Hätten Sie Interesse, Kulturchef einer in der Welt der schönen Künste global beachteten Kommune zu werden? Keine Sorge, Sie müssten dazu nicht in einen Moloch umziehen, Ihre neue Heimatstadt hätte keine 75 000 Einwohner. Die Wohnsituation ist – verglichen mit kulturell vergleichbar relevanten Orten – geradezu unfassbar komfortabel, daran wird es definitiv nicht scheitern. Und sollten Sie nicht umgehend etwas finden in Ihrer neuen Stadt: Die Fränkische Schweiz ist gleich um die Ecke. Dort finden, während der Festspiele, auch weltberühmte Künstler eine Bleibe. Und sind begeistert.
Es geht um Bayreuth, genau. Was erwartet wird? Geht man die Liste der in den vergangenen Jahren irgendwie vergraulten, verstörten, verschollen gegangenen Kulturreferenten von Bayreuth durch, so sind die Erwartungen an Ihre Fertigkeiten keinesfalls utopischer Art. Ein Hochschulstudium wäre natürlich toll, irgendwas mit Geisteswissenschaften jedenfalls nicht eklatant hinderlich und richtig klasse wäre es, falls Sie schon mal was von einem R. Wagner gehört hätten.
Kleiner Tipp noch: In Bewerbungsgesprächen bitte nicht das Markgräfliche Opernhaus mit dem Festspielhaus verwechseln. Richtig, zwei weltberühmte Häuser für Musiktheater in einer derart überschaubaren Stadt – das kann eigentlich gar nicht sein. Ist aber halt so. Also gerne vorher einen Stadtplan konsultieren.
Warum die da ständig auf der Suche nach neuen Kulturchefs (m/w/d) sind, ausgerechnet in einer Welterbe- und Festspielstadt? Muss Sie doch gar nicht interessieren. Sie sind anders als Ihre Vorgänger. Sie wollen das. Sie können das. Sie werden das.
Archivlektüre? Das lassen Sie mal bitte schön. Ja doch, es hat da diesen Fall gegeben, dass einer der neuen Kulturchefs bereits nach ein paar Wochen geflüchtet ist aus lovely Bayreuth.
Der vorletzte Kulturchef wiederum hat der Süddeutschen Zeitung im Dezember 2023 auf die Frage nach seinem Nervenkostüm in einem autorisierten Wortlautinterview geantwortet: „Noch sind wir weit davon entfernt, dass mein Nervenkostüm irgendwie gefährdet wäre. Da können wir aber in drei, vier Jahren nochmals reden. Vielleicht besuchen Sie mich dann in einer Heilanstalt.“
Gut, keine drei Jahre danach könnte man mit dem Mann zwar reden. Und das nicht in einer Heilanstalt. Dafür aber in Würzburg, wo es keine weltberühmten Opernhäuser gibt – sich Benedikt Stegmayer als Kulturreferent aber offenbar deutlich besser aufgehoben fühlt.
Er ist getürmt, Pardon: hat sich beruflich umorientiert.
Seine Nachfolgerin in Bayreuth? Gibt es schon nicht mehr. Der Grund? „Gegenseitiges Einvernehmen“, schon klar. Muss man nicht wissen. Will man womöglich auch gar nicht.
Egal jetzt. Sie sind der Typ für die Challenge – und für Initiativbewerbungen! An wen? Am besten an den seit ein paar Monaten amtierenden Oberbürgermeister, Andreas Zippel. Der ist nicht nur Chef der Verwaltung. Er sah sich kürzlich auch veranlasst, sich noch zusätzlich das Amt des Kulturreferenten von Bayreuth aufzuhalsen.
Interimistisch, wie man so sagt. Aber das waren seine Vorgänger, ohne es selbst so zu wissen, im Grunde ja auch.



