Der Trip des Jahres„Wow, the Festspielhouse“ oder: auf nach Beireid!

Lesezeit: 2 Min.

Eine Reise nach Bayreuth ist lustig, eine Reise nach Bayreuth ist schön – wenn man allerlei beachtet. 
Eine Reise nach Bayreuth ist lustig, eine Reise nach Bayreuth ist schön – wenn man allerlei beachtet.  (Foto: Nicolas Armer/dpa)

Vier Kardinalfehler, die Sie auf gar keinen Fall machen sollten – wenn Sie einer Empfehlung der „New York Times“ folgen und nach Bayreuth aufbrechen.

Glosse von Olaf Przybilla

Es dürfte nur alle Jubeljahre vorkommen, dass die New York Times ihrer Leserschaft eine Reise in eine Mittelstadt in Ostoberfranken ans Herz legt. Und wenn es also doch passiert („52  Places to Go“), dann sollte das angemessen gewürdigt und selbstredend befolgt werden. Hören Sie also auf die New Yorker, die müssen es schließlich wissen – und besuchen Sie in diesem Jahr: Bayreuth.

Oder um es im ortsüblichen Idiom zu sagen: Beireid, Bareid oder Bayrud. (Letzteres mit leicht selbstironischem Zungenschlag). Was gleich zum ersten Kardinalfehler führt. Sollten Sie bei Ihrem Trip nicht in Franken, sondern in Libanon ankommen, so bewahren Sie bitte Ruhe und trösten Sie sie sich damit, dass es diversen Postsendungen nach glaubhafter Versicherung auch schon so ergangen ist.

Und doch: Auch Beirut soll seine Reize haben. Nur weniger Wagner. Was ja nicht alle schlecht finden müssen notwendigerweise.

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Zweiter Kardinalfehler. Sollten Sie – gerne mit weltläufigem Schlenker über den Mittleren Osten – am Ende glücklich in Beireid angekommen sein, so bleiben Sie bitte nach dem Bahnhof nicht am erstbesten Opernhaus stehen und schluchzen: „Wow, the Festspielhouse“.

Ja doch, irgendwie hat das Markgräfliche Opernhaus, Weltkulturerbe übrigens, auch was mit Wagner zu tun: Ohne dieses Haus hätte der sich von seinen persönlichen Reise-Empfehlern womöglich woanders hinschicken lassen, um seinen Traum von großer Oper verwirklicht zu wissen. Aber nein, um ganz sicher zu sein, vor the real Wagner one zu stehen, sollten Sie zuvor einen Hügel erklommen haben. Dort oben dürfen Sie dann Ihre persönlichen Hörerlebnisse mit Richard kundtun.

Bitte vormerken also: Diese 75 000-Einwohner-Stadt am Rand des Fichtelgebirges hat, Achtung, zwei Opernhäuser.

Vorsicht! Das hier ist nicht das Festspielhaus! 
Vorsicht! Das hier ist nicht das Festspielhaus!  (Foto: Nicolas Armer/dpa)

Apropos Bahnhof, dritter Kardinalfehler: Verlassen Sie sich bei Ihrem Trip nach Bayreuth niemals auf die Deutsche Bahn. Die Verkehrsverbindung von Übersee nach Frankfurt ist top, man ist dann auch rasch in Nürnberg. Von dort aus sind es zwar keine hundert Kilometer mehr an den Ort Ihrer Sehnsucht.

Sollten Sie diese aber ernsthaft mit dem Zug zurücklegen wollen – so sind Sie entweder ein hoffnungslos romantischer Freund von Fortbewegungsmitteln aus dem frühindustriellen Zeitalter. Oder Sie wollen, Sie Schlingel, beim Schienenersatzverkehr-Umstieg in lovely Pegnitz eines der dort unbedingt empfehlenswerten Worschdbrödla in der Metzgerei Schiller (gleich an der Bahnhofstraße) kosten.

Apropos Wurst, letzter Kardinalfehler. Klar, es soll immer wieder ganz Kluge geben, die sich in der Fußgängerzone von Bayreuth beömmeln darüber, dass dort eine „Coburger“ Bratwurst angeboten wird – neben der einheimischen. Greifen Sie trotzdem zur Coburger (auch wenn Sie ganz sicher sind, nun definitiv in Bayreuth zu sein). Danach haben Sie dazu keine Fragen mehr.

And now: come and see. Und sollte doch etwas ganz grundsätzlich schiefgehen – über Makanek, diese würzigen libanesischen Würstchen, hört man viel Gutes.

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