können Gipfelbesucher ihre Erlebnisse in einem digitalen Gipfelbuch verewigen.

An zwei markanten Stellen – am Königsblick und auf dem Sockel des Jenner-Gipfelkreuzes – ermöglichen QR-Codes den direkten Zugang zu der entsprechenden Stelle auf der Website der Jennerbahn, wie diese mitteilte. Das herkömmliche Gipfelbuch ist eine Art Gästebuch am Berg, möglichst wetterfest meist in einer Box am Gipfelkreuz verstaut, oft extra gegen die Nässe noch in eine Plastiktüte eingepackt.

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„Aufgrund der hohen Besucherfrequenz ist ein klassisches Papierbuch am Jenner nicht praktikabel“, erläuterte Jennerbahn-Vorstand Thomas Mühlthaler die Entscheidung. „Gleichzeitig wissen wir, dass viele Menschen die Tradition der Gipfelbuch-Einträge sehr schätzen. Mit unserer digitalen Lösung können wir diese beliebte Gepflogenheit in zeitgemäßer Form fortführen.“ Bis zu drei Fotos samt persönlicher Botschaft können hochgeladen werden. „Wir freuen uns auf viele Motive und persönliche Geschichten“, sagte Mühlthaler. „Jeder Besucher kann sein Jenner-Erlebnis mit anderen teilen. Zeitgemäß und wetterbeständig.“

Die Idee ist nicht ganz neu. Beispielsweise am 1493 Meter hohen Feldberg im Schwarzwald gibt es schon lange ein solches Gipfelbuch. 99 Einträge weist es auf, der bisher letzte Eintrag stammt von einem Skitourengeher im März. Am Feldberg ist das digitale Gipfelbuch fast schon eine historische Einrichtung: Die ersten Einträge sind etwa 15 Jahre alt.

Auf bestimmten Internet-Seiten wie auch in den sozialen Medien mischen sich zudem Tourenbeschreibungen mit persönlichen Erlebnisberichten. Mancher wird von Beschreibungen im Netz auch auf Abwege gelockt – die Bergwacht schaut mit Skepsis auf manche Einträge. Gipfelbuch und Tourenbuch – früher das persönliche Büchlein zur Dokumentation bergsteigerischer Erfolge – verschwimmen in der digitalen Welt zunehmend.

Im Internet fehlt eine sehr persönliche Note des althergebrachten Gipfelbuchs. Nostalgiker mögen die handschriftlich mit oft klammen Fingern hingekritzelten Zeilen vermissen, die Cartoons und Zeichnungen von künstlerisch mehr oder minder begabten Wanderern, Danksagungen an den Wettergott, Ausrufe der Begeisterung oder andere emotionale Ausbrüche – wie sie in der Regel im Internet so nicht zu lesen sind.

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