Gesangswettbewerb in BayreuthWo heute die Wagner-Stimmen von morgen zu hören sind

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Sie war eine der größten Wagner-Stimmen des 20. Jahrhunderts: Die schwedische Sopranistin Birgit Nilsson probt hier mit Dirigent Sergiu Celibidache. Das war 1967, wer sind die großen Wagner-Interpreten der Zukunft?
Sie war eine der größten Wagner-Stimmen des 20. Jahrhunderts: Die schwedische Sopranistin Birgit Nilsson probt hier mit Dirigent Sergiu Celibidache. Das war 1967, wer sind die großen Wagner-Interpreten der Zukunft?
Imago/Leif Engberg/DN/ TT

Wer wird der Tristan der Zukunft, steht irgendwo eine zweite Birgit Nilsson in den Startlöchern? In Bayreuth findet das Finale im Internationalen Gesangswettbewerb für Wagner-Stimmen statt. Vor Publikum.

Von Jutta Czeguhn

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Große Wagner-Stimmen sind in diesen Wochen wieder in Bayreuth zu hören: Bei den Jubiläumsfestspielen singen unter anderem Veteranen auf dem Grünen Hügel wie Catherine Foster, Andreas Schager, Klaus Florian Vogt, Michael Volle oder Georg Zeppenfeld. Aber auch eine Generation jüngerer Sängerinnen und Sänger ist dabei: Asmik Grigorian wird nach ihrem Bayreuth-Debüt 2021 wieder als Senta im „Fliegenden Holländer“ zu erleben sein, an ihrer Seite in der Titelrolle Nicholas Brownlee, Münchens gefeierter Wotan.

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Zum ersten Mal betrat Brownlee die Bayreuther Bühne 2024 als Donner im „Rheingold“, 2025  hat er im Festspielhaus die Partie des Hans Sachs in den „Meistersingern“ übernommen. Mit 37 Jahren gehört der Amerikaner gerade noch zu den „Bayreuth-Babys“. Einer der Jüngsten im Sängerfeld ist heuer der erst 30-jährige Bassbariton Alexander Grassauer (Donner im „Rheingold“). Der Österreicher ist ein Riesentalent mit exzellenter Ausbildung, nicht erst seit seinem Gewinn des prestigeträchtigen Birgit-Nilsson-Preises 2025 haben ihn die Besetzungsbüros wichtiger Häuser auf dem Schirm.

Dorthin, wo Brownlee, Grassauer und Co. heute stehen, möchten auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Internationalen Gesangswettbewerbs für Wagner-Stimmen. Organisiert vom internationalen Richard-Wagner-Verband, wurde er erstmals 1994 in Straßburg ausgetragen und fand seither im dreijährigen Turnus statt. Zuletzt 2018, dann war pandemiebedingt erst mal lange Pause. Nun, 2026, gibt es eine Art Neustart. Der Richard-Wagner-Verband Bayreuth will zum Jubiläum 150 Jahre Bayreuther Festspiele „einen wegweisenden Gesangswettbewerb am Ort der Wagner-Festspiele und mit den Bayreuther Festspielen als Kooperationspartner etablieren“. Sowohl das Semifinale als auch das Finale des Wettbewerbs werden in öffentlichen Konzerten im Bayreuther Friedrichsforum präsentiert.

Sie singen beide bei den Bayreuther Festspielen 2026: Miina-Liisa Värelä und Nicholas Brownlee, hier als Brünnhilde und Wotan in der neuen „Walküre“ an der Bayerischen Staatsoper.
Sie singen beide bei den Bayreuther Festspielen 2026: Miina-Liisa Värelä und Nicholas Brownlee, hier als Brünnhilde und Wotan in der neuen „Walküre“ an der Bayerischen Staatsoper.
Monika Rittershaus

Wer wird der Tristan, der Wotan der Zukunft, wie klingt die Isolde der kommenden Jahre? Steht da irgendwo eine zweite Birgit Nilsson oder Kirsten Flagstad in den Startlöchern. Wer ist der Lauritz Melchior, der Jon Vickers oder Wolfgang Windgassen des 21. Jahrhunderts? Oder sind solche Vergleiche mit den größten Wagner-Stimmen der Vergangenheit fruchtlos, weil man Wagner heute definitiv anders singt. Leiser, flexibler. Was ist das überhaupt, eine Wagner-Stimme?

Ein Siegmund anno 1900: Lauritz Melchior in der Rolle am Londoner Covent Garden, er gilt bis heute als einer der vollendetsten Wagner-Sänger.
Ein Siegmund anno 1900: Lauritz Melchior in der Rolle am Londoner Covent Garden, er gilt bis heute als einer der vollendetsten Wagner-Sänger.
imago stock&people

Fragen, mit denen sich zumindest die Jury dieses Wettbewerbs auseinanderzusetzen hat. Knapp 280 Bewerberinnen und Bewerber aus 39 Ländern, alle nach dem 1. Januar 1991 geboren und am Beginn ihrer Bühnenlaufbahn, hatten bis zum Einsendeschluss Mitte April Video-Dateien mit Partien aus dem Wagner-Repertoire eingereicht. Und gehofft, unter den 40 Glücklichen zu sein, die nun zur Vorauswahl für das Semifinale in Bayreuth zugelassenen werden. Dieses findet vom 5. bis 6. August, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, in der Städtischen Musikschule statt. Bewertungskriterien sind unter anderem die künstlerische Persönlichkeit und Präsenz der jungen Sängerinnen und Sänger, natürlich ihre Stimmqualität, die musikalische Gestaltung und ihr technisches Können.

Die dann 16 im Wettbewerb verbliebenen Tenöre, Soprane, Mezzos und Baritone, Altistinnen oder Bässe wird das Publikum erstmals am 8. August beim Konzert im Balkonsaal des Friedrichsforums am Jean-Paul-Platz 1 zu Gesicht und Gehör bekommen. Die Kandidatinnen und Kandidaten müssen sich dort nochmals der Fachjury stellen, die unter ihnen insgesamt sechs Finalistinnen und Finalisten auszuwählen hat. Die Endrunde wird dann wiederum öffentlich ausgetragen im Konzert am 11. August, diesmal im Großen Saal des Friedrichsforums.

Die siegreiche Wagner-Stimme 2026 geht immerhin mit dem nicht unerheblichen Preisgeld von 15 000 Euro nach Hause, den mit 10 000 Euro dotierten zweiten Preis (Wolfgang-Wagner-Preis) stiftet die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, zudem gibt es einen Publikumspreis (5000 Euro) und darüber hinaus ein Preisgeld in Höhe von 2500 Euro für jeden Teilnehmer des Finales. Neben der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth sind die Förderer des Wettbewerbs der Kulturfonds Bayern, die Stadt Bayreuth, die Oscar und Vera Ritter Stiftung sowie die Adalbert Zajadacz Stiftung.

Eine Klausel in den Wettbewerbsbedingungen dürfte den Wagner-Stimmen der Zukunft gar nicht ungelegen kommen: „Die Teilnehmenden erklären sich einverstanden, dass Künstlerischen Betriebsbüros und Intendanten von weiteren Opernhäusern die Bewerbungen inklusive hochgeladener Materialien zugänglich gemacht werden.“

Internationaler Gesangswettbewerb für Wagner-Stimmen, Semifinale, 8. August; Finale, 11. August, Beginn jeweils 19.30 Uhr, Friedrichsforum, Jean-Paul-Platz 1, Bayreuth, Infos und Karten unter www.wagner-stimmen.de

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