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Forschung und Lehre:Die Uni Bayreuth will klimaneutral werden

Fachbereich Biologie, ÖBG, Freifläche

Der Tierökologe Christian Laforsch (2. von rechts), Vizepräsident Forschung an der Universität Bayreuth, mit Doktoranden bei der Untersuchung der Wasserqualität eines Teichs. Die Forschung zu Umweltthemen zu intensivieren, ist ein wichtiges Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie der Uni.

(Foto: Lili Nahapetian/UBT/oh)

Man hat eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet und will von 2025 an auf fossile Brennstoffe verzichten. Schon in den kommenden Monaten soll viel passieren.

Von Anton Kästner, Bayreuth

Es ist ein ehrgeiziges Ziel, dass sie auf dem Bayreuther Campus verfolgen: So schnell wie möglich soll die Universität klimaneutral werden. Dafür hat der Hochschulrat am vergangenen Donnerstag eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet. Auch wenn studentische Initiativen wie "Students for Future" schon seit Jahren mehr Klimabewusstsein auch an den Hochschulen einfordern, ist Bayreuth damit erst die zweite Universität in Bayern, die dafür jetzt eine Strategie vorlegt. Diese wurde in verschiedenen Arbeitsgruppen über das vergangene Jahr hinweg erarbeitet. Dem 30 Seiten starken Konzept hatte der Bayreuther Hochschulsenat vor wenigen Wochen zugestimmt.

Noch bis zum Jahresende soll viel passieren, personell aufgestockt werden und ein Uni-interner Nachhaltigkeitsfonds eingerichtet werden. Mit dem Geld wollen die Bayreuther etwa Insektennisthilfen aufstellen, um die biologische Vielfalt auf dem Campus zu fördern, und die Campus-Fahrzeuge sukzessive auf umweltfreundliche Antriebe umstellen, sagt Pressesprecherin Anja-Maria Meister. Verwaltungsunterlagen sollen weitgehend digitalisiert werden, also Einladungen beispielsweise nicht mehr ausgedruckt per Post verschickt werden. Besprechungen wolle man in Zukunft so weit wie möglich virtuell abhalten. Außerdem werde bereits zum Sommersemester dieses Jahres das "Zusatzstudium Nachhaltigkeit" eingeführt.

Großes Zwischenziel ist es bei all dem, als Universität bis 2025 komplett auf fossile Brennstoffe verzichten zu können. Bis 2023 soll es dafür ein Umweltmanagementsystem geben, das dabei helfen soll, weniger Ressourcen zu verbrauchen und auch die Herkunft von Produkten im Blick zu behalten. Dafür orientiert man sich in Bayreuth am europäischen Umweltmanagementsystem EMAS, einem freiwilligen Instrument der Europäischen Union. Dieses soll dabei helfen, "Ressourcen intelligent einzusparen", wie es auf der EMAS-Website heißt.

Um die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie transparent zu halten, werde man jedes Jahr ein "Update Nachhaltigkeit" veröffentlichen, teilt die Bayreuther Unisprecherin außerdem mit. Alle sechs Jahre werde der Vizepräsident für Nachhaltigkeit die Strategie überprüfen und aktualisieren. Nachhaltigkeit sei in den Zielvereinbarungen der Uni mit dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst bis jetzt nicht aufgetaucht, solle aber Teil der neuen Zielvereinbarungen ab 2022 werden. Sollte die Uni Bayreuth dann ihre darin gesteckten Nachhaltigkeitsziele nicht erreichen, müsste sie im schlimmsten Fall Geld an den Freistaat zurückzahlen.

In drei Tagen pflanzte die Uni Bayreuth auf einer geschädigten Waldfläche mehr als 4500 Bäume.

(Foto: Ahram Chae)

Eine Schlüsselrolle in der Ausarbeitung der Strategie hatte das Nachhaltigkeitsbüro der Universität Bayreuth, "Green Campus". Zwischen Studierenden, Forschenden, Lehrenden und Verwaltung hätten sie "die Fäden zusammengehalten", sagt Anna Krombacher, eine der zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen von "Green Campus". Besonders begeistert Krombacher, "dass man so einen partizipativen Prozess auch universitätsweit hinbekommen hat". Gerade im vergangenen Jahr war das aufgrund von Corona keine leichte Aufgabe. Die Unis und Hochschulen in Bayern waren fast komplett im Digitalbetrieb, die meisten Arbeitsgruppentreffen fanden über Zoom statt, und alle Interessensgruppen der Uni hätten an den gemeinsamen Dokumenten mitgeschrieben, aus denen die Nachhaltigkeitsstrategie schließlich entstanden ist.

Die Katholische Universität in Eichstätt war 2010 die erste Hochschule in Bayern, die eine Nachhaltigkeitsstrategie vorlegte. Die drei Handlungsfelder Campusmanagement, Forschung und Lehre umfasste das damalige Konzept, sagt die Eichstätter Nachhaltigkeitsbeauftragte Anne-Kathrin Lindau. Drei weitere Felder kamen im vergangenen Jahr dazu: Governance, Transfer und studentische Initiativen.

Auch in Eichstätt hat die Hochschule für das Ziel von mehr Nachhaltigkeit personell aufgestockt, hat eine Nachhaltigkeitsbeauftragte plus Mitarbeiterin etabliert, außerdem eine halbe Stelle für nachhaltiges Campusmanagement. Und seit 2010 ist schon einiges passiert: Stromverbrauch und CO₂-Emissionen wurden gesenkt, seit 2012 wird Ökostrom genutzt und es gibt laufend Fortbildungen zum Thema Nachhaltigkeit für Lehrkräfte. Für die Studierenden gibt es außerdem eine interdisziplinäre Ringvorlesung, die für manche Studiengänge auch verpflichtend ist, und seit 2019 bietet die Hochschule das "Zertifikat Nachhaltige Entwicklung" an.

Ein Nachhaltigkeitsprojekt der Uni Bayreuth bestand darin, ein Mehrwegsystem für Kaffee- und Getränkebecher einzuführen.

(Foto: Anja-Maria Meister/oh)

Über ihre Fortschritte legt die Universität Eichstätt jedes Jahr einen umfassenden Bericht vor und auch extern wird überprüft, ob die Hochschule die jährlichen Ziele des Nachhaltigkeitsprogrammes erreicht hat. 2019 wurde außerdem extern evaluiert, wie weit die Uni bereits bei der Umsetzung des ersten Gesamtkonzepts von 2010 ist. Damals war die Geografin Ingrid Hemmer die erste Nachhaltigkeitsbeauftragte auf dem Eichstätter Campus, sie blieb es bis zum vergangenen Jahr. Hemmer hatte die Vision, "dass die Studierenden die KU nicht verlassen, ohne über die Kompetenz zu verfügen, sich für eine nachhaltige Entwicklung einzusetzen".

Ob die Konzepte aus Eichstätt und Bayreuth zu Vorbildern werden können, muss sich noch zeigen. Schon jetzt gebe es aber "regen Austausch" zwischen den Initiativen und Nachhaltigkeitsbüros der bayerischen Hochschulen, sagt Anna Krombacher optimistisch: "Da wird bestimmt noch einiges passieren in Zukunft."

© SZ vom 01.02.2021/vewo
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