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Panne bei der Post:Wenn Beirut plötzlich in Oberfranken liegt

Internationales Postzentrum am Flughafen Frankfurt

Im Internationalen Postzentrum in Frankfurt wurde die Sendung laut Post versehentlich "in Richtung Libanon abgeleitet". Sie sollte nach Bayreuth.

(Foto: dpa)

Die Hausarbeit eines Studenten wird in den Libanon geschickt statt an die Uni in Bayreuth. Ob das an der Mundart liegt? Es ist jedenfalls nicht die erste Verwechslung dieser Art.

Glosse von Maximilian Gerl

War nur die Adresse unleserlich oder lag es an jenen weichen Lauten, die man womöglich im örtlichen Verteilzentrum spricht? So genau wird sich die Genese eines ungewöhnlichen Postwegs wohl nicht mehr rekonstruieren lassen, den die Hausarbeit eines Studenten nahm. Diese Arbeit sollte eigentlich im Briefkasten der Universität Bayreuth landen. Nur kam sie dort niemals an. Dank Online-Nachverfolgung ließ sich zumindest der Postweg selbst rekonstruieren und so die Arbeit aufspüren: Statt in Bayreuth war sie in Beirut gelandet, im Libanon. Was ja, das lässt sich kaum bestreiten, schon so ähnlich klingt wie Bayreuth, vor allem wenn man es ein bisserl nuschelt und mit fränkischen Lauten garniert.

Tatsächlich sind die beiden Metropolen nicht zum ersten (und vermutlich nicht zum letzten) Mal durcheinander geraten. Man kann vielmehr fast von einem Klassiker sprechen. So schilderte die SZ unter anderem schon die Nöte eines heimischen Campingplatzes in den 1990er Jahren, der wegen Kriegs im Nahen Osten weniger Gäste verkraften musste: "Die Amerikaner blieben weg - weil sie ,Bayreuth' mit ,Beirut' verwechselten." Wollte man alle Bücher und Filme aufzählen, die mal mehr, mal weniger lustige Missverständnisse zwischen Hochdeutsch- und Mundartsprechenden bemühen - man würde nie fertig werden.

Ein Fall allerdings, so geschehen nicht weit von Bayreuth jenseits der Landesgrenze, verdient gesonderte Erwähnung, schaffte er es doch in die Rechtsgeschichte. Eine Frau aus Sachsen buchte einst telefonisch einen Flug nach Porto und landete in Bordeaux. Anscheinend gingen die Auffassungen zwischen Reisender und Reisebüro auseinander, welche Stadt unter "Bordö" zu verorten sei. Ein Gericht stufte den Vertrag als wirksam ein, die Frau musste den Flug bezahlen.

Die Moral von der Geschicht? Vielleicht: Trau keinem, der wo nur Hochdeutsch spricht! Sie oder er könnte etwas ganz anderes verstehen als das scheinbar Offensichtliche. Immerhin hat es der Bayreuther Student besser als seine sächsische Leidensgenossin, denn die Uni rechnete ihm die verlustig gegangene Hausarbeit nicht nachteilig an. Eine Zweitversion hat er inzwischen erfolgreich abgegeben. Persönlich. Sicher ist sicher.

© SZ vom 23.11.2020/kast/van

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