Berchtesgaden Dokuzentrum am Obersalzberg sucht neuen Chef

Die Neugestaltung des Dokuzentrums am Obersalzberg soll 2020 abgeschlossen sein.

(Foto: IfZ/Wunschkind Medienproduktion)
  • Weil so viele Menschen das Museum am Obersalzberg in Berchtesgaden besuchen, wird es derzeit erweitert.
  • Mitten im Umbau verlässt der Leiter der Dokumentation den Obersalzberg. Gesucht wird darum wieder ein Historiker mit Schwerpunkt auf der Geschichte des Nationalsozialismus.
Von Matthias Köpf, Berchtesgaden

Der Obersalzberg war schon zu Zeiten ein Besuchermagnet, als tageweise Tausende Menschen nach Berchtesgaden kamen, um ihrem Führer nahe zu sein. Der Obersalzberg selbst war vom Ferienort zum Führersperrgebiet geworden und als Hitlers zweiter Regierungssitz neben Berlin vor allem ihm und den wichtigsten Figuren seines Machtapparats vorbehalten.

Auch das stellt die "Dokumentation Obersalzberg" dar, die dort 1999 eröffnet wurde. Statt der damals maximal erwarteten 40 000 Besucher zieht die Dokumentation inzwischen 170 000 Menschen im Jahr an, weshalb sie gerade mit großem Aufwand erweitert und die Ausstellungsfläche vervierfacht wird. Mitten in dieser tief greifenden Neugestaltung wird der Leiter der Dokumentation, Axel Drecoll, den Obersalzberg verlassen.

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Der Historiker wird zum 1. Juni Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, wie die Potsdamer Staatskanzlei vor einigen Tagen mitgeteilt hat. Die Stellenausschreibung für seine Nachfolge hat das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ), zu dem die Dokumentation Obersalzberg gehört, schon Mitte Januar veröffentlicht. Gesucht wird wieder ein Historiker mit Schwerpunkt auf der Geschichte des Nationalsozialismus, doch Fähigkeiten als Projektmanager und Erfahrungen mit größeren Bauvorhaben können sicher nicht schaden.

Der Freistaat gibt mindestens 21 Millionen Euro für den Erweiterungsbau und für einen neuen Zugang zum unterirdischen Bunkersystem aus. Ursprünglich waren neun, dann 14 Millionen vorgesehen. Wegen dieser Steigerung hat der Haushaltsausschuss des Landtags die Pläne nach längerem Hin und Her erst 2017 genehmigt. Seit dem Spatenstich im Oktober haben die Arbeiter die Nische aus dem Hang gesprengt und gegraben, in die sich der Erweiterungsbau schmiegen soll. Der sonst öffentlich zugängliche Teil des mehr als sechs Kilometer langen Tunnelsystems ist bis Mitte des Jahres geschlossen.

Es falle ihm besonders schwer, den Obersalzberg gerade jetzt zu verlassen, sagt Axel Drecoll, der die Dokumentation seit 2009 geleitet und sich in der Region und darüber hinaus einige Anerkennung erworben hat. Allerdings ergibt sich für den 43-Jährigen gerade jetzt die Chance auf einen Wechsel vom Abteilungsleiter im IfZ zum Direktor in Brandenburg. Zugleich sei der Zeitpunkt des Wechsels auch für seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin nicht ungünstig. Die Konzeption der neuen Ausstellung sei praktisch fertig, die Exponate seien ausgewählt. Daran hatte Drecoll mit drei Kollegen gearbeitet. Eine von ihnen, die Historikerin Sylvia Necker, hat den Obersalzberg nach vier Jahren ebenfalls gerade verlassen und eine Stelle an der Universität Nottingham angetreten. Auch Necker habe sich die Entscheidung ganz sicher nicht leicht gemacht, sagt Drecoll.

Spielraum für eigene Akzente

Nach der konzeptionellen Arbeit müssten jetzt jedenfalls die Texte geschrieben werden und die Gestalter ins Detail gehen. Die Weichen seien gestellt, doch zugleich gebe es für den zukünftigen Leiter noch sehr viel mehr Spielraum für eigene Akzente als nach Abschluss der Neugestaltung.

Die neue Ausstellung soll erst 2020 eröffnet werden und den Ort weiter entmystifizieren, an dem sich Hitler als volksnaher Privatmann vor Heimatkulisse und erhabener Bergwelt inszeniert hat. Das rund 1000 Meter höher am Kehlstein gelegene Teehaus stand auch als Symbol für das Bezwingen der Natur durch Macht und Willen. Die Ausstellungsmacher wollen - technisch und didaktisch auf dem neuesten Stand - solche Propaganda, die Machtmechanismen, den diktatorischen Terror und die Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten auch anhand des damaligen Alltagslebens in und um Berchtesgaden aufzeigen. Sie haben die Menschen erfolgreich darum gebeten, private Exponate zur Verfügung zu stellen, die sich in Kellern und auf Dachböden gefunden haben.

Zugleich soll der Obersalzberg als der Ort sichtbar werden, von dem aus Hitler über lange Phasen regiert hat und wo unter anderem der Überfall auf Polen, der mörderische Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und die Ermordung der Juden in Ungarn und der Ukraine genau geplant wurden. Vom "Täterort" Obersalzberg soll sich der Blick auf die Tatorte und die Opfer richten.

Ein Exponat eigener Art ist das Bunkersystem, das ab 1943 als unterirdischer Regierungssitz in den Berg gehauen wurde. Ein kleiner Abschnitt ist Teil der Dokumentation. Ein neuer Zugang soll einen Rundweg ermöglichen, was einen großen Teil der Baukosten ausmacht. Die Tunnel üben laut Befragungen eine große Faszination auf viele Gäste aus. Einen - womöglich wohligen - Gruseleffekt will die Dokumentation aber verhindern. Dem Publikum, das so etwas sucht und manchmal von den Nazis auch deutlich zu fasziniert scheint, bietet seit langem eine private Pension Zugang zu einem Tunnel.

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