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Tourismus:Ein "Gamspark" soll die Sommergäste anziehen

Ausblick vom Sudelfeld zum Wendelstein mit Speichersee Mangfallgebirge Voralpen Oberbayern Bayern

Der Bau des Speichersees am Sudelfeld war hoch umstritten.

(Foto: Raimund Kutter/Imago)

Am Sudelfeld sollen zum Beispiel Kletterrouten, ein 1000 Quadratmeter großer Spielplatz und eine neue Seilbahn entstehen. So soll ein Teil des Gebietes auch autofrei werden.

Den Ansturm der Ausflügler, wie er etwa in den vergangenen Tagen wieder über einige besonders beliebte Ziele im bayerischen Alpenraum hereingebrochen ist, sind sie ja gewohnt in Bayrischzell. Der vergangene Sonntag zum Beispiel sei nach all den wochenlangen, pandemiebedingten Einschränkungen wieder so ein Extremtag gewesen, sagt Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU): die Parkplätze überfüllt, Einfahrten und Rettungswege blockiert, Wiesen vollgeparkt. Auch droben am Sudelfeld war einiges los. "Da geht's ja im Sommer zu zum Teil, dass du dich fürchtest", klagt Kittenrainer. Er will deswegen gar nicht davon reden, dass das Projekt im Sommer noch mehr Gäste auf das Sudelfeld locken soll. Man wolle die vielen Menschen besser lenken und das obere Sudelfeld endlich autofrei machen. Aber natürlich gehe es schon auch ums Geld, wenn die Gemeinde am Sudelfeld für den Sommer einen "Gamspark" einrichten wolle - mit einem 1000 Quadratmeter großen Spielplatz, Biketrail, neuen Wanderwegen, Kletterrouten, Mountaincart-Strecke, alles erschlossen von einer neuen Seilbahn aus dem Tal hinauf zur Waller- und zur Speckalm.

Alle diese Elemente sind Teile eines ersten Entwurfs, den die Gemeinde in der Aussicht auf große Zuschüsse bei der Alpenregion Tegernsee Schliersee bestellt hat, einem gemeinsamen Kommunalunternehmen im Landkreis Miesbach. Die Bayrischzeller Gemeinderäte haben den Auftrag inzwischen verlängert, nun soll es um die genauen Kosten der einzelnen Komponenten gehen. Fest stehe das alles nämlich noch nicht, so wie auch der Name "Gamspark" erst einmal nur ein Arbeitstitel sei, betont Bürgermeister Kittenrainer. Und auch wenn die Vorbilder für den Gamspark unverkennbar sind, mit denen die Touristiker drüben in Tirol ihre Nutzberge mitsamt der vielen Lifte und Seilbahnen auch im Sommer besser auslasten wollen: Man wolle am Sudelfeld nicht irgendwas inszenieren und "kein Alpenremmidemmi" veranstalten, bekräftigt Kittenrainer. Aber eine Sommerattraktion samt Seilbahnbetrieb vom Ort aus täte dem Tourismus in der Gemeinde nach Ansicht des Bürgermeisters schon sehr gut.

Die Pläne stehen und fallen allerdings genau mit dieser neuen Seilbahn, und für die gebe es im Moment leider noch keine Lösung, bedauert Kittenrainer. Da seien wohl noch einige Gespräche mit betroffenen Grundeigentümern notwendig. Denn vom Ort aus kann zwar der Schwebelift, eine alte Einersesselbahn von recht nostalgischem Charme, einzelne Gäste auf das mittlere Sudelfeld bringen. An seiner Talstation ist aber bei Weitem nicht genügend Raum für die vielen Parkplätze, die es für eine neue Seilbahn brauchen wird. Also muss eine andere Talstation mit viel mehr Platz zum Parken her - und damit zwangsläufig eine neue Trasse auf den Berg. Die soll dann statt zum mittleren gleich zum oberen Sudelfeld hinaufführen. Beide sind bisher von der Passstraße aus mit den Auto erreichbar und über eine viel befahrene Teerstraße miteinander verbunden, die dann nur noch den Hüttenwirten und ansonsten als Abfahrt für motorlose Mountaincarts dienen soll. Auch die anderen Attraktionen sollen möglichst im Umfeld der vorhandenen Infrastruktur entstehen.

Mit solchen Überlegungen könnte sich womöglich auch der Deutsche Alpenverein anfreunden. Dessen Umweltexperte Manfred Scheuermann zeigt sich zurückhaltend, denn er kennt die Pläne bisher nur vom Hörensagen. Ganz grundsätzlich haben "Freizeitparks im Gebirge aus unserer Sicht nichts verloren", sagt Scheuermann. Aber am Sudelfeld gebe es nun einmal schon viel Infrastruktur vom Skibetrieb, einschließlich des 2014 angelegten Speicherteichs für die Schneekanonen, den der DAV heftig bekämpft hat, aber nicht verhindern konnte. Manche Lifte auch im Sommer in Betrieb zu nehmen, schade der Natur dann auch nicht mehr groß - und den Autoverkehr vom Sudelfeld zu verbannen "wäre ja schon mal ein Gewinn für die Umwelt", sagt Scheuermann. Ganz genau und sehr kritisch hinschauen werde man aber bei der neuen Seilbahn - wegen der Trasse und wegen des Flächenverbrauchs im Tal.

Der bereitet auch Kittenrainer mehr Sorgen als die nötige Investition von einigen Millionen Euro für die Bergbahnen Sudelfeld GmbH, die der Gemeinde, einem Tiroler Investor und einigen früher eigenständigen Liftbetreibern gehört. Die GmbH hat schwierige Winter hinter sich. So hielt Anfang 2019 die Schneekatastrophe viele Skifahrer fern, dafür fehlte der Schnee in der vergangenen Saison. Mit der Frage, wie sich das Sudelfeld künftig im Sommer präsentieren wird, soll sich der Gemeinderat frühestens im September wieder befassen.

© SZ vom 23.05.2020/syn
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