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Bayrischzell:Seit Tagen brennt der Bergwald

Es regnet einfach nicht: Oberhalb von Bayrischzell stehen etwa 2000 Quadratmeter Gebirgswald in Flammen. Die Hoffnung der Feuerwehrmänner richtet sich auf zwei Löschhubschrauber. Denn an einen so hartnäckigen Waldbrand kann sich keiner erinnern.

Das Gras an den Hängen ist trocken wie Stroh, bei jedem Fußtritt auf den Waldwegen steigt Staub auf. Die Feuerwehrmänner nahe der Klarer Alm wissen, dass sie höllisch aufpassen müssen. In Zweiertrupps mit Rückenspritzen, Äxten oder kleinen Motorsägen steigen sie in die unwegsamen Südhänge, um das tückische Feuer zu bändigen. Etwa 2000 Quadratmeter Gebirgswald stehen oberhalb der Gemeinde Bayrischzell seit Tagen in Flammen. Immer wieder heizen teils böige Föhnwinde das Feuer an. "Der Hang ist ausgedörrt, das Gras brennt wie Zunder. In Nullkommanix stehen wieder 500 Quadratmeter in Flammen", sagt Michael Röhrl, Kreisbrandrat in Miesbach. An einen so hartnäckigen Waldbrand Mitte November kann sich der erfahrene Feuerwehrmann nicht erinnern. "Der heurige Herbst ist ein Phänomen. Wir haben in den Nächten hier oben nicht einmal Tau." Ein Tag Regen würde ausreichen, um den Brand schnell zu beenden. "Aber da besteht ja keine Aussicht drauf momentan." In den vergangenen sechs bis sieben Wochen habe es in der Region nur einmal richtig geregnet. Die Hoffnung der Feuerwehrmänner richtet sich nun auf zwei große Hubschrauber, die am Donnerstag nun endgültig den zähen Brand mit 900-Litertanks löschen sollen. Wenn sie denn wegen des Nebels im Flachland überhaupt starten können. "Heute haben wir nur einen bekommen", sagt Kreisbrandrat Röhrl. Wenn beide Hubschrauber schon am Morgen da seien, "dann schaffen wir es." Lange Schönwetterperioden im Herbst seien an sich nichts Ungewöhnliches, sagt Christian Freuer, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in München. Die hohen Temperaturen und die extreme Trockenheit seien vor allem am Alpenrand zu verzeichnen, wo der Föhn die Wolken vertreibt. Am vergangenen Wochenende erreichten die Temperaturen in den Bergen 23 Grad. Auch wenn Rekorde im Leben eines Meteorologen nicht so selten vorkommen, so eine lange Schönwetter- und Wärmeperiode bis weit in den November hinein "ereignet sich nicht jedes Jahr", sagt Freuer. Die Gefahrenkarten für Waldbrände, die der DWD veröffentlicht, sind im November jedenfalls keine Hilfe. "Zur Zeit sind keine aktuellen Daten vorhanden! Bitte beachten sie die Laufzeit des Produkts: März bis Oktober", heißt es auf der Internetseite. Darunter steht dann noch der Hinweis, dass der Zeitraum manchmal auch überschritten wird. Die Regierung von Oberbayern veröffentlichte in diesen Tagen eine Warnung vor "akuter Waldbrandgefahr". Das Hochdruckwetter sorgt auch in der Natur für Irritationen. Bei Temperaturen um 20 Grad haben Apfelbäume am Bodensee wieder zu blühen begonnen. "Das kommt immer mal wieder vor ", sagte Helmut Jäger, Vorsitzender der Obstregion Bodensee. Solange es sich nur um einzelne Blüten handelt und die Bäume nicht im großen Stil zu blühen beginnen, bereitet dies den Obstbauern aber keine Sorgen. Auch die Kollegen, die Getreide anbauen, müssen wegen der Trockenheit noch keine Angst haben. "Die Feuchtigkeit im Boden hat zum Keimen gereicht", gibt Peter Doleschel, Pflanzenbau-Experte an der Landesanstalt für Landwirtschaft, Entwarnung für die Herbstaussaat. Zugvögel und Bergwanderer genießen den außergewöhnlich schönen November. "Für Vögel, die hier überwintern, ist richtiger Frost natürlich anstrengender als sonniges, warmes Wetter. Das hilft ihnen, Energie zu sparen", sagte Thomas Rödl vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Im Unterschied zu den Langstreckenfliegern, die bereits seit einigen Wochen weg sind, reagieren zum Beispiel Stare flexibel auf das Wetter. Viele hätten aufgrund der Wärme ihre Reise nach Südeuropa noch nicht angetreten. "Die fliegen erst über die Alpen, wenn es bei uns kalt wird", sagt Rödl. Auch die Bergfreunde nutzen die ungewöhnlichen Temperaturen. "Man kann heuer Wanderungen unternehmen, die man normalerweise um diese Jahreszeit nie gehen kann", sagt Tom Griesbeck, Sprecher der Bergwacht Bayern. Er steht aus dienstlichen Gründen am späten Mittwochnachmittag gerade auf dem Hohen Grünten im Allgäu in 1738 Metern Höhe. "Hier kommen gerade Wanderer im T-Shirt an", sagt er, dreht sich um die eigene Achse und blickt auf braune oder felsige Gipfel. "Ich sehe keinen einzigen Flecken Schnee in Bayern."

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Die Hoffnung der Feuerwehrleute in Bayrischzell ruht auf zwei Löschhubschraubern. Es stehen etwa 2000 Quadratmeter Bergwald in Brand.

(Foto: dapd)