Tankstelle in Gößweinstein„Täglich rauf und runter gibt es hier überhaupt nicht“

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Herbert Brendel bringt an seiner Tankstelle mit zwei Zapfsäulen, vier Zapfpistolen und vier Sorten Kraftstoff die neuen Preise mit Schrauben an.
Herbert Brendel bringt an seiner Tankstelle mit zwei Zapfsäulen, vier Zapfpistolen und vier Sorten Kraftstoff die neuen Preise mit Schrauben an. Foto: Daniel Löb/dpa

In Gößweinstein steht eine der ältesten Tankstellen der Republik – ihr Besitzer ändert die Preise nur, wenn er eine neue Kraftstoff-Lieferung bekommt, Iran-Krieg hin oder her.

Von Quentin Pehlke

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SZ: Herr Brendel, wie lange betreiben Sie ihre Tankstelle schon?

Herbert Brendel: Also ich persönlich habe sie von meinem Vater 1983 übernommen, mit dem ganzen Kfz-Betrieb.

Sie sind ja jetzt eine kleine Berühmtheit geworden, weil Sie ihre Preise nicht mehrmals täglich ändern, sondern nur mit der neuen Lieferung. Können Sie mal ausführen, wie Sie ihre Preise bestimmen?

Es ist schon immer so gewesen: Wir bekommen eine Lieferung, die bekomme ich von meinem Lieferanten. Von denen kaufe ich seit 25 Jahren den Kraftstoff. Da bekomme ich meinen Einkaufspreis. Dann schaue ich mir die marktüblichen Preise an und mache meinen kleinen Aufschlag. Und so habe ich meine Preiskalkulation fertig. Und das wird dann so lange beibehalten, bis diese Lieferung verkauft ist. Wenn die nächste Lieferung kommt, erfahre ich wieder meinen neuen Preis. Bleibt er so, bleibt auch mein Preis so, ändert er sich nach unten oder nach oben, passe ich meinen Preis an. Wenn es ein Cent oder so Unterschied im Einkauf ist, dann ändere ich überhaupt keinen Preis, dann lasse ich ihn einfach so stehen. Und da passiert es manchmal, dass wir vier Wochen den gleichen Preis haben. Oder es passiert natürlich auch, wenn wir im Sommer viel verkaufen, dass wir wöchentlich eine Preisänderung haben. Aber täglich rauf und runter gibt es hier überhaupt nicht.

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Haben Sie viel Stammkundschaft?

Ja, meistens haben wir Stammkundschaft. Gerade im Sommer, hier in der Fränkischen Schweiz, kommen viele Urlaubsgäste dazu. Rundherum sind Campingplätze, viele tanken dann bei uns oder kaufen im Ort ein und nehmen das Tanken gleich mit. Ansonsten haben wir vor allem einheimische Kundschaft – Firmen, Busunternehmen, die bei uns auf Monatsrechnung tanken und am Ende des Monats abrechnen. Da kommt schon ein gewisser Umsatz zusammen.

Kommen die Leute von weit her, um bei Ihnen zu tanken?

Na ja, das haben wir eigentlich schon seit Jahren so. Vor vielen Jahren lief mal ein Beitrag über uns bei „Auto Motor und Sport“ im Fernsehen. Dadurch kommen Oldtimer-Clubs aus ganz Deutschland vorbei, machen Fotos oder legen hier einen Stopp ein. Teilweise kommen Motorradgruppen mit 30, 40 Maschinen, oder auch so Oldtimer-Rallyes mit bis zu 150 Fahrzeugen.

Während anderswo die Zahlen rauf und runter springen, bleibt hier alles konstant, bis eine neue Kraftstoff-Lieferung kommt.
Während anderswo die Zahlen rauf und runter springen, bleibt hier alles konstant, bis eine neue Kraftstoff-Lieferung kommt. Foto: Daniel Löb/dpa

Gab es jetzt in letzter Zeit längere Schlangen, durch den größeren Medienandrang oder die niedrigeren Preise?

Schlangen in dem Sinn nicht. Es gibt schon ständig welche, auch abends, wenn schon zu ist, dass dann irgendwelche Oldtimer kommen und Fotos machen, das schon. Aber das ist jetzt nicht so, dass hier ganze Wallfahrten anstehen.

Sie könnten vermutlich mehr Geld verdienen, wenn Sie die Preise permanent anpassen. Warum machen Sie es trotzdem nicht?

Da muss ich ehrlich sagen: Das ärgert mich auch, wenn der ADAC sagt, die Tankstellen hätten die Preise nicht schlagartig gesenkt. Das können vielleicht die großen Konzerne machen, aber freie Tankstellen oder freie Kraftstoffhändler können das eben nicht. Wir haben die teure Ware eingekauft, die ist dann im Tank drin und muss erstmal verkauft werden. Erst mit der nächsten Lieferung kann man reagieren. So war’s ja dann letzte Woche auch: Da haben wir neue Ware bekommen und erst dann konnte der Preisrabatt greifen. Da konnten wir die Preise natürlich auch weitergeben. Der Diesel ist da auf einen Schlag 18 Cent billiger geworden.

Brendels Tankstelle wird 100 Jahre alt.
Brendels Tankstelle wird 100 Jahre alt. Foto: Daniel Löb/dpa

Sie haben nach Beginn des Iran-Krieges ihre Preise erstmal nicht verändert.  Wieso nicht?

Ja, weil die Lieferung noch nicht ausverkauft war. Und nur weil da ein Krieg begonnen hat, muss ich den Preis nicht ändern. Mein Einkaufspreis stand fest.

Was ist passiert, als Sie die Preise nach Ausbruch des Iran-Krieges gehalten haben?

In eineinhalb Tagen waren mehrere Sorten leer. Aber beim Ukraine-Krieg zum Beispiel war es so, dass die Preise plötzlich runtergingen, weil es sich wieder normalisiert hat. Dann habe ich in vier Wochen 1400 Euro verloren, weil ich wieder preisgerecht verkaufen musste, hatte aber halt die teure Ware.

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